The Tuk Tuk Run – Südostasien auf drei Rädern!

Ihr dachtet, es war eine beknackte Idee, mit Schrottautos in die Ukraine zu fahren? Lest, was ich diesmal gemacht habe, dann klingt die letzte Reise plötzlich wie All Inclusive!

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13 SE Asia 07 - 005

Worum geht’s?

Ich arbeite für ein weiteres Projekt der Macher von Shows wie ‘Trabant Trek’ und ‘Wreck Trek’, nachdem ich letzten Sommer 3 Wochen lang mit ihnen in die Ukraine gefahren bin. Dieses Mal werden wir 2900 Kilometer durch Südostasien fahren – in den berüchtigten dreirädrigen Thai-Fahrzeugen mit dem Namen Tuk Tuk! Wir sind jetzt eine Gruppe von 21 Leuten aus 9 Ländern und alle können es kaum erwarten den Trip zu starten.

Nachdem wir nun wochenlang Informationen gesammelt haben, ist das Einzige, was wir mit Sicherheit sagen können, dass das Fahren von Tuk Tuks durch Südostasien eine Art Grauzone ist. Es scheint, in dieser Form zumindest, einfach noch niemand gemacht zu haben. Es ist außerdem mehr als fraglich, ob man 21 Farangs in 7 Tuk Tuks irgendeinen Grenze passieren lässt. Das Fahrkönnen der Teilnehmer liesse sich ebenfalls in Frage stellen und die Fahrzeuge selbst…. naja, man könnte sagen, sie sind speziell!

In den nächsten Tagen werden sich alle kennenlernen und die Läden nach Tuning-Teilen für ihre Tuk Tuks abklappern. Unterdessen lassen wir alle Tuk Tuks auf Dualsysteme umbauen (Benzin und Gas), da die Dinger normalerweise nur mit Gas fahren, dieses aber im Dschungel von Laos und Kambodscha kaum zu bekommen ist.

Danach gibt es Fahrtraining und ich habe so eine Ahnung, dass alle mehrfach umpacken müssen, da es im Grunde nur Platz gibt für zwei Shorts und zwei Shirts pro Person.

Und dann geht es endlich los in Richtung Norden! Von Bangkok wollen wir bis zum Tubing-Paradies Vang Vieng, dann wieder ein Stück zurück für das Chinesische Neujahrsfest in Vientiane. Von da wollen wir uns entlang des Mekong nach Süden arbeiten, bis zu den sogenannten 4000 Inseln. Von dort geht es über Dschungelpisten zur kambodschanischen Grenze, danach steht Angkor Wat auf dem Plan. Dann geht es zurück nach Thailand mit einem Pitstop in Bangkok. Danach dann die Küste runter, an Höhlen, Tempeln und Stränden vorbei bis nach Surat Thani. Von dort geht das Boot nach Ko Samui. Nach zwei Tagen Entspannung dort wird die Full Moon Party auf meiner Lieblingsinsel Ko Phangan den krönenden Höhepunkt bilden!

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Bangkok – 2 Tage bis zur Abreise

Ich bin in den letzten Tagen in Bangkok herumgerannt wie ein Bekloppter, um alle Tuk Tuks zu kaufen und die meisten der Reparaturen über die Bühne zu bringen. Es fühlt sich an, als wären Moon, unser Freund und Organisator für alle Thai-Belange, und ich jeden Tag 12 Stunden unterwegs gewesen.

Wenn man die ganze Zeit durch Bangkok und das angrenzende Nonthaburi fährt auf der Suche nach günstigen Tuk Tuks, dann bekommt man eine Menge zu sehen. Selbst wenn man wie ich schon knapp zwei Jahre in Thailand verbracht hat, gibt es doch immer wieder Kurioses zu bestaunen. Jetzt jedoch erinnere ich mich lediglich an kleine Ausschnitte. Ich habe gesehen, wie ein Kleinbus einen Motorradfahrer umfuhr, der jedoch gleich wieder aufstand und dem Fahrer seinen Helm ins Gesicht schlagen wollte. So wütend habe ich noch nie einen Thai erlebt. Mehrere Male passierte ich einen verrückten Obdachlosen, der sich sein eigenes Gesicht mit einem Kuli bemalte. Ich habe eine Menge Strassenhunde und -katzen gesehen und mich mit einigen davon angefreundet. Ich habe die reichen Bangkoker beobachtet, wie sie in deutschen Luxuskarossen durch den Verkehr schweben, die man in Deutschland nicht mal kaufen kann. Unzählige Male habe ich den mächtigen Chao Phraya überquert.

Ich denke, dass ich alles in allem wohl an die 10 Stunden ausschließlich mit Warten in diesem unglaublichen Verkehr zugebracht habe. Manchmal sieht man hier die Ampel 20 Mal grün und wieder rot werden, bevor man sich auch nur einen Zentimeter bewegen kann. Es ist absolut wahnwitzig und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, hier jeden Tag zu fahren.

Tuk-Tuk-Fahren ist sehr schräg am Anfang, aber schon bald ein ziemlich großer Spaß! Mittlerweile fühlt es sich tatsächlich schon so an, als wäre ich nie etwas Anderes gefahren. Das Ganze ist im Grunde ein Mix zwischen einem Motorrad und einem Auto. Die Kupplung und die Bremse sind Pedale, aber das Gas ist wie beim Motorrad am rechten Lenkergriff. Man sitzt wie auf einem Sattel und der Schalthebel ist seltsamerweise zwischen den Beinen des Fahrers. Die meisten unserer Tuk Tuks haben keine Abdeckungen um den Schalthebel, sodass die Hitze des Motors einem schön die Weichteile durchkocht!

Wenn ich mit einem der Tuk Tuks unterwegs bin, können sich die Thais gar nicht sattsehen. Sie winken, sie lachen sich kaputt, sie zeigen mir ihre erhobenen Daumen. Und das ist tatsächlich ziemlich gut, denn wir waren uns nicht so sicher, ob das alles nicht auch als respektlos aufgefasst werden könnte.

Wir haben jetzt 7 Tuk Tuks gekauft. Will meinen, ICH habe sie gekauft. Denn ich bin zum Schatzmeister dieser ganzen Unternehmung geworden. Manchmal war ich mit einer Plastiktüte voller 1000 Baht-Scheine unterwegs, an einem Tag hatte ich umgerechnet 5000 Euro dabei. Die Fahrzeuge zu kaufen und mit den Thais über Reparaturen und Umbauten zu verhandeln, macht Spaß, ist aber auch ein ziemlich stressiges Theater. Nie sind die Dinge dann fertig, wenn sie es sein sollten, und am Ende bekommt man nie exakt das, was vereinbart wurde. Aber noch viel wichtiger: Wenn ein Deal abgewickelt ist, dann gibt es auch kein Zurück mehr. Auch Beschwerden sind hier nicht Gang und Gebe, selbst wenn man schnell merkt, dass man gerade für Schrott sein Geld hinausgeworfen hat. Das habe ich auf die harte Tour lernen müssen. Daher muss man hier wirklich stets seine Erwartungen zügeln. Auf der anderen Seite kaufen wir natürlich auch die billigsten Tuk Tuks weit und breit, für im Schnitt 65000 Baht (1700 Euro) knapp halb so teuer wie etwas Anständiges.

Während ich in der Gegend herumfahre und um Fahrzeuge feilsche, die hoffentlich den ganzen Trip lang halten werden, hat das Filmen bereits begonnen. Die Jungs haben bereits einige Interviews gefilmt, einige davon auf einer Dachterrasse im 30. Stock, welche die ganze Stadt überblickt. Unsere wirklich winzige Crew von sechs Leuten ist ständig mit irgendetwas beschäftigt, um diese ganze Idee wirklich in die Tat umsetzen zu können.

Unsere Teilnehmer sind völlig bekloppt. Wir haben jetzt 7 Mädels und 8 Jungs aus den USA, England, Frankreich, Schweden, Australien, Kanada, Deutschland, Italien und Thailand. Alle 15 sind jung und erlebnishungrig. Gelinde gesagt. Man könnte auch behaupten, dass sie wilde Tiere sind. Ich denke, dass sie für eine Menge Spaß garantieren – aber auch für einige Probleme, kein Zweifel daran. Einer von ihnen hat es bereits geschafft, verhaftet zu werden, nachdem er auf der Khao San Road eine Flaschen Schnaps geklaut hatte. Es kann nur noch schlimmer werden!

Wir freuen uns alle sehr darauf, diese Megalopolis mit ihrer Hitze und Verschmutzung demnächst hinter uns zu lassen und stattdessen auf Landstraßen durch die wenig bereiste Region Isaan zu cruisen. Es könnten eine Menge Dinge schief gehen auf dieser Tour. Ich habe jedoch so ein Gefühl, dass das Ganze ziemlich cool wird!

Dinge, die in den nächsten 36 Stunden noch erledigt werden müssen : Neuen Reisepass besorgen (der alte hat keine freien Seiten mehr), ein paar Sachen packen, den Kids das Fahren beibringen, ein bisschen Schlaf abgreifen.

Bangkok – Letzte Vorbereitungen

So sehr es auch nervte, wir mussten unsere Abreise noch mal um einen Tag verschieben. In den letzten Tagen gab es eine Menge Spannung. Die Tuk Tuks waren immer noch nicht fertig und manche Dinge hatten wir offenbar nicht zu Ende gedacht. Unsere potentiellen Sponsoren vertagten ihre Entscheidung Tag um Tag. Aber dann hatten wir plötzlich den Deal, Chang und Mekhong würden unsere Expedition mit Geld und Getränken unterstützen! Das wiederum bedeutet, dass ich für dieses kleine Abenteuer auch noch ein bisschen Geld bekomme. Umso besser! So toll das auch war, so bedeutete es auch, dass noch neue Logos gedruckt werden und die Tuk Tuks nach den Vorgaben der Sponsoren gestaltet werden mussten. Daher die Verzögerung um einen weiteren Tag.

Moon hatte uns ein leerstehendes Gebäude klargemacht, wo wir die Tuk Tuks parken und an ihnen arbeiten konnten. Das Dach der Parkgarage war zudem ideal für das Fahrtraining. Insgesamt ein sehr schräger Ort mit einer Menge verfilzter Katzen und ein paar Familien, die in den schimmligen Überresten dieses ehemaligen Regierungsgebäudes hausten.

Am Tag vor der Abreise organisierten wir einen kleinen Wettbewerb. Die Teilnehmer sollten einen Hindernisparkour absolvieren und dann rückwärts einparken. Wir würden die jeweilige Zeit nehmen. Die besten Teams sollten die ersten sein, die ihr Fahrzeug aus der Flotte auswählen durften, daher waren alle ziemlich aufgeregt.

John testete den Kurs jedoch, bevor die Anderen kamen. Es stellte sich heraus, dass er wohl ein wenig zu gefährlich war. Gleich zwei Mal legte er das Tuk Tuk fast auf die Seite, bevor er es mit Wucht in die Reling knallte, die dem Aufprall glücklicherweise standhielt und ihn vor einem 6-Meter-Sturz bewahrte. Es gab einen lauten Knall und dann komplette Stille, als das Tuk schließlich zum Stehen kam. Aber zum Glück war der Schaden am Tuk nur gering und auch John hatte nur ein paar Schürfwunden abbekommen. Wir beschlossen, den Parkour doch nicht auf Zeit zu fahren, sodass alle das Ganze auch überleben würden. Wir wollten nicht jetzt schon Leute verlieren. Die Einheimischen auf der Straße unterhalb des Gebäudes sagten noch den ganzen Nachmittag ‘accident, accident’, wann immer ich vorbeilief, und begleiteten diesen Ausspruch mit besorgten Minen.

Am Abend wählten die Teams ihre Fahrzeuge. Ich, der ich jedes einzelne davon gefahren hatte, kann ehrlicherweise behaupten, dass alle mehr oder weniger gleich schlecht waren. Einige haben neue Reifen, ein anderes vielleicht einen neuen Motor. Eines hat eine Hupe, während ein anderes vielleicht einen gemütlichen Sitz hat. Aber bei dem Preis, den wir im Schnitt bezahlt haben, kann man nicht erwarten, dass auch nur eines der Fahrzeuge perfekt ist. Ich hatte für mich selbst Carolina reserviert, ein Tuk Tuk, in das ich mich hauptsächlich aufgrund der Art und Weise verliebt hatte, auf die ich es erstanden hatte. Ich kaufte es von einer sehr herzlichen Familie, die Moon und mich in ihr Haus einlud, das auf Stelzen in einem kleinen See stand und voller zutraulicher Hunde war. Der Besitzer wollte Carolina eigentlich nicht so richtig verkaufen, mochte aber unsere Idee so sehr, dass er sich schließlich erweichen ließ. Von Anfang an hatte ich ein gutes Gefühl mit Carolina und wusste, dass ich den Trip mit diesem Fahrzeug bestreiten wollte.

Tag 1: Bangkok – Suraburi

Wir wollten um 12 los, aber alle wussten, dass die Chancen dafür nicht sonderlich gut standen. Die Logos kamen für Thai-Verhältnisse recht pünktlich, aber wir mussten noch eine Menge Dinge organisieren. Und so vertagten wir die Abreise Stunde um Stunde, während wir an den Fahrzeugen herumbastelten und diese dekorierten.

Ich als Production Manager dieser ganzen Unternehmung musste mich praktisch alle fünf Minuten um etwas Anderes kümmern. So sehr ich Thailand und seine Leute mag; hier zu arbeiten kann wirklich ein Alptraum sein. Nichts und niemand ist pünktlich, Absprachen werden ständig gebrochen oder ‘leicht abgeändert’. Und, was noch viel schwerer wiegt, man kann seinem Ärger nicht mal Luft machen, da das Gesichtwahren über allem steht und es nahezu unmöglich macht, jemanden offen zu kritisieren.

Als wir kurz nach Sonnenuntergang endlich unser Lager verließen, schafften wir es gerade mal bis zur nächsten Tankstelle, bevor das erste Tuk Tuk den Geist aufgab. Glücklicherweise hatten wir mit Moon und seinem Freund Sun (kein Witz) vereinbart, dass sie uns die ersten Tage über begleiten würden. Die Wahrscheinlichkeit für technische Probleme am Anfang des Trips war deutlich größer. Und Sun war angeblich Thailand’s Tuk Tuk mechanic number 1!

Dieses erste Problem war einfach zu beheben. Aber, obwohl der Verkehr nur mittelmäßig wahnwitzig war, schafften wir es, uns in nur wenigen Minuten in drei Gruppen aufzusplitten. Wir hatten noch keine Idee, dass dies unser häufigstes Problem werden sollte…
Einige unserer Leute hatten noch nie irgendetwas gefahren, die meisten waren noch nie in einem Konvoi gefahren, und keiner von ihnen hatte jemals ein Tuk Tuk in Bangkoks Verkehr bewegt. Ein Riesenspaß!

An praktisch jeder Tankstelle, die wir sahen, gruppierten wir uns neu. Aber am Ende blieb ein Fahrzeug verschollen. Wir beschlossen, uns am Don Mueang Flughafen zu treffen. Dieses Mal hatten wir tatsächlich Telefone mit uns, im Gegensatz zu unserem Ukraine-Abenteuer im vergangenen Jahr. Ein cleverer Schachzug!

Nachdem der komplette Konvoi in den Flughafen gefahren war, was vermutlich nicht ganz legal gewesen sein dürfte, und dort die Anderen wiedergetroffen hatte, legten wir endlich ein paar Kilometer zurück. Etwa eine Stunde später hielten wir bei einem Restaurant am Straßenrand, das von einer freundlichen chinesischen Familie betrieben wurde. Auf dem Weg dorthin hatten wir bereits eine kleine Parade zum Chinesischen Neujahrsfest passiert. Diese hatten wir ursprünglich in größerer Form in Vientiane bestaunen wollen. Nun bekamen wir wenigstens ein paar Süßigkeiten von den Restaurant-Betreibern geschenkt, weiße Küchlein aus Kokosnuss und etwas Klebrigem. Leider eine ziemlich geschmacklose und zähe Angelegenheit, aber, nett wie ich bin, ass ich natürlich alles auf.

Die nächsten Stunden sind im Rückblick sehr verschwommen. Stets fühlte es sich an, als würden wir uns tatsächlich fortbewegen, stets waren wir beim Blick in eine Landkarte aber enttäuscht, wie weit wir tatsächlich gekommen waren. Ständig verloren wir uns und hatten etwa ein Mal stündlich technische Probleme. Unsere Teilnehmer waren hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Todesangst. Wir hörten sie Jubelschreie ausstoßen, wir sahen sie weinen. Einige der Teams stritten sich dermaßen heftig, dass sie sich fast trennten – am ersten Tag!

Die Straßen waren OK und so langsam verstanden wir alle, wie schnell man in diesem Gefährt Tuk Tuk fahren konnte. Nicht allzu schnell, wie wir erkennen mussten. Die Motoren waren zwar höllisch laut, aber offenbar nicht allzu stark. Schlaglöcher stellten eine ziemliche Herausforderung für die Dreiräder dar, da man mit nur einem Rad vorne sehr schnell ins Schlingern geraten konnte. Motorradfahrer, die sich entgegen der Fahrtrichtung auf dem Seitenstreifen fortbewegten, brachten noch zusätzliche Würze in das Erlebnis; manche von ihnen hielten es nicht mal für nötig, ihre Beleuchtung einzuschalten. Wir mussten wirklich die ganze Zeit über konzentriert bleiben und ich war froh zu sehen, dass die meisten Teams jetzt ihre etwas erfahreneren Mitglieder zum Piloten erkoren hatten.

Ich merkte, dass dies eine ganz andere Erfahrung werden würde als unser Road Trip des vergangenen Jahres. In einem Tuk Tuk kann man nicht Musik hören oder mit dem Beifahrer reden. Man ist ganz alleine mit diesem seltsamen Gefährt.

Schon bald hatten sich wieder alle verloren. Es war schon hart genug drei Fahrzeuge beisammenzubehalten, ganz zu schweigen von acht (Sun und Moon folgten uns in ihrem eigenen, mit Werkzeugen beladenen Tuk Tuk).

Nach einigen Stunden fanden wir alle wieder zueinander vor einem heruntergekommenen Hotel in Suraburi, im Grunde nicht allzu weit von unserem Startpunkt entfernt. Alle waren ziemlich aufgekratzt darüber, dass der Trip endlich Realität geworden war! Die Kids waren hellwach und starteten umgehend eine Party auf dem Parkplatz, sich langsam aber stetig durch die zehn Kisten Schnaps durcharbeitend, die wir in Bangkok bekommen hatten. Ich hingegen war ziemlich zerstört und schlief schon bald ungewaschen in meinem schäbigen Zimmer. Es gab einen Schalter an der Wand, auf dem ‘air’ stand und ich stellte sicher, dass er an war. Luft kann nie schaden.

Tag 2: Suraburi – Khon Kaen

Als ich aufwachte, war ich fast noch geräderter als am Tag zuvor. Unser Kameramann Danny, mit dem ich das Zimmer teilte, hatte aus versehen den Schlüssel aus der Box am Eingang genommen, sodass wir die ganze Nacht über keine Klimaanlage gehabt hatten. Um diese Jahreszeit in einem geschlossenen Raum ohne Klimatisierung zu schlafen ist wirklich kein Spaß. Gar kein Spaß.

Überraschenderweise waren alle Teilnehmer bereits wach und abfahrbereit. Daher machte ich mich daran, die Crew aufzuwecken, die aus deutlich älteren Menschen bestand, als es die Teilnehmer waren. Ich hatte fast vergessen, wie gut man mit Kater und Schlafmangel umgehen kann, wenn man 23 ist… Unser Regisseur Basil sah aus, als würde er ganz ähnlich fühlen.

Der Morgen begann mit einigen Teams, die auf der falschen Seite der Straße fuhren und damit, dass wir uns alle fünf Minuten verloren. Wundersamerweise fanden wir uns alle außerhalb von Suraburi wieder. Ich kaufte mir Chips und ein Getränk an der Tankstelle, bevor mir klar wurde, dass wir uns diesmal nicht in der Ukraine befanden, sondern in Südostasien, wo es immer und überall besseres Essen gab als Tankstellenfraß. Direkt neben der Tankstelle verkauften Landbewohner ihre Produkte, hauptsächlich Kekse und getrocknete Früchte. Direkt nebenan gab es Curries, Fisch und Huhn, frisch zubereitet und für fast kein Geld. Ich kaufte ein paar getrocknete Bananen und nahm mir vor, den kleinen Läden von nun an den Vorzug zu geben.

Nach dem Stopp schafften wir es für eine Weile zusammen zu bleiben. Wir passierten Hunderte von Obstständen, die am Straßenrand Jackfruits, Drachenfrüchte und Tamarinden verkauften. Ich hatte gerade erst gehört, dass die Klimaveränderung hier den gesamten Rhythmus durcheinanderbringt. Momentan waren Früchte reif, die man sonst nicht vor April ernten konnte, wie etwa Mangosteen. Gut für uns, wahrscheinlich schlecht für die Welt.

Nach den Obstständen kamen die Steinmetze, die scheinbar mühelos die gesamte Götterfamilie aus Buddhismus, Brahmanismus und all ihren animistischen Verwandten erschufen. Ich wünschte, ich hätte mehr Platz in meinem Gefährt, da ich liebend gerne einen riesigen Ganesha mitgenommen hätte, geschnitzt aus einem einzigen Steinblock!

Der Rest des Weges war nicht wahnsinnig aufregend. Alles lag unter dem für Südostasien typischen Dunst. Ich kann nie so genau sagen, ob das alles Smog ist, oder ob da noch etwas Anderes mitspielt. In vielen Orten ist auf jeden Fall eine Menge Rauch mit dabei, da Thais eine Schwäche dafür hegen, Felder und auch Wälder zu verbrennen, wo sie nur können. So offen, wie das Tuk Tuk war, bekam man wirklich alle Gerüche der Straße ungefiltert mit, gute wie schlechte. Rauch, Abwasser, Früchte, Abgase, Bäume, Rinder in einem vorbeifahrenden LKW.

Hier und da gab es einen riesigen Buddhastatue auf einem Hügel, aber sonst passierten wir hauptsächlich Fabriken und eine sehr trockene Vegetation am Rand der vierspurigen Straße. Die Route führte über ein paar Hügel, bei denen ich tatsächlich in den dritten Gang schalten musste. Carolina war bisher ein braves Mädchen gewesen, aber ihr Motor schien wirklich nicht der kräftigste zu sein. Mitten in diesem Mittelgebirge gab es einen hübschen See, der mich an das Rheintal erinnerte. Leider blieb es beim Glotzen, für ein Bad reichte unsere Zeit nicht aus. Nahe des Sees hatten sich eine Menge Restaurants am Straßenrand angesiedelt. Um an mehr Gäste zu gelangen, hatten alle jeweils einen Kellner, der auf der Straße tanzte und winkte, jeder von ihnen mit einer individuellen Choreographie. Ein ziemliches Spektakel, aber auch verdammt gefährlich, da alle Fahrer auf der ohnehin schon schwierigen Straße total abgelenkt wurden.

Kurz vor Sonnenuntergang führte uns die Straße durch die mittelgroße Stadt Korat. Es war genau jene Zeit, wo alle Kinder auf den Pritschen großer LKW von der Schule nach Hause fahren. Ich fuhr mit John in einem Tuk Tuk, Tony folgte uns in einem anderen. Mit all den Kindern, die uns zuwinkten und über uns tuschelten, fühlten wir uns plötzlich wie Rockstars. Nicht zum ersten Mal dachte ich bei mir selbst, dass das schon ein ziemlich cooler Trip war!

Der Sonnenuntergang selbst war spektakulär. Die Sonne war ein perfekter roter Kreis, der im Smog und dem Staub, den die passierenden LKW aufwirbelten, verschwand. Wir hielten für ein kleines Essen an einem Stand und fanden fünf der anderen Tuks. Das französisch-australische Team war bereits weitergefahren und wir vereinbarten, uns in Khon Kaen zu treffen.

Zum Glück waren die großen Straßen von nun an eher leer. Die massiven, mit Bambus beladenen LKW sind zwar oft hübsch bemalt und hören sich an wie Rennwagen, aber sie sind auch ziemlich beängstigend und die Fahrer scheinen sich nicht sonderlich um irgendetwas zu scheren, dass kleiner als sie ist. Als wir zum ersten Mal von hinten ein Tuk Tuk neben einem solchen Ungetüm sahen, wurde uns klar, in was für einer fragilen Umgebung wir uns befanden.

Gegen Mitternacht rollten wir nach Khon Kaen rein. Die ganze Stadt war von Tausenden bunter Lichter erhellt.

Wie schon in der Nacht zuvor waren alle ziemlich stolz auf die geleistete Arbeit und wir saßen gemeinsam draußen in der warmen Nacht, tranken Bier und erzählten einander von den Erlebnissen des Tages.

Gemeinsam gestanden wir uns ein, dass wir bei der bisherigen Geschwindigkeit niemals die geplante Route schaffen konnten. Mit all den Pannen legten wir einfach viel weniger Kilometer zurück, als wir uns das vorgestellt hatten. Daher strichen wir nun nach Vang Vieng auch noch Vientiane aus unserem Plan und beschlossen, von hier aus stattdessen direkt gen Osten weiterzuziehen und bei Savannaket nach Laos einzureisen. Wir würden sehen, wie dieser Plan funktionierte!

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Tag 3: Khon Kaen

Khon Kaen entpuppte sich als nettes Städtchen mit sehr freundlichen Bewohnern. Überraschenderweise sprachen diese auch besser Englisch als in Bangkok. Es war außerdem interessant zu erfahren, dass der Dialekt, den man hier sprach, mehr Gemeinsamkeiten mit Lao als mit Hoch-Thai hatte. Was sich jedoch als viel schwieriger herausstellte, als man denken würde, war die Fortsetzung der Reparaturen a den Tuk Tuks. Nuchi, eine sehr nette Kaffeeverkäuferin mit einem improvisierten Stand neben unserem Hotel, besorgte uns einen zusätzlichen Mechaniker, aber nachdem dieser seine Kooperationsbereitschaft bekundet hatte, ward er nie wieder gesehen. Nach all den Erfahrungen in den letzten Wochen überraschte uns das nicht weiter.

Am Ende erledigten wir eine Menge der Reparaturen selbst. Ein paar der Schläuche für das Benzin-System mussten ausgetauscht werden, einige der Getriebe brauchten etwas Zuneigung. Am Nachmittag machten John und ich uns auf zu einer kleinen Shoppingtour, auf der wir viele blinkende Lichter und zusätzliche Accessoires für die Tuks kauften. Man musste unsere Gefährte bei Nacht einfach besser erkennen können. Nach unserer Rückkehr bastelten wir alle unablässig auf dem Parkplatz , beobachtet vom neugierigen Personal des Hotels.

Am Abend schmiss unser Sponsor Chang eine Party in einem sehr Thai-typischen Lokal, fast schon einem Freizeitpark einer Bar. Dieser riesige Ort unter freiem Himmel bot eine Live-Band, viele Tische mit sogenannten Biertürmen und eine Menge Essensstände rund um den Sitzbereich. Zunächst einmal hatten wir jedoch unsere Mühe, überhaupt dorthin zu gelangen, da es nach wie vor nahezu unmöglich war, das Rudel beisammenzuhalten. Jedes mal, wenn wir anhielten, sprangen die Kids aus den Tuks und begannen zu tanzen. Einmal sah ich sie sogar in der Mitte einer befahrenen Kreuzung durchdrehen. Wow! Nicht zum ersten Mal war ich erstaunt darüber, dass wir bisher nicht die geringsten Probleme mit der Polizei gehabt hatten. Wann immer uns Cops sahen, schüttelten sie nur ungläubig ihre Köpfe. Vermutlich trugen auch die Logos unserer Sponsoren ihren Teil dazu bei.

Als wir schließlich in den Chang-Ort einfielen, waren die Einheimischen erst mal völlig perplex. Wir parkten die überall blinkenden Gefährte mitten im Geschehen und stellten erst mal sicher, dass alle genug zu trinken hatten. Dann begannen die Kids damit, die Bar zu ihrer zu machen.

Zu einem späteren Zeitpunkt der Party realisierte ich, dass dieser Trip wirklich anders war als der im vergangenen Jahr. Waren wir damals eine große Gruppe gewesen, so gab es diesmal eine ganz klare Unterteilung in Crew und Teilnehmer. Zwar bedeutete dies natürlich im Endeffekt mehr Schlaf für uns, leider aber auch eine Menge weniger Spaß. Dieses Mal, so schien es, würde ich mehr Leuten beim Tanzen zuschauen als selbst das Tanzbein zu schwingen.

Die Kids jedenfalls nahmen den Biergarten komplett auseinander. Sie tranken, sie sangen mit der Band, sie hüpften herum wie Gummibälle. Sie befreundeten sich mit jedem und hatten einen Heidenspaß. Am Ende gingen sie sogar herum und sammelten in einem Hut Geld für die Thai-Band, die ebenfalls sichtlich vom Ausgang des Abends überrascht war. Nachdem wir eine neue Ladung Drinks für die nächsten Tage bekommen hatten – die Tuks nun jeweils 100 Kilo schwerer durch all die Dosen und Flaschen – wurde es Zeit, Moon und Sun zu verabschieden. Die Beiden mussten nach Bangkok zurück. Nun waren die Zeiten vorbei, in denen wir nach einer Panne nur warten mussten, bis ihr Tuk Tuk auftauchte. Von nun an würden wir die Schäden selbst beheben müssen.

Die Party ging dann im Hotel weiter, aber ich war völlig erschöpft und machte mich stattdessen ab ins Bett. Die Kids jagten John die Straße hinunter, bis dieser stolperte und sich auf dem Teer ein paar schöne Schürfwunden zuzog. Sie hielten den Secutity-Mann für den größten Teil der Nacht wach. Sie zerstörten den Aufzug. Verdammte Bande!

Tag 4: Khon Kaen – Mukdahan

Ich wachte als Erster auf und fand ein paar der Teilnehmer in komatösem Schlaf draußen vor dem Hotel. Ich bedeckte einen von ihnen mit einem Tuch, damit er sich keinen Sonnenbrand holte. Dann wartete ich auf den neuen Mechaniker, der das Getriebe an einem der Tuks reparieren sollte. Natürlich tauchte dieser niemals auf. Nachdem ich eine Stunde lang durch die kleine Stadt cruiste, fand ich schließlich jemand Anderen, der den Job machen konnte. Zumindest behauptete er das. Er verlangte einen ziemlich saftigen Preis, aber ich hatte nicht wirklich eine Wahl.

Während er also am letzten kaputten Tuk arbeitete und tatsächlich so aussah, als wüsste er, was er tut, wachten die Anderen langsam auf. Es fühlte sich an, als gäbe es noch Tausende Dinge zu organisieren vor unserer Abfahrt. Die meisten davon mussten von meiner Wenigkeit erledigt werden. Je mehr Zeit verstrich, desto besser fühlte es sich an zu wissen, dass wir nicht weiter in Richtung Norden fahren würden. Die Route, die wir uns vorgestellt hatten, war einfach nicht machbar.

Als das Getriebe schließlich wiederhergestellt, die Kater weitgehend auskuriert und die letzten Vorbereitungen getroffen waren, machten wir uns endlich auf in Richtung Osten. Es war später Nachmittag. unser Ziel war Mukdahan, direkt an der Grenze zu Laos.

Nun wurde das Fahren deutlich unstressiger und sehr viel angenehmer. Wir fuhren auf ruhigen Landstraßen und die Nachmittagssonne war uns ein perfekter Begleiter. Zwei Tuks waren zurückgeblieben, nachdem sie nur ein paar hundert Meter vom Hotel Probleme mit dem Motor bekommen hatten. Die anderen fünf schnurrten und rollten, als wären sie brandneue Autos. Das war endlich Fahrspaß!

Wir hielten in kleinen Dörfern und die Leute waren nett, neugierig und hilfsbereit. Wir tauschten Whisky-Flaschen gegen Hängematten und wurden Zeuge eines Hahnenkampf-Trainings am Straßenrand. Man konnte deutlich sehen, dass sich alle nun viel abenteuerlicher fühlten, weit weg vom lärmenden Bangkok, in der Mitte des ländlichen Issan.

Der Sonnenuntergang auf diesen staubigen Landstraßen war einfach nur atemberaubend. Aber als die Dunkelheit hereinbrach, wurde es tatsächlich fast kalt in den zu allen Seiten offenen Tuks. Doch wir fuhren einfach weiter und machten gute Fortschritte. Die wenig bereiste Route führte uns durch ein paar Hügel sowie immer kleinere Dörfer. Fast überall lag das Aroma von Rauch in der Luft. Einmal sah ich nach rechts und erblickte einen Baum, bei dem lediglich das Ende eines Astes lichterloh brannte. Ich verstehe nach wie vor nicht, was da wirklich los war, aber Tom, der Kameramann, den ich mit an Bord hatte, hatte es ebenfalls gesehen. Vielleicht Zauberei…

Kurz vor Mukdahan trafen wir auf das Fraussie (französisch-australische) Team. Sie waren gerade eben fast übel verunglückt. Chris hatte versucht, während er fuhr zu pinkeln, eine super Idee. Sie hatten die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren und waren in den Graben und wieder herausgeschleudert worden. Tatsächlich könnte es nur am Gewicht der ganzen Bierdosen und Schnapsflaschen gelegen haben, dass sich das Tuk Tuk nicht überschlagen hatte. Wir waren alle sehr erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert war, und die Leute lagen einander am Straßenrand in den Armen. Die Jungs sagten, dass sie dem Tod noch nie so nah gewesen seien.

Wir aßen eine sehr leckere Tom Ka Soup in Mukdahan und checkten in ein recht nettes Hotel für wenig Geld ein. Den meisten der Teilnehmer war das jedoch nicht günstig genug und sie fanden im Zentrum eine noch billigere Absteige. Man muss kaum erwähnen, dass sie umgehend eine Party starteten. Ich für meinen Teil war sehr froh, endlich mal ein Zimmer für mich sowie die Chance auf eine komplette Nacht Schlaf zu haben.

Tag 5: Mukdahan

I begann den Tag sehr früh, völlig überzeugt davon, dass wir schon bald unseren ersten Versuch an der laotischen Grenze starten würden. Ich hatte jedoch nicht die thailändische Arbeitsgeschwindigkeit berücksichtigt oder auch nur die Tatsache, dass alle von uns den größten Teil des Tages verschlafen würden.

Den ganzen Tag über rannte die Crew auf dem Parkplatz herum, reparierte Dinge, schraubte die US-Kennzeichen an und versuchte, die bescheuerten Benzinsysteme endlich zum Laufen zu bekommen. Währenddessen machten Basil und Tom Sicherheitskopien aller Aufnahmen der letzten Tage und hatten hierfür eigens ein komplettes Produktionsbüro im Empfangsbereich des Hotels aufgebaut. Waren die Hotelangestellten anfangs noch sehr freundlich gewesen, so konnte man ihnen nun zweifelsfrei ansehen, dass sie sich fragten, was zur Hölle hier eigentlich vorging. Sieben bunte Tuk Tuks auf dem Parkplatz, um die ein Haufen Irrer herumlief und Bier trank. Noch mehr Irre drinnen mit Kameras, Laptops und einer Menge Festplatten. Vermutlich hatten sie so etwas hier noch nie gesehen.

Als wir feststellten, dass zwei der Dualsysteme schon im Eimer waren, bevor sie überhaupt ein einziges Mal benutzt worden waren, machten Tony, Veronica und ich uns auf den Weg um jemanden zu finden, der die Dinger reparieren konnte. Leider fuhr man in Mukdahan jedoch komplett andere Tuk Tuks, eher wie Motorräder mit Pritsche, und so hatten die meisten der Werkstätten, bei denen wir fragten, die benötigten Ersatzteile nicht. Alle anderen sagten, sie hätten wegen des chinesischen Neujahrs geschlossen, was mich zur Frage veranlasste wie lange diese Feiertage eigentlich gingen. 10 Tage?!

So oder so, die zwei Stunden Rumfahren brachten nicht den Ansatz einer Lösung. Mukdahan allerdings wirkte wie ein witziges Städtchen. Was mich am meisten beeindruckte, waren die zahlreichen japanischen Oldtimer . Merkzettel für mich selbst: Ich muss nach Toyotas aus den 70ern recherchieren!

Nachdem wir mit all den schlechten Neuigkeiten zum Hotel zurückgekehrt waren, beschlossen wir widerwillig, noch eine weitere Nacht zu bleiben. Wir checkten also einfach wieder in die Zimmer der letzten Nacht ein. Die Hotelangestellten wirkten erleichtert, aber für unsere Leute war das Ganze nicht so cool. Sie hatten geschlagene sieben Stunden darauf gewartet endlich abzureisen.

Später am Abend tranken wir ein bisschen Mekhong Whisky auf dem Parkplatz und redeten über unsere Leben zuhause. Es fühlte sich gut an, wenigstens mal ein paar der Leute näher kennenzulernen. Die Kids hingegen veranstalteten eine weitere Party in ihrem Billighotel, was dazu führte, dass der Hotelmanager sie fast hinauswarf.

Ich konnte echt nicht glauben, dass wir immer noch in Mukdahan waren. Bis jetzt hatten wir nicht eines unserer angepeilten Ziele erreicht. Damit nicht genug, waren wir auch noch eine ganze Ecke hinter unserem Zeitplan. Das war alles nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Wie hatte ich mir überhaupt irgendetwas vorstellen können?

Tag 6: Mukdahan – Chong Mek

Schon wieder war ich der erste, der aufstand. Meine erste Aufgabe war es, diejenigen aufzuspüren, die ich benötigte, um auf ein Neues zur Werkstatt zu fahren, einen mit technischen Fähigkeiten, Tony, und eine mit sprachlichen, Veronica. Irgendwie schien aber niemand dort zu schlafen, wo er eigentlich sollte…

Als ich die beiden gefunden hatte, suchten wir einen der Mechaniker von gestern auf und dieser verwies uns an die erste hilfreiche Person, die wir seit einer Weile getroffen hatten. Der sehr freundliche Typ, der einen pinken Suzuki Geländewagen fuhr, führte einen Laden mit Gasflaschen sowie eine LPG-Tankstelle. Er war unser Mann! Wir kauften zwei große Gastanks und dann noch Schläuche für fast alle Fahrzeuge. Es sah ja mittlerweile wirklich so aus, als würde die ganze Idee mit den Dualsystem nicht so funktionieren, wie wir uns das erhofft hatten. Daher war es definitiv besser vorbereitet zu sein. Wir erfuhren, dass man nahezu jede Gasflasche – etwa von einer Suppenküche am Straßenrand – nehmen konnte und diese mit den gerade gekauften Schläuchen mit dem Tank des Tuk Tuks verbinden konnte. Das war doch endlich mal ein Plan!

Ich weiß nicht, wie wir es schafften, aber als wir fertig zur Abreise waren, war die Sonne bereits wieder am Untergehen. Mukdahan wollte uns einfach nicht gehen lassen. Wir verließen das Hotel (dessen Angestellte mit einer Flasche Whisky bestochen worden waren) und verloren einander nach wenigen Sekunden. Neverending story…

Etwa bei Sonnenuntergang trafen sich sechs der Tuks an der laotischen Grenze, etwa 20 Kilometer vom Hotel entfernt. Das verbleibende Tuk hatte nach der ersten Kurve eine Panne gehabt, das Team war in einer Werkstatt in der Stadt. Mittlerweile hielt es niemand mehr für nötig, die Pannen auch nur zu kommentieren.

Unser Versuch, die Grenze zu überqueren, war nicht von Erfolg gekrönt. Ein Gefühl sagte uns, dass die Beamten einfach keine Lust hatten, sich mit uns zu beschäftigen. Es scheint für die Menschen hier nicht sonderlich attraktiv zu sein, etwas Ungewohntes zu erledigen. Diese hier sagten uns schließlich, dass Tuk Tuks nicht erlaubt waren auf der Friendship Bridge. Wir entschlossen uns also, auf der thailändischen Seite der Grenze in Richtung Süden zu fahren. Dieser Plan brachte uns auf ein Neues ins kleine Städtchen Mukdahan, wo wir uns neu aufteilten, damit ein Kameramann bei der Vorhut war sowie einer bei der kleinen Gruppe, die noch bei der Werkstatt ausharren musste. Während wir neben der Werkstatt weitere zwei Stunden verplemperten, änderte ich meinen Wohnort bei Facebook in Mukdahan. Warum nicht, hatte ich mir gedacht.

Doch dann brachen wir tatsächlich auf nach Ubon Ratchthani. Es war eine leichte Fahrt auf guten Straßen und wir erreichten unser Ziel viel schneller als gedacht. Selbst die Tuk Tuks, die unterwegs wegen kleinerer Probleme zurückgeblieben waren, erreichten uns nur kurz später. Eines der Fahrzeuge schien ganz schön kaputt zu sein, aber das französische Team hatte sich zu richtigen Tuk Tuk Mechanikern gemausert und sie konnten das Gefährt noch am Tatort reparieren.

Wir trafen uns alle bei einem Hotel. Nachdem die Anderen eingesehen hatten, dass die Mukdahan-Mechaniker ihnen nicht helfen konnten, hatten sie das Tuk Tuk auf einen Pick-Up geladen. Auf diese Weise war auch dieses Fahrzeug nun in Ubon. Das Team musste hier bleiben, um es tags drauf wieder in Gang bringen zu lassen. Produktionsfahrzeug 2 würde bei ihnen bleiben. Wir, die verbleibenden fünf Gefährte, beschlossen hingegen, noch die restliche Strecke zur Grenze zurückzulegen. Es sah auf der Karte nach einer kurzen Fahrt aus.

Es war gegen 1 Uhr nachts als wir aufbrachen, um zunächst vergeblich die letzte LPG-Tankstelle vor Laos zu finden. Wir wurden bei unserer Suche umkreist von einem Schwarm angetrunkener Teenager auf Mopeds, was zu ein paar Beinahe-Unfällen führte. Als wir wirklich nicht mehr weiterwussten, lief einer unserer Teilnehmer zu einer Gruppe Polizisten an einem Checkpoint. Vermutlich wäre in jedem anderen Land ein Typ, der, bekleidet lediglich mit Shorts und einer Nikolausmütze, aus einem Tuk Tuk mit einem blinkenden Rentier auf dem Dach aussteigt, und eine Handvoll Polizisten nach dem Weg fragt und ihnen dabei auf die Schulter klopft, innerhalb von Sekunden verhaftet worden. Glücklicherweise befanden wir uns noch immer in Thailand….
Was stattdessen passierte, war, dass einer der Cops tatsächlich das Blaulicht an seinem Motorrad anwarf und uns den ganzen Weg bis zur Tankstelle eskortierte!

Nachdem wir alle ein letztes Mal aufgefüllt hatten, ging es auf wirklichen Landstraßen weiter. Keine Lichter, keine Autos, nichts. Die Dunkelheit war ziemlich beeindruckend. Ebenso erstaunlich war die Ruhe, die jedes Mal einkehrte, wenn wir unsere plärrrenden Zweitakter abschalteten.

Wir verloren einander mehrmals und hatten auch wieder mehrere Pannen. Während einer von ihnen, fanden wir am Straßenrand ein winziges rotes Kätzchen ohne eine Mutter. Die Kids beschlossen es zu adoptieren. Auch wenn ich das nicht für die allerbeste Idee hielt, so war es doch irgendwie besser, als das Tierchen dort zu lassen.

Unser Etappenziel war Sirindhorn, das der Karte zufolge an einem hübschen See gelegen war. Als wir endlich dort ankamen, konnten wir nichts vom See erkennen, da es zu dunkel war. Draußen schlafen war keine Option, da die Mücken uns bereits auffraßen. Es gab im kleinen Dörfchen nur ein Hotel. Als wir dort einfielen und die armen Leute aufweckten, fühlte es sich wirklich so an, als seien wir nun ein amtlicher Wanderzirkus! Das Erste, was die Kids taten, war, die Katze freizulassen, die sich sofort mit den Haushunden anfreundete. Nichtsdestotrotz wollten uns die Besitzer nicht bleiben lassen. Wir waren bereit, 2000 Baht für nur ein paar Stunden Schlaf zu bezahlen, sie aber wollten, dass wir ein Minimum von drei Nächten blieben. Manche dieser Dinge kann man wirklich nicht verstehen.

Nach langem Hin und Her zogen wir also weiter. Mit Hilfe meiner Hände und Füße hatte ich zuvor noch die Chefin des Ladens gebeten, sich doch bitte um das Kätzchen zu kümmern. Sie hatte genickt. Zumindest schien also wenigstens das winzige Lebewesen ein neues Zuhause zu haben. Immerhin!

Wir mussten noch ein paar weitere Kilometer bis zur Grenze zurücklegen; die ganze Fahrt fand in pechschwarzer Dunkelheit statt. Eines der Tuks ließ sich nur noch im dritten Gang fahren, was die vielen Hügel zu einer ganz schönen Herausforderung machte. Mehrere Male mussten wir fast alle aussteigen und das Tuk Tuk die steilen Pisten hochschieben.

Doch wir erreichten das Grenzstädtchen Chong Mek endlich, als es gerade begann hell zu werden. Ich war dermaßen erschöpft, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte, aber Basil war besessen von der Idee, noch den Sonnenaufgang zu filmen. Danach besorgte ich der Crew Zimmer in einem Guesthouse, während die meisten der Teilnehmer sich dazu entschlossen, einfach auf dem Gelände des Tempels zu schlafen, den wir versehentlich für ein Hotel gehalten hatten.

Tag 7: Chong Mek – Middle of Nowhere

Wir standen um Mittag auf, nach zu wenig Schlaf. Es fühlte sich an, als sei mein Gehirn noch in Mukdahan. Damit nicht genug, war die Hitze über Nacht fast unerträglich geworden. Sobald man das Zimmer verließ, war man gebadet in Schweiß. In der Sonne fühlte ich mich fast wie ein Vampir.

Der Ort selbst wirkte im Tageslicht ganz schön heruntergekommen. Aber da ich eine generelle Schwäche für Grenzorte habe, genoss ich es, auf der Suche nach etwas Essbarem ein wenig herumzulaufen. Auf der staubigen Straße standen die LKW in einer Warteschlange. Entlang des nur zur Hälfte fertiggestellten Asphalts gab es ein paar windschiefe Verkaufsstände und Leute, die ebenfalls leicht mitgenommen aussahen. Ich aß ein scharfes Fried Rice, kaufte einen Sonnenschirm mit Tieren drauf und traf dann all die Anderen, die nur eine Stunde hatten schlafen können, bevor die Sonne sie in ihrem eigenen Schweiß aufgeweckt hatte.

Alle Tuks waren unter Johns Namen zugelassen, aber er war noch immer in Ubon und versuchte, das Tuk Tuk von Team Bazooka zum Laufen zu bekommen. Alle Leute um mich herum jedoch waren es wirklich Leid zu warten. Daher beschlossen wir, einen Versuch zu starten, ohne John die Grenze zu überqueren. Und tatsächlich war das Ganze ein Kinderspiel. Was jedoch auch daran gelegen haben könnte, dass der eine Grenzpolizist sich ganz offensichtlich ein wenig in mich verguckt hatte. Manchmal kann es hilfreich sein, wenn man schwul aussieht!

In knapp drei Stunden schafften wir es bis zur laotischen Seite der Grenze. Das Warten auf die Visa gab mir Zeit, die Dinge in Augenschein zu nehmen, die man zwischen den beiden Ländern verkaufte. Es war hauptsächlich gefälschter Schmuck, frittierte Frösche und Tüten voller Nüsse.

Dann trafen wir uns mit unserem Kameramann Tom, der zurückgeblieben war, um Sicherheitskopien vom Filmmaterial zu machen, und brachten die Tuks durch den Zoll. Kurz sprach ich mit den Anderen am Telefon. Diese hatten gerade bemerkt, dass die Mechaniker in Mukdahan ihnen ein paar der Teile nicht mitgegeben hatten, die sie abgeschraubt hatten. Unsere Leute mussten nun tatsächlich einen Motorradfahrer zurückschicken, um diese speziellen Schrauben abzuholen, die man in Ubon nicht finden konnte. Das bedeutete mindestens einen weiteren Tag…

Dann betraten wir dieses neue Land. Der Unterschied zu Thailand war frappierend. Es fühlte sich wirklich so an, als wären wir von der zweiten in die dritte Welt gefahren. Die Straßen waren viel schlechter und an ihrem Rand gab es wirklich nicht viel. Wir sahen einige Leute in Ochsenkarren und fast schon antiken Autos. Die Häuser am Straßenrand waren vielmehr Verschläge und alles wirkte ganz schön ärmlich.

Die Leute jedoch waren sehr freundlich und man merkte ihnen an, dass sie nicht sehr oft eine Gruppe Tuk Tuks zu Gesicht bekamen.

Es kostete uns einen Moment der Gewöhnung, nun wieder auf der rechten Seite der Straße zu fahren. Die Piste neigte sich zudem nach außen, sodass ich permanent mein Lenkrad festhalten musste, was sehr anstrengend war. Doch der Anblick des Mekong zwei Stunden später entschädigte für alles. Jede Stadt in der Welt sollte einen solch majestätischen Fluss haben!

Im völlig zugestaubten Pakse fanden wir das Team Miss Fit an einer Straßenkreuzung. Sie waren einfach davongefahren, da sie von der ständigen Warterei die Schnauze voll gehabt hatten. Obwohl wir weder Essen noch eine laotische sim-Karte finden konnten und Freia, eine der Teilnehmerinnen, auch noch ihre Kreditkarte von einem Automaten abgenommen bekam, waren wir alle entschlossen. es noch in dieser Nacht bis auf die 4000 Inseln zu schaffen. Also machten wir uns wieder auf die Straße.

Das ländliche Laos war noch dunkler und unbewohnter als das ländliche Thailand. Alles in allem gab es im Grunde nicht viel. Alles schien jedoch in Flammen zu stehen, wir fuhren ständig durch Bänke voller Rauch. Wo es keinen Rauch gab, da gab es eine Menge Staub. Der Wind hatte ziemlich aufgefrischt. All das, kombiniert mit einer verkratzten Windschutzscheibe, die im Lichtschein der entgegenkommenden Fahrzeuge komplett blind wurde, machte die Fahrt von Pakse in Richtung Nakasang sehr ermüdend und nervig. Was vorher ausgesehen hatte wie eine zweistündige Fahrt, verwandelte sich nun in eine nie endende.

Als ich zum x-ten mal umdrehen musste nach einer weiteren Panne, verlor ich einmal fast die Fassung und wollte am Liebsten nach Hause. Das Problem war, dass ein Tuk nach dem anderen seinen letzten Vorrat an LPG-Gas aufbrauchte. Unglücklicherweise schienen die Benzin-Systeme an fast keinem der Fahrzeuge zu funktionieren. Daher war die ganze Strecke ein konstantes Stop und Go. Wenigstens schafften wir es endlich einmal, den größten Teil der Strecke zusammen zu bleiben. Es schien, als hätten die Kids tatsächlich zu viel Angst, auf dieser Straße alleine zurückzubleiben, um einander schon wieder zu verlieren.

Als auch ich meinen Gasvorrat aufgebraucht hatte, musste ich schmerzlich feststellen, dass auch mein Benzinsystem nicht so funktionierte, wie es sollte. Es war außerdem bereits nach Mitternacht; es würde also ohnehin keine Boote mehr auf die Insel geben. Nachdem wir kurz unsere Optionen besprochen hatten, schlugen wir mit zwei Tuks einfach unser Camp am Straßenrand auf. Die 3 anderen waren bereits weitergezogen, aber wir waren zuversichtlich, sie am nächsten Morgen wiederzufinden. Es gab nur diese eine Straße, also mussten wir sie früher oder später passieren.

Graeme, einer der Teilnehmer, hatte ein paar Geschichten auf Lager von Laoten, die Leuten, die am Straßenrand schliefen, die Hände abhackten, aber wir beschlossen, einfach nicht so genau hinzuhören. Stattdessen rollten wir ein paar Decken und Hängematten auf dem Boden aus und schauten voller Ehrfurcht nach oben. Was für ein atemberaubender Sternenhimmel! Mir wurde klar, dass das Schlafen hier in der Wildnis im Grunde besser war als alle Hotelzimmer, die wir bisher bewohnt hatten.

Tatsächlich schlief ich ziemlich gut, nur hin und wieder aufgeweckt von Motorrädern und ein paar Hühnern, die hinter meinem Kopf herumpickten. Wir hatten keine Ahnung, wo die letzten verbleibenden 2 Tuks waren. Unsere Thai sim-Karten bekamen nicht den geringsten Empfang. Daher hatte ich ständig ein Ohr an der Straße, um sie nicht zu verpassen, sollten sie in der Dunkelheit an uns vorbeirauschen.

Tag 8: 4000 Islands

Das Aufwachen in diesem winzigen Dorf gegen 6 Uhr war das abenteuerlichste Gefühl, das dieser Trip bislang zu bieten hatte. Im gleißenden Licht der Morgensonne erblickte ich Hundewelpen, Hühner und Wasserbüffel. Und dann waren da natürlich die laotischen Dorfbewohner, die sich im ersten Tageslicht streckten und jede unserer Bewegungen mit freundlicher Neugierde beobachteten.

Die Mädels fanden überraschend schnell einen kleinen Laden, der Benzin verkaufte, und so konnten wir alle schon bald wieder aufbrechen. Carolina lief nicht sonderlich gut, aber man konnte sie noch immer fahren. Offenbar bekam der Vergaser zu viel Benzin. Sie qualmte ordentlich, verbrauchte Unmengen an Benzin und hatte nur ein Viertel ihrer ursprünglichen Kraft. Wir hatten es jedoch nicht mehr weit.

Nach nur ein paar Kilometern fanden wir die anderen, die neben einer ausrangierten Tankstelle campiert hatten. Alle waren sehr schmutzig, aber zugleich sehr begeistert von der Nacht im Niemandsland. Die Erfahrung zeigt, dass dies die Momente sind, die man für immer im Gedächtnis behält.

Wir hielten bei einem seltsamen Mechaniker, der sehr nett war, aber ziemlich offensichtlich nichts von Tuk Tuks verstand. Wenigstens gab es aber nebenan einen Nudelsuppen-Laden, sodass die alte Köchin die nächste Stunde über scharfe Suppen für uns alle über einem Holzfeuer zubereitete. Unsere Leute spielten mit den laotischen Kids und den Welpen. Ich beobachtete den fast schon unheimlich mageren Verkehr auf dieser einzigen Straße, die Norden und Süden verbindet. Als der Mechaniker endlich aufgegeben hatte, zogen wir weiter.

Es gab nur noch eine Möglichkeit Carolina zu fahren: Ständig musste ich den Schalter betätigen, der das Benzinsystem einschaltete. On, off, on, off. Die letzten 15 Kilometer bis zum winzigen Hafen von Nakasang fühlten sich eher an wie 150.

Als wir dort endlich ankamen, wurde uns schnell klar, dass wir uns nun wieder mit Backpackern herumschlagen mussten. Kaum lief die Kamera, tauchten auch schon ein paar gedreadlockte Typen neben uns auf, die ganz offensichtlich große Teile ihrer Hirne auf MDMA verschmort hatten. Offenbar hatten sie bereits Monate auf den 4000 Islands verbracht. Umso weniger beeindruckt war ich von den gerade mal sieben Worten Laotisch, mit denen sie vor der Kamera angeben wollten.

Schon auf dem Boot nach Don Det begann der Stress von mir abzufallen. Zuletzt war ich hier vor acht Jahren gewesen und ich konnte es kaum erwarten, ein paar weitere Tage auf der kleinen Insel zu verbringen, die zu den 4000 Inselchen mitten im Mekong gehört.

Als wir aber näher herankamen, bemerkte ich, wie sehr sich die Insel in diesen wenigen Jahren verändert hatte. Lange vorbei die Zeiten, da es nur ein paar Hütten der Einheimischen sowie ein paar Bungalows für Backpacker gab. Nun war Don Det ein richtiger Touristenort. Ein wenig enttäuscht mietete ich ein Motorradtaxi mit Beiwagen, um unsere ganze Ausrüstung auf die andere Seite der Insel zu bekommen. Als ich dort ankam, liefen ein paar der Teilnehmer auf mich zu und schienen ziemlich aufgeregt. Sie rieten mir, nicht zu dem Hotel zu gehen, indem ich Zimmer gebucht hatte, wenn ich nicht gelyncht werden wollte. Klar, ich wusste, dass wir einen Tag zu spät waren, aber war es wirklich so schlimm? Ich musste es herausfinden. Die Insel war wahrlich zu klein, um sich zu verstecken.
Der Hotelmanager, der mit den Kids ein bisschen die Contenance verloren hatte, war recht freundlich zu mir, nichtsdestotrotz wollte er für die Nächte entschädigt werden, in denen er die Zimmer für uns freigehalten hatte. Ganz offensichtlich hatte es einige Missverständnisse in unserer email-Kommunikation gegeben. Ich versuchte auch, ihm zu erklären, dass ich in der vorangegangenen Nacht keine Möglichkeit gehabt hatte, ihn zu kontaktieren, da unsere Telefone in der Wildnis nicht funktioniert hatten. Am Ende schlug ich vor, dass wir die Sache regelten, wenn John ankam, und zähneknirschend willigte er ein. Als Wiedergutmachung hatte ich zumindest die Crew hier einquartiert. Die Kids hatten längst die günstigsten Absteigen auf der Insel entdeckt und waren nicht mal bereit, dem Hotelbesitzer noch mal in die Augen zu blicken.

Ich traf mich mit den Kameramännern im angrenzenden Cafe, das einen tollen Ausblick über einige der kleinen Inseln und den Mekong bot. Wir waren alle drei erschöpft und beschlossen, dass wir den Rest des Tages freinehmen würden. MeinStress-Level war fast an der Grenze dessen, was ich aushalten kann. Daher verdrückte ich mich alleine, hatte eine Massage und ein nettes Abendessen, glotzte abwesend auf einen malerischen Sonnenuntergang und schlief dann 11 Stunden durch.

Am nächsten Morgen fand ich heraus, dass unsere Leute die ganze Nacht durchgetanzt, und dabei bewusst versucht hatten, die Bar eines der Clubs zu zerstören, indem sie stundenlang darauf herumgesprungen waren. Die Besitzerin sagte mir am nächsten Tag:
‘Your people break my place. I have to fix it now.’

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Tag 9: 4000 Islands

Jedes Mal, wenn ich die Rezeption des Hotels, das viel luxuriöser war als nötig, passierte, erinnerte mich der bohrende Blick des Chefs daran, dass wir noch eine Rechnung offen hatten. Aber abgesehen davon konnte ich mich endlich ein wenig entspannen. Selbst mit der nun größeren Anzahl an Besuchern war Don Det doch immer noch ein entzückendes Plätzchen. Leider hatten die Laoten auf der Insel aufgehört freundlich zu sein, aber das war nicht sonderlich überraschend, wenn man sich mal genauer betrachtete, wie die Touristen sie behandelten.

Ich aß ein sehr leckeres Fish Larb, einen scharfen Salat, zu Mittag und machte mich dann rüber aufs Festland, um mein Tuk und eines der Teilnehmer reparieren zu lassen. Aber auch in Nakasang waren die Menschen weder freundlich noch hilfsbereit. Es war ziemlich erschöpfend, in der erbarmungslosen Hitze herumzulaufen und 15 Leute um Rat zu fragen. Die Suche nach einem Mechaniker blieb erfolglos, aber ich entdeckte schließlich einen Laden, der Tanks mit Kochgas auftreiben konnte. Ich dachte bei mir: Zum Teufel mit den Benzinsystemen, die ohnehin niemals richtig funktionieren würden! Wir würden einfach wieder mit Gas fahren. Sich fortbewegen mit Gas, das andere Leute zum Kochen gebrauchten – warum nicht?
Auf meinem Weg zum Hafen lief ich durch die etwas kleineren Straßen, abseits der Haupt-Touristenzone. Und tatsächlich waren die Laoten hier noch genau so, wie ich sie in Erinnerung hatte, lächelnd und neugierig. Ich lief vorbei an ein paar bunten Särgen, verfilzten Hunden und Kindern, die im Müll spielten. Etwas weiter verfolgte eine Gruppe Männer auf einem winzigen Fernseher einen Thai-Boxkampf. Sie schlossen vor der Wellblechhütte ihre Wetten ab und kommentierten jeden Schlag der Kämpfer mit wilden Lauten.

Der Hafen selbst sah so schlimm aus, dass man das Gefühl bekam, man sollte am Besten direkt wieder umkehren. Hatte ich die Unfertigkeit und den ganzen Müll damals noch irgendwie entzückend gefunden, so fand ich sie nun nur noch unnütz und faul. Ich konnte nicht verstehen, wie sich hier nach den Massen an Touristen der letzten Jahre im Grunde nichts verändert hatte.

Als ich zurück auf die Insel kam, machten sich alle gerade in Tubes, Schläuchen von Autoreifen, auf ins Wasser. Ich überlegte kurz und kam dann zum Schluss, dass ich in den letzten Tagen genug gearbeitet hatte und es wirklich mal Zeit für ein wenig Entspannung war. Also schloss ich mich kurzerhand dem Haufen im Wasser an. Wir hatten eine kleine schwimmende Bar dabei und ließen uns einfach den Fluss hinuntertreiben. Ich nutzte die entspannte Zeit, um ein wenig mehr über das normale Leben unserer Teilnehmer herauszufinden. Es war nett, endlich etwas mehr über jene Leute zu erfahren, mit denen ich momentan mein Schicksal teilte.

Als wir zurückkamen, stellten wir fest, dass wir auf der falschen Seite der Insel getrieben waren. Offenbar waren wir bis in die gefährliche Gegend mit ihren starken Strömungen direkt vor dem Wasserfall gefahren. Um ein großes Warnschild des Verleihers der Schläuche zu zitieren, dass wir erst bei unserer Rückkehr bemerkten, waren wir sogar in der ‘very danger zone’ gelandet! Warum nur überraschte mich das reichlich wenig?

Am Abend endlich fand die komplette Gruppe wieder zusammen. Nachdem sie tagelang in Ubon Ratchathani verbracht hatten, um das Tuk von Team Bazooka repariert zu bekommen, hatten die verbliebenen 6 schließlich aufgegeben und das Fahrzeug dort gelassen. Drei von ihnen waren per Bus gekommen. Von nun an würden sie bei anderen Teams mit aufspringen müssen. Aber abgesehen von den Problemen waren alle sehr glücklich wieder vereint zu sein und wir feierten die große Wiedervereinigung. All die neuen Bars auf Don Det, die schlimme Musik in voller Lautstärke spielten, entsprachen meiner Meinung nach nicht dem ursprünglichen Spirit der Insel. Glücklicherweise schlossen sie jedoch alle ziemlich früh, woraufhin alle an den Strand weiterzogen, wo man sich um ein Feuer versammelte und Schnaps aus dem Supermarkt trank. Das war nun wirklich mehr meine Art der Abendgestaltung! Ich wünschte mir nur, ich hätte meine Gitarre mit dabei. Genau hier hatte ich vor einigen Jahren ein paar meiner besten Konzerte gespielt, die bis ins Morgengrauen gegangen waren. Als ich genauer darüber nachdachte, kam ich jedoch zu dem Schluss, dass ich nicht mal die Hälfte der Songs kennen würde, welche die Kids heutzutage hörten.

Tag 10: 4000 Islands

Obwohl wir täglich weiter hinter unserem Zeitplan zurückfielen, beschlossen wir, noch eine weitere Nacht auf der Insel zu bleiben. Wir brauchten einfach noch mehr Zeit, um ein paar Dinge zu regeln, und alle waren ziemlich glücklich, noch etwas länger nicht fahren zu müssen. Vor Don Det hatten wir im Grunde nur semi-attraktive Thai-Städte sowie Straßenränder zu Gesicht bekommen. Daher waren diese Mußestunden Balsam für uns alle. Es kursierte ein Gerücht, dass die Kids in Erwägung zogen, die Tuk Tuks einfach zu verbrennen und ganz auf Don Det zu bleiben…

Nachmittags filmten wir Interviews, fanden endlich eine Einigung mit dem strong>wütenden Hotelbesitzer und hatten danach noch eine weitere Partynacht am Strand. Irgendwie schien sich plötzlich alles zum Guten zu wenden. Die Teilnehmer versuchten mich betrunken zu machen und schafften das auch fast. Wir rollten so viel am Strand herum, dass ich später in einem Berg aus Sand schlief.

Nichtsdestotrotz stellte ich einmal mehr fest, dass man nicht unbedingt an Orte zurückkehren sollte, die man vor langer Zeit einmal gemocht hatte. Denn all diese Orte verändern sich, und das meistens nicht zum Besseren. Don Det ist immer noch eine hübsche Insel, aber alles, was sie vor 10 Jahren exotisch gemacht hatte, ist heute institutionalisiert und Mainstream. Die Laoten auf der Insel haben ihre Freundlichkeit eingebüßt und das ganze Setting ist im Grunde wie in jeder anderen Touristenhochburg in Südostasien. Danke auch, Globalisierung!

Tag 11: 4000 Islands –  – Kambodschanische Grenze

Schon recht früh begannen wir damit, unsere Leute, das Gepäck und die Ausrüstung von der Insel zu schaffen. Zuvor aber mussten wir noch ein paar Dinge regeln und eine Rede am Strand filmen. Und so war es doch schon wieder nach Mittag, als wir auf dem Festland ankamen.

Die guten Neuigkeiten waren, dass die Tanks mit dem Gas tatsächlich funktionierten. Mein Tuk Tuk und das vom Drama Team liefen tadellos. Die ganzen Probleme der letzten Tage waren also letztlich nur durch die Benzinsysteme entstanden. Rückblickend hätten wir diese wohl niemals einbauen lassen sollen, aber wer hätte das vorher schon ahnen können.

Ich und ein weiteres Tuk fuhren die knapp 15 Kilometer zur kambodschanischen Grenze. Die anderen 4 blieben zurück, da sie Probleme mit einem Rad hatten.

Ich hatte gedacht, dass die kambodschanische Grenze nach der laotischen ein Kinderspiel sein würde, aber es stellte sich heraus, dass ich komplett falsch lag.

Zunächst einmal mussten wir irgendjemanden finden, der am Grenzübergang arbeitete. Ich habe wirklich eine Schwäche für Grenzübergänge, aber dieser war nun wirklich schräg, vielleicht der schrägste, den ich bisher gesehen habe. Auf der laotischen Seite gab es ein paar Verschläge, auf der kambodschanischen stand ein riesiges Gebäude, das sich bei näherer Betrachtung als komplett leer erwies. Wir liefen durch die zahllosen Räume und konnten nicht so recht sagen, ob das Ganze erst noch fertiggestellt werden sollte oder bereits wieder zerfiel. Es gab ein paar Bauarbeiter, die offenbar im Rohbau lebten, wovon Moskitonetze über Matratzen und improvisierte Herdplatten in den sonst völlig unbenutzten Räumen kündeten.

Schließlich fanden wir den zuständigen Beamten bei einem der Essensstände, wo er mit Kartenspielen und Whiskytrinken beschäftigt war. Die Menschen, die herumwuselten schienen eine Schwäche für Socken in Flip Flops zu haben, was doch recht gewöhnungsbedürftig aussah. Alle Frauen unterdessen trugen Schlafanzüge, obwohl es noch nicht mal dunkel war.

Der Grenzpolizist entpuppte sich jedoch als recht nett und tat sein Bestes um uns zu helfen, aber der eigentlich wichtige Mitarbeiter vom Zoll, den man eigens auf einem Moped ankarrte, teilte uns mit, dass wir Kambodscha unter keinen Umständen mit Tuk Tuks befahren würden. Er ließ sich nicht auf Diskussionen oder gar Bestechungsgelder ein und schickte uns ziemlich grob zurück in Richtung Laos. Wir mussten zunächst einmal kapitulieren.

Wir trafen die Anderen und fanden in der Nähe ein Hotel. Alle waren ziemlich erschlagen und wir beendeten den Tag früh. Wir waren nicht mal 10 Kilometer von Don Det entfernt und ich hatte das Gefühl, dass die Teilnehmer sich wünschten, sie hätten ihre Tuk Tuk – Verbrennungspläne in die Tat umgesetzt.

Tag 12: Kambodschanische Grenze

Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass das eigentlich ein sehr netter Ort war. Es gab Hundewelpen und Katzenbabies, die Leute waren superfreundlich und auch das Essen war OK. Klar, wir waren noch immer in Laos und nun noch weiter hinter dem Zeitplan. Aber spielte das an diesem Punkt überhaupt noch eine Rolle?

Ich nahm ein paar Leute mit zum nahegelegenen Wasserfall, da es nicht danach aussah, als würde der Rest der Bande in naher Zukunft aufwachen. Der Khone Phaphang Wasserfall bietet einen ziemlich beeindruckenden Anblick. Noch besser aber ist es, in eines der natürlichen Becken zu springen und sich vom Mekong-Wasser umschmeicheln zu lassen. Eine ziemlich gute Methode zum Aufwachen!

Als wir zum Hotel zurückkamen, teilten die Anderen uns mit, dass John noch immer daran arbeitete, uns über die Grenze zu bringen. Er kannte ein paar Leute, die wiederum ein paar Leute kannten, aber es dauerte seine Zeit, all diese Leute zu kontaktieren.

Also machte ich mich auf ein Neues auf zum Wasserfall, diesmal nicht nur mit Teilnehmern, sondern auch mit zwei Kameraleuten. Die Laoten am Einlass ließen mich diesmal umsonst rein.

Unsere Gruppe sprang von Felsen, freundete sich mit den Einheimischen an und sorgte für ein bisschen Aufregung in der sonst so entspannten Atmosphäre am Wasserfall.

Ich hing mit ein paar einheimischen Kids rum, die erst so wirkten, als würden sie nur ihre Freizeit dort verbringen, aber natürlich letzten Endes versuchten, Souvenirs an Touristen zu verkaufen. Mir komischerweise aber nicht. Sie schienen damit zufrieden, mit mir eine Weile herumzualbern. Ich brachte ihnen etwas Englisch bei, sie mir ein bisschen Lao. Am Ende kaufte ich ihnen dann doch noch ein paar Fotos ab. Damit nicht genug, kaufte ich auch noch eine Plastikflasche voller kleiner Flussfische, die sie gerade vor meinen Augen gefangen hatten.

Als uns eine Gruppe Jungs erreichte, vernahmen wir laute Geräusche aus ihren Umhängetaschen. Mir wurde klar, dass es ihr Job war, Heuschrecken zu fangen. Denn diese isst man dort, unnötig zu erwähnen. So kam es, dass sich unsere Teilnehmer nach nur ein paar Minuten lebendige Heuschrecken in die Münder stopften, während die Kinder nicht aufhören konnten zu lachen. Ich passte, da ich in meiner Vergangenheit wirklich genug seltsames Getier gegessen habe.

Zurück im Hotel ließ ich die Köchin die kleinen Fische für mich frittieren. Sie waren vorzüglich. Am Nachbartisch saßen ein paar laotische Männer, die sich bereits durch einen Kasten Bier getrunken hatten, obwohl es noch nicht mal 3 war. Wie es der Zufall wollte, war einer von ihnen ein Wahrsager, und so las er vornehmlich den weiblichen Mitgliedern unserer Gruppe gerne aus der Hand. Ich ertappte mich beim Gedanken, dass doch im Grunde diese ganze Region hier leicht seltsam anmutete. Vielleicht war da etwas im Mekong Wassr…

Im Laufe des Nachmittags wurde allmählich immer klarer, dass wir diesen Ort nicht vor dem kommenden Tag verlassen würden. Die Laoten schlossen ihren Grenzübergang um 6. Keine Chance, dass wir das noch schafften. Witzigerweise schien das eigentlich niemanden zu stören. Wir hatten uns mit der Familie angefreundet, die den Laden betrieb und alle waren glücklich, noch einen freien Tag geschenkt zu bekommen. Wir schnitten einander die Haare und vertrödelten den Nachmittag. mit Unsinn. Die Zeit verflog nur so. Wie im Grunde schon während der gesamten Reise.

Dann fuhr ich tatsächlich ein weiteres Mal zum Wasserfall, diesmal stoppten wir nicht mal mehr am Einlass. Tom, Veronica und ich liefen zum Sonnenuntergang hinunter ans Wasser. Da eigentlich bereits geschlossen war, gab es außer uns niemanden. Wir waren ganz alleine in diesem magischen Ort! Der Wasserfall sah im letzten Sonnenlicht noch beeindruckender aus und da war es plötzlich wieder, das Abenteurgefühl, dem ich seit Jahren hinterherjage.

John und unser Kameramann Basil mussten die Nacht in Kambodscha verbringen, um sich tags drauf um unsere Sondergenehmigung für die Einreise zu kümmern, aber die Dinge sahen nun besser aus. Daher beschlossen wir, am nächsten Morgen früh aufzubrechen. Ich verbrachte den Abend mit Musik und Lesen, während unsere Gruppe einen weiteren Ort in Einzelteile zerlegte. Später in der Nacht filmten wir noch ein paar Interviews am Straßenrand. Einige der Teilnehmer hatten eine Menge zu erzählen nach zwei Wochen Unterwegssein. Es half ungemein, dass sie beim Interview reichlich angetrunken waren.

Tag 13: Stung Treng

Die Morgenstunden sind wirklich die beste Zeit in diesen ländlichen Gegenden. Die Einheimischen beginnen den Tag sehr früh, sodass die sonst verlassene Straße tatsächlich einigermaßen betriebsam wird. Es gibt Hunde und Kühe am Straßenrand, Schweine und Enten sowie alle möglichen schrägen Fahrzeuge. Das typische laotische Gefährt scheint dabei wohl eine Art zweirädrige Landmaschine zu sein, die einen riesigen Anhänger hinter sich herzieht. All die winzigen Kinder auf Fahrrädern, die viel zu groß für sie sind, tragen ihren Teil zum Straßenbild bei. Es war einfach nur herrlich, diese Szenerie zu beobachten, während ich meinen klebrig-süßen Kaffee schlürfte. Man muss kaum erwähnen, dass niemand sonst es geschafft hatte, so früh aufzustehen.

Nichtsdestotrotz kamen wir recht früh weg. Zurück an der Grenze jedoch, keine 20 Minuten entfernt, mussten wir feststellen, dass John noch lange nicht zurück war. Zwischen den beiden Ländern parkend, beschlossen Tom, Danny und ich die Zeit produktiv zu nutzen. Nur kurz später filmten wir ein paar weitere Interviews direkt neben einem heruntergekommenen Essensstand, während sich ein par der Kids bei einer Partie Boules mit den Grenzsoldaten vergnügten.

Nach einiger Zeit tauchte John dann tatsächlich auf und er hatte gute Neuigkeiten. Das Ministerium für Tourismus hatte uns eine Sondergenehmigung erteilt, sodass wir nun tatsächlich nach Kambodscha einreisen durften. Allerdings brauchten wir noch mal zwei Stunden, um den ganzen bürokratischen Kram zu erledigen. Das meiste war Papierkrieg, aber es gab auch noch ein paar schräge Hürden zu überspringen. Auf der kambodschanischen Seite der Grenze gibt es einen Bereich mit einem großen ‘Quarantäne’-Zeichen, wo man einen sehr rudimentären Fragebogen zur persönlichen Gesundheit ausfüllen muss. Daraufhin verwendet man ein geradezu futuristisch anmutendes Gerät, um am Hals die Körpertemperatur zu messen. Ist diese OK, so erhält man einen kleinen Zettel, der einem einwandfreie Gesundheit bescheinigt. Herrlich!

Dann cruisten wir endlich nach Kambodscha rein und für eine lange Zeit sahen wir – nichts. Ein paar Hütten, viele Bäume, aber sonst nur angenehme Leere. Wir hatten die Straße fast für uns alleine und sie war viel besser, als wir erwartet hatten. Einige der Felder entlang der Straße standen in Flammen und so machte der ganze Konvoi einige Male kehrt, um ein paar spektakuläre Fahrszenen in der Nähe der Feuer zu drehen.

Es war ein großer Spaß, auf diesen Straßen zu fahren, und wundersamerweise liefen alle 6 Tuks anstandslos. Jedes mal, wenn wir stoppten, sah man nichts als breites Grinsen auf den Gesichtern unserer Leute.

Kurz vor Sonnenuntergang überquerten wir einen Seitenarm des Mekong auf einer Brücke, die uns direkt ins seltsame, aber liebenswerte Stung Treng. brachte. Ich mochte das Städtchen auf Anhieb, obwohl man es wohl nicht im herkömmlichen Sinne schön nennen konnte. Die Essensstände und Sitzgruppen entlang des Flusses brachten den Zauber anderer Flussstädte wie Luang Prabang oder Vientiane in meine Erinnerung zurück. Solch ein großer Fluss trägt immer einen erheblichen Teil zur Stimmung an diesen Orten bei. Die Rohheitdieser Stadt jedoch hatte ihren ganz eigenen Charme.

Kaum hatten wir vor dem Guesthouse geparkt, versammelte sich auch schon eine beachtliche Menge aus Einheimischen um uns. Alle lächelten um die Wette und einige zeigten auf unsere seltsamen Gefährte. Es gab auch ein paar Journalisten einer kambodschanischen Zeitung, die sehr interessiert an unserer bescheuerten Unternehmung waren.

Ich weiß nicht, ob es der Stress war, die Hitze oder die generelle Erschöpfung, aber als ich aus meinem Tuk Tuk ausstieg, wurde mir plötzlich schwarz vor Augen. Während John also Interviews mit den Schreiberlingen führte, lag ich direkt nebendran auf der Straße, legte meine Beine am Tuk Tuk hoch und trank eine Cola, um meinen Kreislauf wieder in Gang zu bringen.

Das Guesthouse ließ uns die Tuks im zur Straße offenen Erdgeschoß ihres Hauses parken; eines nach dem anderen rollten wir direkt neben die Rezeption. Der Laden nebenan hatte ungewöhnliche Variationen westlichen Essens (z. B. Pizza, die nicht mehr war als ein halbiertes Baguette belegt mit Pizza-Zutaten) auf der Speisekarte, aber die Atmosphäre in diesem Städtchen war wirklich nett und es fühlte sich gut an, noch eine Weile draußen zu sitzen. Ich wünschte, wir hätten noch mehr Zeit zum Erkunden, aber ich musste mich schon bald meiner Erschöpfung ergeben.

Tag 14: Stung Treng – Phraew Vihar

Ich erwachte im Morgengrauen und musste feststellen, dass sich der Zeh, den ich mir beim Wasserfall an einer Wurzel aufgerissen hatte, entzündet hatte und völlig vereitert war. Damit nicht genug, hatte ich mir offenbar auch noch eine fiese Erkältung eingefangen. Und all das genau vor der schlimmsten Etappe des ganzen Trips, super!

Vom Moment an, da ich meine Schuhe anzog, begann ich auch bereits herumzurennen wie ein Wahnsinniger. Zunächst fotografierte ich schnell den Sonnenaufgang, als ich gerade nach einer Apotheke suchte, um ein paar Medikamente für meine und Johns zahlreichen Krankheiten zu besorgen. Dann fuhr ich einmal quer durch die Stadt, um noch mal neuen Luftdruck auf meine Reifen zu bringen. Ich war mir sicher, dass dies die letzte Gelegenheit für eine ganze Weile sein würde und ich wollte Carolina in perfekter Verfassung haben, bevor wir uns in die Wildnis begaben. Danach suchte ich die gesamte Gegend um den Markt ab nach einem Laden, wo ich einen weiteren Gasschlauch bekommen konnte, und einem anderen, der alle unsere Flaschen noch einmal auffüllte. Es war nun einfach oberste Priorität, dass wir genug Treibstoff, welcher Art auch immer hatten, um uns bis zu unserem nächsten Etappenziel zu bringen. Und eines der Tuks fuhr noch immer mit Benzin.

Nachdem ich drei mal zu einem Laden zurückgelaufen war und Änderungen hatte vornehmen lassen, funktionierte tatsächlich alles und auch das letzte Tuk konnte nun die Gasflaschen verwenden. Gar nicht mal so häufig auf diesem Trip, Erfolgserlebnisse! Zwar hatten wir gerade noch mal 200 Euros in die Tuks investiert, aber an diesem Punkt zählte nur noch, dass wir nicht irgendwo ohne Treibstoff liegenblieben.

Zwei Polizisten eskortierten uns auf die Fähre über den Fluss. Mittlerweile fühlten sich solche Dinge schon fast normal an. Aber die ganze Szenerie war fast surreal und atemberaubend in ihrer Unfertigkeit. Alle um uns herum waren so freundlich, dass es fast nicht zu glauben war. Das Boot brachte uns gemächlich über den Mekong, ein ziemlich rohes Ding aus Metall mit einem stark rauchenden Diesel-Motor. Auf der anderen Seite des Flusses dann sah die Piste exakt so aus, wie wir es uns vorgestellt hatten beim Blick auf die Landkarte: Staubig und von Schlaglöchern übersät. Wir wussten, dass das für den Rest des Tages die Bedingungen sein würden. Oder auch für zwei Tage…

In den nächsten Stunden lief es tatsächlich erstaunlich gut. Die Straße war manchmal mittelmäßig und manchmal sehr schlecht. Sie war nicht einen einzigen Meter lang gut. Lange Abschnitte wurden gerade aufwändig von einer chinesischen Firma umgebaut. Es wäre vielleicht interessant zu recherchieren, warum sie gerade eine Straße durchs Nirgendwo bauen. Durch diese riesige Baustelle zu fahren jedenfalls war sehr schwierig, besonders mit der Art von Fahrzeug, die wir hatten, da man ständig darauf achten musste, dass sich das eine Vorderrad nicht im Boden festfuhr. Noch dazu gab es eine Menge monströser LKW. Durch den ganzen Staub sowie den Rauch der am Wegesrand schwelenden Bäume sah man diese manchmal erst in der letzten Sekunde.

Der Staub spottete jeder Beschreibung. Nach nur wenigen Minuten waren wir alle komplett bedeckt mit diesem feinen gelben Zeug. Die meisten von uns benutzten T-Shirts oder andere Stofflappen, um Mund und Nase zu schützen. Doch nach ein paar Stunden gaben die meisten diesen Schutz wieder auf, da er kaum einen Unterschied machte.

Nach etwa 80 Kilometern begann es haarig zu werden. Es gab Probleme mit eiernden Vorderrädern sowie die üblichen Probleme mit den Motoren. Daher stoppten einige von uns bei einem Ort, wo es sowohl sehr fade Chips als auch einen Motorrad-Mechaniker gab. Wir kauten auf den Chips herum, während der Mechaniker die meisten Probleme an meinem Tuk und einem weiteren zu beheben schien.

Da alle an einem gewissen Punkt dachten, das Tuk von Team Miss Fit und meines seien nun OK, waren die Anderen bereits weitergezogen. Wir hingegen mussten schnell feststellen, dass die Tuk Tuks alles andere als OK waren. Erst hatte das Tuk der Mädels eine Panne, dann meins. Dann wieder ihres, dann wieder meins. Wir alle sechs wussten nach einer Weile nicht mal mehr, was wir dazu noch groß sagen sollten. Während der nächsten Stunde schafften wir zusammengenommen vielleicht zwei Kilometer. Zum Glück hatten wir wenigstens Tony bei uns, den einzigen, der ein bisschen was von Mechanik verstand. Als er herausgefunden hatte, dass Carolinas Problem bei den Zündkerzen lag, die sich auf den holprigen Straßen immer wieder lösten, schafften wir es tatsächlich, bei einer improvisierten Werkstatt, die mitten im Nichts am Wegesrand stand, einen Zündkerzenschlüssel aufzutreiben. Die brandneuen Zündkerzen, die wir wundersamerweise unter unserem Sitz fanden, brachten Carolina tatsächlich wieder zum Laufen. Das andere Tuk ließ sich jedoch damit nur kurz bestechen. Schon bald fuhr es wieder deutlich schlechter. Dann gar nicht mehr. Diagnose: Kaputter Kolben. Heilmittel: Definitiv keines erhältlich hier draußen.

Doch es gab noch immer eine recht unrealistische Hoffnung, dass wir noch jemanden finden würden, der das Tuk reparieren konnte. Alle Anderen waren vermutlich schon weit entfernt und wir konnten mit ihnen nicht in Verbindung treten, da wir alle keinen Empfang hatten. Also schleppten wir das Tuk Tuk zu einem nahegelegenen Dorf. Die Menschen dort waren wahnsinnig freundlich und bestanden darauf, uns mit getrocknetem Fisch, Reis und grünem Tee zu füttern. Jeder von ihnen hatte eine Menge zu sagen, aber keiner konnte uns mit dem Tuk helfen, geschweige denn auch nur etwas Anderes als Khmer sprechen. Wir kannten das Khmer-Wort für Mechaniker und tatsächlich tauchte nach einiger Zeit ein solcher auf. Aber auch dieser Kerl konnte nur feststellen, dass Miss Fit so bald nicht wieder laufen würde. Ich erinnere mich, wie er dazu ziemlich leidenschaftlich seinen Kopf schüttelte.

Es blieb uns also nichts übrig, als das Tuk bis in die nächste Stadt zu schleppen. Es sah aus, als wären das etwa 40 Kilometer, aber es konnten genauso gut 60 oder 80 sein. Jetzt gab es nicht mal mehr Dörfer, sondern nur noch die staubige Straße, die eine einzige riesige Baustelle war. Zu Anfang hatten wir nur ein sehr dünnes Seil – man könnte fast Faden sagen – , das jedes Mal riss, wenn wir die Straße verlassen mussten, wo die Chinesen Brücken bauten. Diese Passagen, etwa alle fünf Kilometer, waren für ein Tuk Tuk schon schwierig genug. Die Ersatzstrecke ging steil bergab, über eine improvisierte Brücke aus Holz und dann wieder steil bergauf. Nun stelle man sich vor, wie sich diese Passagen anfühlen mit einem anderen Tuk Tuk im Schlepptau.

Ein paar sehr nette Straßenarbeiter, die beobachteten, wie wir uns abmühten, schenkten uns ein richtiges Abschleppseil. Von da an lief es ein bisschen besser. Der einzige Haken war, dass es ein ziemlich kurzes Seil war, sodass wir nicht sonderlich viel Platz zwischen den beiden Fahrzeugen hatten. Als dann die Dunkelheit einsetzte, wurde die Sache noch mal deutlich schwieriger. Der Staub und der Rauch ließen mich nun fast gar nichts mehr sehen. Die Punkte, wo man die Straße verlassen musste, waren nicht im Ansatz ausgeschildert. Selbst wenn man nur 40 fährt, kann es ganz schön unangenehm sein, wenn die Straße plötzlich endet. Das andere Tuk, gefahren von Sarah, war dabei die ganze Zeit direkt hinter mir. Wir waren alle ziemlich angespannt.

Wir fuhren auf diese Art und Weise noch mal ganze drei Stunden lang. Irgendwo entlang des Weges lasen wir einen freundlichen kambodschanischen Jugendlichen auf, der ein Guesthouse kannte in der nächsten größeren Stadt, wo wir die Nacht verbringen wollten. Ich hatte kurz geglaubt, dass er mir dabei helfen konnte, den Weg durch den Staub, den Rauch und die improvisierten Wege zu finden, aber als er vom Rücksitz aus Befehle durch den Lärm rief, erhöhte das den Stress nur noch.

Als wir endlich, von oben bis unten verkrustet, in Phraew Vihar ankamen, schlug der Typ vor, dass wir das große Festival besuchten, dass in der Nachbarschaft stattfand. Ich war aber dermaßen erledigt, dass ich kaum mehr meinen Rucksack heben konnte. Die Fahrt war eine echte physische und psychische Herausforderung gewesen und mein Schnupfen war nun in vollem Gange. Ich beobachtete Tony schweigend dabei, wie er einen gefüllten Khmer Frosch verzehrte und entschloss mich sodann schlafen zu gehen.

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Tag 15: Phraew Vihar – Siem Reap

Wir mussten sehr früh raus, da die Anderen uns hatten wissen lassen, dass sie so schnell wie möglich all die Ladegeräte und das Equipment aus meinem Tuk Tuk benötigten. Zum Glück war Tony bereit, Carolina zu übernehmen, alle wichtigen Dinge zu schnappen, und sich gegen 6 zusammen mit der Teilnehmerin Jessica auf den Weg nach Siem Reap zu machen. Ich war froh, in meinem Zustand nicht fahren zu müssen. Ich hatte jetzt schlimmen Husten, meine Nase lief unablässig und ich fühlte mich insgesamt ziemlich elend.

Danny und ich machten uns im kleinen Städtchen auf die Suche nach Kaffee und etwas zu essen. Wir fanden einen mobilen Essensstand, der seltsame, aber doch sehr schmackhafte Sandwiches feilbot, ähnlich den Ban Mhi, die man in Vietnam bekommt. Dann setzten wir uns zu ein paar alten Typen in einem ziemlich schrägen Restaurant und glotzten mit ihnen American Wrestling. Unter den gegebenen Umständen brauchte ich drei große Kaffee mit gesüßter Kondensmilch, bevor mein Hirn gut genug lief, um mich wenigstens an meinen Vornamen zu erinnern.

Als Freia und Sarah, die verbleibenden Mitglieder des Teams Miss Fit, aufwachten, begannen wir unsere Mission. Es galt, jemanden zu finden, der das kaputte Tuk nach Siem Reap transportieren würde. Wir hatten keine Ahnung, was wir dann dort mit ihm machen würden, aber das stand jetzt auch nicht zur Debatte. Hauptsache, erst mal weg hier.

Da in diesem schnuckeligen kleinen Ort niemand auch nur ein Wort Englisch sprach, machten wir uns auf zu einer Werkstatt, in der Behinderte farbenfrohe Schals webten. Ein französisches Pärchen hatte uns erzählt, dass der Chef dort gutes Englisch sprach und so war der Laden unser erster und einziger Anhaltspunkt. Die Werkstatt war interessant, aber mutete mindestens so seltsam an wie alles Andere, was wir an diesem Tag bereits gesehen hatten. Die grausame Hitze und meine verstopfte Nase trugen noch zum surrealen Gefühl einer Halluzination bei.

Saar, der Betreiber der Werkstatt, war ein wirklich netter Typ und er zeigte uns voller Stolz sein Projekt, dass vor einigen Jahren gar von Emmilou Harris höchstpersönlich finanziell unterstützt worden war. Wir erfuhren, dass man schon bald spezielle Bäume pflanzen würde, in denen Seidenraupen ihre Nester bauen konnten, sodass man in Zukunft in der Lage war, seine eigene Baumwolle zu produzieren. Nach der Tour machte er ein paar Anrufe und versicherte uns schon bald, dass er den richtigen Typen für unsere Bedürfnisse gefunden hatte. Wir gaben ihm noch eine Spende und schlenderten dann zurück zum Hotel, wobei wir die Vorbereitungen zu einer Hochzeit passierten, die den Test eines Soundsystems beinhalteten, das so laut war wie ein Kampfjet.

Fast zwei Stunden später tauchten am Hotel zwei Männer auf mit einem Pick-Up, der halb so groß war wie ein Tuk Tuk, lächelten um die Wette und bestanden darauf, dass unser Gefährt bestimmt auf die Pritsche passen würde. Weitere 30 Minuten und einige sehr ausgiebige Gespräche mit Passanten, Nachbarn und Verwandten später, gaben sie schließlich auf. Ich hatte mir nicht mal die Mühe gemacht, mich an der ermüdenden Diskussion zu beteiligen, da ich wusste, dass dies ganz sicher nicht unser Transportmittel sein würde und ich wirklich keine Energie zu vergeuden hatte an diesem Tag. Die Sorge kam auf, dass wir am Ende noch eine weitere Nacht im von Chinesen betriebenen Hotel bleiben mussten, doch dann tauchte plötzlich aus dem Nichts der Mann auf, der nebenan einen Gemüseladen/Apotheke/Froschrösterei betrieb. Er fuhr einen ausreichend großen LKW. Das war wirklich ein schräger Ort, nun hatten wir den letzten Beweis! Erstaunlicherweise schafften wir es, das Tuk Tuk nur mit der Hilfe der drei Hotelangestellten auf die Ladefläche zu wuchten. Nur ein paar Minuten später waren wir auch schon wieder auf der Staubpiste und ich schlief in der Kabine des LKW wie ein Stein.

Die Fahrt kostete uns fast vier Stunden und durch die Hitze, den Staub und meine Krankheits war sie fast so erschöpfend wie der vorige Tag, und das, obwohl ich nicht mal fahren musste. Ungefähr auf halber Strecke tauschten wir die Plätze, nun mussten Sarah und ich im Tuk Tuk auf der Pritsche reisen. Dort gab es auch noch zwei Jungs, die offenbar nur zum Spaß mitfuhren. Alle grinsten und die Leute am Straßenrand wurden nicht müde, mit dem Finger auf uns zu zeigen. Ein Thai Tuk Tuk war ohnehin schon eine Seltenheit im ländlichen Kambodscha, aber ein Tuk Tuk auf einem LKW?

Siem Reap wirkte eine ganze Ecke größer als vor acht Jahren, was vermutlich daran liegt, dass es nun eine ganze Ecke größer ist. Nun gab es keine verlassenen Straßen mehr, stattdessen ein Verkehrschaos, viele umherlaufende Menschen, Hotels, Spas und Reisebüros.

Kaum hatte ich das Hostel erreicht, wurde ich auch schon wieder in den Produktionsstress eingesaugt. Offenbar waren die Kids am Abend zuvor unterwegs gewesen, bis auch der letzte Laden geschlossen hatte, und bisher hatte niemand auch nur ein bisschen der Ruinen von Angkor Wat gesehen. Die Crew versammelte sich für ein improvisiertes Production Meeting und erzählte einander die jeweiligen Stories der letzten Tage. Die erschreckendste davon war, dass eines der Teams offenbar das Stop-Schild vor der Schnellstraße übersehen hatte und ein Bus das Team nur um Sekunden verpasst hatte.

Wir machten uns dann geschlossen auf in ein Restaurant auf der berüchtigten Pub Street und ich verachtete auf Anhieb das Restaurant, die Straße und fast jede einzelne Person, die sich hier herumtrieb. Ja, ich war ein wenig schlecht gelaunt, aber dieser Ort war auch einfach nur beschissen. Denn das ist, was Globalisierung macht: Sie verwandelt alle einstmals besonderen Orte in denselben Massentourismus-Brei, den ich wirklich nur schwer erträglich finde.

Und so verdrückte ich mich heimlich nach einem mittelmäßigen Essen, das von einer vermeintlich traditionellen Khmer Tanzshow mit plärrender Musik begleitet wurde, und legte mich schlafen.

Tag 16: Siem Reap und Angkor Wat

Ich wachte gegen 7 Uhr auf und setzte mich an die Rezeption, um zu schreiben und meine Fotos zu ordnen. Während ich da so saß, trudelten die letzten Teilnehmer von ihrer erneuten Sauftour ein und versuchten vergeblich sich vor mir zu verstecken. Es war eine Freude!

Wir wollten uns alle um 12 treffen, um die Ruinen von Angkor Wat zu besichtigen, aber natürlich tauchte nicht ein Einziger zur vereinbarten Zeit auf. Ich hatte wirklich kein Verständnis dafür, dass man so nah bei der Mutter aller Tempel dem Saufen und dem Erholen davon den Vorzug davor gab vor der Besichtigung dieses Unesco Weltkulturerbes. Die Kids hatten ihre Prioritäten definitiv anders gesetzt. Im Grunde jedoch war ich nicht mal überrascht. Ich hatte die Ruinen persönlich bereits vor acht Jahren gesehen und war drei Tage lang in ihnen umhergestreift, daher nahm ich die Sache mit Humor und erdultete weitere drei Stunden Wartezeit, bevor wir dann endlich aufbrachen.

Das Fahren durchs sehr touristische Siem Reap war ziemlich cool. Wir fuhren mit 4 Fahrzeugen und zusätzlich zu all dem Deko-Zeug hatten wir nun überall eine dicke Schicht Staub, die sehr deutlich machte, dass wir schon eine Weile unterwegs waren. Die Touristen am Straßenrand glotzten uns an.

Am Eingang zu den Tempeln stoppte uns ein Cop, der uns verbot, mit den Tuks aufs Gelände zu fahren. Aber John wäre nicht John, wenn er ein Nein akzeptiere würde. Nachdem er eine halbe Stunde lang mit dem Tourismusamt telefoniert hatte, gab dieses schließlich auf. Witzigerweise kamen sie zu dem Schluss, dass wir einfach ohne Genehmigung reinfahren, aber diese Aufforderung bitte nicht als Referenz benutzen sollten, so uns denn jemand stoppte. Only in Cambodia….

Und so starteten wir alle zeitgleich unsere Motoren und begannen einfach zu fahren. Niemand sagte auch nur ein Wort, was uns möglicherweise zu den ersten Menschen machte, die Angkor Wat jemals in einem Tuk Tuk betreten hatten!

Im Herz dieser beeindruckenden Ruinen realisierten ein paar der Teilnehmer offenbar zum ersten mal richtig, was sie in den letzten Wochen erreicht hatten. Ganz plötzlich schien unsere Unternehmung doch ein ziemlicher Erfolg, selbst mit der immer wieder gekürzten Route und all den Orten, die wir herausgeschnitten hatten. Wir hatten es tatsächlich nach Angkor Wat geschafft! In Tuk Tuks! Ich sah, wie sich ein paar der Teilnehmer umarmten und ungläubig ihre Köpfe schüttelten. Und ich erspähte sogar ein paar Tränen hier und da. Um ganz ehrlich zu sein, war ich selbst recht berührt von diesem Moment.

Nachdem wir die zwei größten Tempel, Bajon and Angkor Wat, besichtigt und die Teilnehmer dabei gefilmt hatten, wie sie sich mit Mönchen angefreundet und mit den omnipräsenten Souvenir-verkaufenden Kindern herumgespielt hatten, ging die Sonne unter und wir machten uns auf den Weg zurück in die Stadt. Wir schafften es gerade noch bis hinter den Ausgang, bevor Produktionsfahrzeug 2 den Geist aufgab. Diese Dinger hatten doch wirklich Persönlichkeit. Sie fuhren einwandfrei für eine bestimmte Dauer und blieben dann einfach mir nichts dir nichts liegen…. Ich schleppte Tony zurück zu unserem Hostel.

Ob man es glaubt oder nicht, die Kids hielten an diesem Abend endlich mal die Bälle flach. Ich war auf gewisse Art froh zu sehen, dass auch sie tatsächlich irgendwann mal müde wurden. Ich hatte mich in den letzten Wochen öfter mal gefragt, ob sie vielleicht Cyborgs waren, oder ob ich schlicht und ergreifend alt war.

Ich selbst verbrachte den Abend damit nach gutem Essen zu suchen. Vergeblich. Das Essen in Kambodscha ist wirklich eine leichte Enttäuschung. Alles, was irgendwie gut ist, ist im Grunde mehr Thai als kambodschanisch. Aber die lokale Spezialität, ‘Amok’, ein Kokosnuss-Curry, war am Ende doch nicht so schlecht und so legte ich mich darauf fest sowie die frischen Sommerrollen. Diese nicht frittierten Rollen sind super, aber kommen eigentlich aus Vietnam und Laos, so weit ich weiß. Wie auch immer.

Moon und Sun sollten eigentlich am Abend mit einem neuen Motor sowie einigen anderen Ersatzteilen auftauchen, aber natürlich liefen die Dinge nicht wie geplant. Warum sollten sie auch? Durch den ewig schwelenden Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha, der erst kürzlich wieder aufgeflammt war, waren die strong>Kontrollen an der Thai-Grenze sehr viel strenger als normal. Hatten die Thais die Grenze bisher einfach mit ihrem Führerschein überqueren können, so benötigten sie nun einen richtigen Reisepass. Einen solchen hatte Sun nicht… Daher saß er nun mit den ganzen Ersatzteilen an der Grenze fest, keine 200 Kilometer von uns entfernt.

Ich quatschte mit Moon am Telefon um zu sehen, wie wir aus dieser Situation herauskamen. Danach sprach ich noch mit ein paar Einheimischen, um einen anderen Mechaniker zu finden, der uns helfen konnte.

Tag 17: Siem Reap

Ich stand auf im Glauben, dass wir schon bald in Richtung der thailändischen Grenze im Süden aufbrechen würden. Ich lag sehr falsch.

Irgendwann im Laufe des Vormittags tauchte Moon auf und immerhin hatte er ein paar der Ersatzteile dabei, die wir benötigten. Für jene, die er nicht dabei hatte, versuchten wir verzweifelt jemanden in Siem Reap zu finden, der auch nur die leiseste Ahnung von Tuk Tuks hatte. Doch die Tuk Tuks hier waren eine komplett andere Geschichte. Im Grunde waren sie normale Motorräder mit einer Art Anhänger. Außerdem waren unsere Gespräche nun sehr viel schwieriger, da Veronica, die zwar fließend Thai und Lao sprach uns in einem Land, in dem man mit Khmer kommunizierte, leider nicht mehr helfen konnte.

Gegen 12 sah die Situation etwas besser aus. Zwei Typen arbeiteten an den Tuk Tuks. Niemand schien sich zu erinnern, wie wir an die Beiden gekommen waren, aber das war auch nicht weiter wichtig, solange sie die Fahrzeuge wirklich reparierten. Tony arbeitete ebenfalls an einem Tuk Tuk und so waren wir zuversichtlich, dass wir schon bald aufbrechen konnten.

Gegen 4 hatte sich die Situation auf ein Neues gewandelt, diesmal zum Schlechteren. Einige der kaputten Teile konnten schlichtweg nicht repariert werden. Zumindest nicht von den Mechanikern unserer Wahl. Doch damit nicht genug. Es waren wohl auch noch ein paar neue Teile kaputt gegangen, als man versucht hatte, die andren zu reparieren….

Um dem Stress und der Enttäuschung auf dem Hof des Hostels etwas zu entkommen, beschloss ich, alle Tuk Tuks nacheinander zu einer LPG Tankstelle zu bringen und sowohl die normalen als auch die Ersatztanks aufzufüllen. Auf diese Weise tat ich etwas Sinnvolles und musste nicht dabei zusehen, wie die Crew sich sorgte und die Teilnehmer sich schon wieder betranken.

Eigentlich mochte ich Siem Reap, aber nur jene Teile der Stadt, die fernab der Touristenmeile lagen. Die Pub Street und der bekloppte Nachtmarkt waren einfach nur unnötig und ließen Siem Reap aussehen wie Cancun. Doch es machte Spaß, durch die kleinen Gassen und über die schmalen, klapprigen Brücken zu fahren. Auf ein Neues war es erstaunlich zu sehen, wie freundlich die Menschen in jenen Gegenden waren, wo Touristen die Ausnahme waren, und wie beschädigt diese Freundlichkeit überall dort war, wo Touristen die Norm waren.

Als endlich alle Tanks gefüllt waren, hatten sich die Dinge beim Hostel nicht nennenswert verändert. Die Angestellten waren leicht verwirrt. Wie schon in ein paar anderen Orten zuvor hatten wir zu spät ausgecheckt, aber dann über Stunden einen Berg an Gepäck neben der Rezeption liegenlassen. In diesem Hostel hatten wir den Aufenthaltsbereich nun seit geschlagenen acht Stunden blockiert und zugemüllt. Ich hatte das Gefühl, dass die Rezeptionistin sich auf den Moment freute, da wir endlich abhauten.

Moon war vor ein paar Stunden verschwunden und die anderen Mechaniker hatten uns
ebenfalls sitzenlassen, wobei zwei von ihnen nicht mal nach einem Lohn für ihre Arbeit gefragt hatten. Stattdessen hatten sie sich einfach heimlich verdrückt. Es schien, als schämten sie sich dafür, dass sie die Fahrzeuge nicht reparieren konnten. Alle Probleme liefen nun auf einen elektrischen Defekt hinaus. Offenbar waren die Motoren repariert, aber sie wollten partout keinen Zündfunken bekommen. Ich redete mit den Hotelangestellten und nach ein paar Anrufen hatten sie jemanden gefunden, der auf Elektrik spezialisiert war. Doch der Typ konnte nicht vor dem nächsten Morgen helfen. Nachdem wir also etwa 14 Stunden auf die Abfahrt gewartet hatten, mussten wir unsere Niederlage eingestehen. Wir konnten nichts tun, außer wieder in unsere alten Zimmer einzuchecken und uns zuzusaufen…

Wir fingen an mit einer kleinen Tanzparty direkt neben den Tuk Tuks. Wie es schien, war es nun wirklich an der Zeit, dass die Crew endlich mal den Stress herausließ. Alle außer dem Kameramann Basil schütteten sich ein Bier nach dem anderen in die Kehle, tanzten und benahmen sich daneben. Es fühlte sich ausgesprochen gut an, für den Moment einfach mal zu sagen: ‘Scheiß drauf.’ Das Interessante war, dass offenbar nur wenige der Teilnehmer sich unserem kleinen Fest anschließen wollten. Sie feierten jede einzelne Nacht, aber jetzt, wo wir endlich mal abgingen, drückten sie sich. Stattdessen schlossen sich zwei Kröten der Party an. Schrägerweise waren diese zwei unansehnlichen Kreaturen die Haustiere des Hostels. Eine von ihnen pinkelte mir über die ganze Hand.

Gegen Mitternacht hatten wir ein paar der Teilnehmer dazu überreden können, sich uns in Richtung Pub Street anzuschließen. Für mehr Spaß – und bessere Aufnahmen – nahmen wir eines der Tuk Tuks und schoben es einmal quer durch die kleine Stadt. Man stelle sich 15 Betrunkene vor, verkleidet mit buntem Klebeband, selbstgebauten Kostümen und falschen Federn in, hinter und auf dem Dach eines Tuk Tuks. Es war ein wirklich bizarrer Anblick!

John nutzte seine magischen Kräfte, um die Cops, die uns von der Einfahrt auf die Pub Street abhalten wollten, vom Gegenteil zu überzeugen, und wir parkten das Tuk direkt vor der berüchtigtsten Bar, dem ‘Angkor What?’. Obwohl ich jeden einzelnen Song in diesem Laden hasste, kam ich doch nicht umhin mich zu amüsieren. Unsere Gruppe war wirklich besonders; nun verstand ich das. Sie betraten einen Ort und machten ihn zu ihrem. Sie saugten auf Anhieb jeden in ihre kleine Party-Welt. Es war wirklich erstaunlich dabei zuzusehen.

Wir schafften es noch bis zu einer anderen Bar, bevor ich nicht mehr konnte. Der kleine Part meines Gehirns, der noch immer funktionierte, erinnerte sich daran, dass der neue Mechaniker schon um 8 Uhr morgens auftauchen sollte. Im Grunde hing der gesamte Trip nun von diesem Typen ab. Ich sah besser zu, dass ich noch ein wenig Schlaf bekam.

Die Anderen schafften es, sich noch viel schlimmer zuzurichten. John bekam sein iphone von Straßenkids geklaut und ein paar andere verstrickten sich in Streitereien. Business as usual.

Tag 18: Siem Reap – Poi Pet

Es lässt sich schwer in Worte fassen, wie schlimmes mir ging, als ich aufstand. Wie durch ein Wunder jedoch tauchte der Mechaniker tatsächlich pünktlich auf und begann sogleich seine Arbeit. Zunächst betreute ich ihn, um zu erklären, wo die Probleme lagen, aber nach einem fettigen Frühstück wurde mir klar, dass ich auf jeden Fall noch mehr Schlaf brauchte. Es konnte mir in diesem Moment nicht egaler sein, dass wir vor 12 aufbrechen mussten, wenn wir es noch heute bis zur Grenze schaffen wollten. Was für eine grandiose Idee doch diese Saufnacht gewesen war!

John weckte mich gegen Mittag. Die Lobby des Hostels bot kein schönes Bild. Alle waren erschöpft und verkatert. Überall lagen Teile und ölige Lumpen verstreut. Leider hatte der Mechaniker nur eines der Tuk Tuks reparieren können. Der neue Plan – wir nannten ihn K 29 b – war daher, Sun und Moon am größten Grenzübergang zu treffen, Poi Pet. Moon musste an mehreren der Tuks arbeiten, es gab sonst keine Möglichkeit weiterzufahren. Wir würden die Full Moon Party so oder so verpassen, das stand längst fest. Seit einiger Zeit hatten wir die alte Route aufgegeben, die uns zur echten Full Moon Party nach Ko Phangan geführt hätte. Stattdessen würden wir nun nach Ko Chang fahren, dass viel näher lag, den Namen eines unserer Sponsoren trug und ebenfalls mit einer Full Moon Party aufwarten konnte, wenngleich diese deutlich keiner war. Aber mit der weiteren Verspätung würde dieser Plan nun ebenfalls ins Wasser fallen. Der neue Plan war daher, einfach unsere eigene Full Moon Party zu organisieren, ein oder zwei Tage nach dem eigentlichen Termin. So oder so mussten wir wirklich langsam in die Gänge kommen. Es wurde höchste Zeit, dass ich einen LKW fand.

Nachdem ich mit ein paar Taxifahrern gesprochen hatte, die dachten, ich würde nach ‘drug’ suchen, und nicht nach ‘truck’ (was an einem katerbedingten Nuscheln meinerseits liegen konnte), fand ich jemanden, der gutes Englisch sprach und sich auszukennen schien. Während mein Schädel sich anfühlte, als würde er jeden Moment explodieren, suchten der Typ und ich die gesamten Randbezirke von Siem Reap ab nach einem LKW, der groß genug für ein Tuk Tuk war, sowie einem Fahrer, der willens war, alles stehen und liegen zu lassen, um die 150 Kilometer bis zur Grenze zurückzulegen. Die Sonne brannte herunter und ich vernichtete eine Wasserflasche nach der anderen. Die Vororte von Siem Reap sahen ungefähr so heruntergekommen aus, wie sich meine Organe anfühlten.

Als ich siegreich zum Hostel zurückkehrte, wurde ich schon wieder fast ohnmächtig. Nur strong>eine Flasche Cola, eine Flasche M-150, eine Tüte Erdnüsse sowie drei Schmerztabletten (all das konsumiert in weniger als zwei Minuten) schafften es, mich zurück unter die Lebenden zu bringen. Überraschenderweise waren alle anderen abfahrbereit. Und so passierte, nachdem alles zwei Tage lang dermaßen langsam vonstatten gegangen war, nun alles auf einmal. Wir checkten auf ein Neues aus, verabschiedeten uns von den Angestellten und den Kröten, packten in nur wenigen Minuten unseren Kram und diskutierten kurz die Route zur Grenze. Als dann der LKW auftauchte, benötigten die Teilnehmer gerade mal ein paar Momente, um Miss Fit aufzuladen. Wir waren allen Ernstes bereit zur Abreise. Ich war sehr erleichtert, endlich wieder auf die Straße zu kommen.

Wir schafften es genau bis zur nächsten Kreuzung, bevor das nächste Tuk den Geist aufgab. Dieses Mal verschwendeten wir keine Zeit. Wir mussten diesen Ort endlich verlassen! Und so schaffte ich es mit der Hilfe des ersten LKW-Fahrers – und der Tatsache dass eine der Teilnehmerinnen sich, die bei ihm mitfuhr, offenbar fließend mit Händen und Füßen verständigen konnte – , dass schon kurz darauf ein zweiter LKW vorfuhr und auch das pinke Tuk Tuk auf einer Pritsche verschwand. Die Fahrer berechneten für die Strecke einen ganz schön hohen Preis, aber sie schienen zu ahnen, dass wir von ihnen abhängig waren.

Dann wurde der Tag endlich nett. Es war wunderschön, im Sonnenuntergang aus Siem Reap hinauszufahren. Zwar musste ich noch immer den Drang zu kotzen unterdrücken, aber so langsam ging es mir etwas besser. Die zwei übrigen Tuks waren schon aufgebrochen, sodass wir jetzt nur noch mit den beiden Produktionsfahrzeugen fuhren. Wie herrlich es war, mit zweien statt mit sieben Fahrzeugen unterwegs zu sein! Doch die Freude währte nur, bis Lisa, Produktions-Tuk 2, Probleme mit den Zylindern bekam. Wir hielten bei mehreren Werkstätten und einer der Mechaniker hatte Ahnung. Während er bastelte, genoss ich es, das Alltagsleben im kleinen Dorf zu beobachten.

Nach ein paar weiteren Dörfern dann wurde die Straße sehr ruhig. Die Grenze war über die Nacht geschlossen, daher gab es nun keinen Grund mehr für die Leute in diese Richtung zu fahren. Es war eine gerade, schmale Straße mit brennenden Feldern zu beiden Seiten. Da die Nacht eine etwas kühlere Brise mit sich brachte, war das Fahren nun viel angenehmer. Wir hielten oft, damit ich am Telefon mit Sun und Moon sprechen konnte sowie mit den anderen Teams. Einmal hielten wir in einem Dorf, um Getränke zu kaufen. Die Leute waren neugierig und freundlich und es gab einen großen Tempel-Jahrmarkt. Diese Jahrmärkte mit dem riesigen Essensangebot, den Attraktionen und den seltsamen Dingen, die man für wenig Geld erstehen konnte, sind eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Wieder einmal wünschte ich mir, wir wären in der Lage, solche Dinge zu besichtigen, aber die Zeit ließ es einfach nicht zu. Abgesehen davon hätten wir auch nicht unsere 50000-Dollar-Ausrüstung unbewacht lassen können.

Kurz nach diesem Dorf war die ganze Gegend von Schwarzlicht erhellt und ich fragte mich, was es damit auf sich hatte. John klärte mich auf. Dies war die Gegend, wo die Kambodschaner all die Insekten fangen, die zum Essen nach Thailand verkauft werden.

Gerade als ich so bei mir dachte, dass Carolina doch wirklich in letzter Zeit ein braves Mädchen gewesen war, entschloss sie sich, den Geist aufzugeben. 6.9 Kilometer vor der Grenze… Zum Glück erinnerte ich mich an die Art und Weise, wie Thais ein Tuk Tuk abschleppen; das Vorderrad wird auf das Heck des anderen gehoben. So schafften wir auch noch die letzten Kilometer, alle vier plus Gepäck im ziehenden Tuk.

Als wir dann endlich in der Grenzstadt ankamen, fanden wir uns schon bald mit allen Anderen im Restaurant des Casino-Hotels zusammen. Es stellte sich heraus, dass Lisa, Produktions-Tuk 2, nun das einzige war, das noch einwandfrei funktionierte. Alle anderen waren kaputt oder hatten zumindest ein paar Wehwehchen. Unglaublich.

Wir hatten ein nettes Abendessen, obwohl es schon nach Mitternacht war. Das Hotel gab sich luxuriös, aber man nahm es ihm nicht wirklich ab. An jeder Ecke gab es Details, über die man sich amüsieren konnte. Der Laden war erst vor 15 Jahren gebaut worden, er wirkte jedoch, als sei das bereits 50 her.

Dann statteten wir dem Casino einen Besuch ab. Die Zimmerpreise hatten ein paar Spielchips beinhaltet, das war ein guter Start. Die Deko im Casino spottete jeder Beschreibung. Alles war dermaßen geschmacklos, dass es in den Augen schmerzte. Die Franzosen brachten mir bei, wie man Black Jack spielt, und sie machten das offenbar gut, denn ich gewann am laufenden Band. Davon wurde ich ein bisschen wacher. Es war dabei sehr witzig, dass die Angestellten des Casinos uns ständig Tipps gaben, wie wir noch mehr gewinnen konnten. Nach dem Black Jack zogen wir weiter zum Roulette. All die anderen Gäste, hauptsächlich Chinesen und Thais, schienen sich nicht viel aus Roulette zu machen. Sie spielten ein Spiel, das keiner von uns kannte oder auch nur verstand. Und während wir jeden Sieg feierten und lautstark herumalberten, schienen sie alle sehr ruhig und ernst.

Tatsächlich gewann ich eine kleine Summe, bevor ich mich meiner Erschöpfung ergab. Es sollte eine weitere kurze Nacht werden.

Tag 19: Poi Pet – Trat

Es ging mir schon wieder beschissen. Das aber war eine gute Verfassung, um andere Leute aus den Federn zu holen.

Wir übergaben, mitsamt etwas Bakshish, unsere Pässe dem Concierge des Hotels, der einen Weg kannte, die lange Schlange an der Einwanderungsbehörde zu umgehen. Dann begannen wir, die Tuk Tuks durchs Niemandsland zu schieben. Mein Gefühl der letzten Nacht bestätigte sich: Poi Pet war wirklich ein Drecksloch. Arme Kambodschaner in Lumpen schoben riesige Handkarren voll mit Waren in Richtung Thailand, während immer mal wieder ein paar zwielichtige Personen vorbeifuhren in Limousinen mit getönten Scheiben und ohne Nummernschilder. Die Straße war kaputt und schmutzig, trotzdem standen am Rand diese fetten Casinos und westliche Coffee Shops. Als ich mich so umsah, konnte ich an nichts denken als an Korruption, Menschenhandel, Prostitution, Krankheit, Verbrechen und Mord. Und der Gestank in diesem Kaff war abartig ekelhaft. Johns Analogie war ein toter Hund, den man in Kotze herumgerollt, dann angezündet und am Ende mit Pisse gelöscht hatte. Das fasste die Situation recht gut zusammen, berücksichtigte jedoch nicht die fischige Nuance des Gestanks…
Uns überkam ein starker Drang, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen.

Glücklicherweise ließen uns die Grenzpolizisten ohne große Schikanen zurück nach Thailand. Wir hatten uns das recht schwierig vorgestellt, aber gegen 10 befanden wir uns bereits alle auf der anderen Seite.

Wie versprochen warteten Sun und Moon auf einem Parkplatz. Sun begann sofort seine Arbeit an den Tuks, wir organisierten unterdessen noch einen zweiten Mechaniker, da wir sahen, dass es zu viel Arbeit war für eine Person.

Es war schön wieder in Thailand zu sein. Wie immer in diesem Land war gutes Essen nicht weit entfernt. Wir wussten es sogar zu schätzen, dass der gute alte 7eleven zurück in unserem Leben war und ich stockte meinen Vorrat an Energy-Drinks und mit Seetang belegten Sandwiches auf. Direkt neben dem berüchtigten Supermarkt verkaufte ein Mann 2nd-Hand Klamotten und Kostüme. Ich konnte nicht widerstehen und kaufte ein Eichhörnchen-Kostüm , mit dem ich in den nächsten 20 Minuten russische Touristengruppen erschreckte, bevor mir klar wurde, dass es mit 38 Grad zu warm war für dieses Kostüm.

Alles in allem dauerten die Reparaturen viel länger als erwartet. Einige der Tuk Tuks hatten ernsthafte Schäden, Carolina inklusive. Wir fuhren dauernd mit Motorradtaxis in das Städtchen, um noch mehr Ersatzteile zu besorgen. Unsere Sponsoren warteten auf Ko Chang, daher hatten wir einen ziemlichen Druck, die Insel noch vor Ende des Tages zu erreichen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür schwand im Minutentakt.

Gegen 2 war endlich alles repariert. Danach sah es jedenfalls aus. Wir verabschiedeten uns von Sun und Moon und machten uns auf Richtung Süden. Was dann passierte, wirkt im Rückblick lustig, war jedoch in diesem Moment unfassbar nervig. Während der ersten zehn Kilometer nach dem Parkplatz verendeten drei der verbliebenen sechs Tuk Tuks. Vollends hinüber. Wir ließen sie an drei verschiedenen Tankstellen am Wegesrand zurück, da wir im Moment nichts tun konnten und wir nun wirklich endlich näher an die Insel kommen mussten. Nachdem alle drei an sicheren Orten abgestellt waren, die man später auch wiederfinden konnte, versuchten wir weiterzufahren. Nun aber war gerade ein LKW verunglückt, hatte sich überschlagen und lag jetzt auf der Seite über die komplette Breite der Straße. Kein Witz. Es gab nicht einen Zentimeter Platz auf beiden Seiten. Ich dachte noch bei mir, dass wir vielleicht wirklich nicht in den Süden fahren sollten. Alle Zeichen schienen daraufhin zu deuten…

Zwei der Teams, die nun ohne fahrbaren Untersatz waren, trieben einen Engländer mit Pick-Up nahe der Grenze auf, der sich bereiterklärte, sie zur Küste zu fahren. Die Anderen beschlossen, per Anhalter nach Trat zu gelangen.

Die zwei Produktions-Tuks sowie das Fraussie (French-Australian) Team umfuhren das LKW-Wrack auf Feldwegen, verfuhren sich für eine Weile in der Landschaft und legten dann endlich ein paar Kilometer auf recht guten Straßen zurück.

Es war doch wirklich witzig. Hatten wir ursprünglich geplant, so wenig wie möglich im Dunkeln zu fahren, hatten die letzten Wochen gezeigt, dass wir im Grunde fast ausschließlich bei Nacht fuhren. In mancherlei Hinsicht war das einfacher. Es war nachts nicht so heiß und die meisten Straßen waren nicht so befahren. Ich aber hatte immer noch ein Riesenproblem mit den Lichtern des entgegenkommenden Verkehrs. Meine Windschutzscheibe war dermaßen zerkratzt, dass es dann fast unmöglich war etwas zu sehen. Zum Glück hatte die Straße Richtung Trat wenigstens eine Mittellinie. An diese hielt ich mich, wenn ich wieder einmal geblendet war.

Zunächst war mein Plan, einfach so lange wie möglich hinter einem der großen LKW zu bleiben. Auf diese Weise hatte ich nie Probleme zu sehen, wo ich hin musste, und der LKW konnte den Weg für uns beide freiräumen. Aber der Lärm und die Abgase nervten mich schon bald, außerdem fuhr der Fahrer viel zu langsam. Also überholte ich und drückte aufs Gas. Die anderen beiden Tuks fuhren nicht auf 100% und hatten mich vorangeschickt, um so schnell wie möglich die Insel zu erreichen. So hätten die Sponsoren am Ende des Tages wenigstens ein Tuk Tuk sowie zwei Mitglieder der Crew dort. Tony war mit mir im Tuk Tuk, aber er war ziemlich krank und hatte in der vorangegangenen Nacht dem Glücksspiel den Vorrang vor Schlaf gegeben. Er döste auf dem Rücksitz vor sich hin und so war ich im Prinzip alleine.

Nach einem schnellen Stopp in einem kleinen hügeligen Dorf, wo ich einen sauer eingelegten Fisch verzehrte, kamen wir gut voran. 40 Kilometer vor Trat jedoch musste ich eingestehen, dass mir ständig die Augen zufielen. Das Fahren des Tuks war wirklich erschöpfend. Die eingeschränkte Sicht, der andauernde Lärm und das konstante Rütteln, die permanente Konzentration, um nicht in die Böschung zu fahren. Zum Glück fühlte sich Tony nun etwas besser und sah sich in der Lage, den letzten Abschnitt zu bestreiten. Kaum war ich auf dem Rücksitz, war ich auch schon eingeschlafen.

Trat schien eine nette kleine Stadt zu sein. Wir fanden ein Cafe mit gutem Kaffee, frischen Säften und einer gestimmten Ukulele. Die Besitzerin konnte kaum glauben, dass wir eine solche Strecke in Tuk Tuks zurückgelegt hatten, und machte eine Menge Bilder von uns und dem Gefährt.

Wir waren nun zu spät für die regulären Boote auf die Insel, daher machte es keinen Sinn mehr, dass wir vorausfuhren. Stattdessen würden wir uns wieder mit den Anderen treffen, da diesen vom Sponsor versichert worden war, dass sie speziell für uns ein Boot organisieren konnten. Wir mussten aber wohl ein kleines Missverständnis gehabt haben, da Tony und ich bereits zwei Stunden im Zentrum von Trat gewartet hatten, als sich herausstellte, dass die Anderen bereits am Hafen waren, der 3o Kilometer entfernt lag.

Es war bereits nach Mitternacht, also beeilten wir uns. Dummerweise verfuhren wir uns mehrfach auf den winzigen Straßen ohne Hinweisschilder.

Als wir die Anderen endlich fanden, wurde schnell klar, dass die ganze Boot-Geschichte nicht vor dem nächsten Morgen über die Bühne gehen würde. Es war nun einfach zu spät und niemand wollte uns mehr hinüberfahren. Einigen wirren sms-Nachrichten entnahmen wir, dass es zumindest alle Anderen nach Ko Chang geschafft hatten. Aber durch die Erschöpfung, die späte Ankunft sowie die reduzierte Größe der Gruppe, war die Party offenbar nicht ganz der gewünschte Erfolg. Zumindest aber hatten die Kids endlich neuen Vorrat an Alkohol.

Wir schliefen in einem schäbigen Guesthouse, das bereits zur Hälfte von Termiten verspeist worden war. An diesem Punkt hätte ich sogar in einem Termitennest geschlafen.

Tag 20: Trat – Ko Chang

Der Ozean glitzerte im gleißenden Sonnenlicht, während über den kambodschanischen Bergen am Horizont gerade ein heftiger Regenguss niederging. Das war nun mal wirklich ein Anblick, für den es sich aufzuwachen lohnte. Zudem wusste ich, dass dies für mich die letzte Fahrt der Reise sein würde. Besser noch: Es würden 20 fotogene Kilometer entlang der Küste von Ko Chang sein.

Es fühlte sich ziemlich abenteuerlich an, die Tuks auf die riesige Autofähre zu steuern. Die Busladungen Russen wussten nicht so recht, was sie von uns halten sollten.

Ich hatte vergessen, wie steil und gefährlich die Strassen auf Ko Chang waren. Mein letzter Besuch lag sieben Jahre zurück. Lisas Motor war so schwach, dass sie tatsächlich ein paar der Hügel hinaufgezogen werden musste. Auf diese Weise brauchten wir noch weitere zwei Stunden, bevor wir endlich unser Guesthouse am Lonely Beach, dem Backpacker-Spot, erreichten..

Die Wiedervereinigung mit dem Rest der Gruppe war sehr emotional und führte zu den ersten Drinks am Strand. Wir hatten es ans Ziel geschafft! Auch die Sponsoren schienen darüber sehr glücklich; schon bald gab es ein großes Photoshooting mit der ganzen Gruppe.

Danach wurde mir klar, dass der Trip für mich zu Ende ging. Ursprünglich hätte ich auch mein Tuk Tuk nach Bangkok zurückfahren sollen. Aber mit all unseren Verspätungen und meinem Flugtermin am nächsten Tag war mir das nun nicht mehr möglich. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich traurig darüber war. Meine Energie war in den letzten Wochen vollends aufgezehrt worden. Ich war krank und müde und brauchte nun wirklich mal etwas Zeit ohne 20 Leute um mich herum.

Und so setzte ich mich nach einem kurzen Bad im Meer, einer Massage am Strand und einem Meeresfrüchte-Dinner zum Rest der Gruppe, um mich zu verabschieden. Sie wollten, wenig überraschend, wieder zu einer Party, aber es gab an diesem Punkt fast nichts, das mich noch weniger interessierte als Party. Wer hätte gedacht, dass ich das einmal sagen würde?!

Am nächsten Morgen nahm ich einen Pick-Up zur Fähre, ein Boot rüber aufs Festland und einen Minivan zurück in die große Stadt. Ich schlief die ganze Fahrt durch; mein Kopf schlug im Rhythmus der Schlaglöcher gegen die Scheibe.

Am späten Nachmittag lief ich am verlassenen Gebäude vorbei, wo wir die letzten Tage vor unserer Abreise verbracht hatten. Als mich all die Betreiber der Imbissstände breit anlächelten und ausriefen “Mr. Tuk Tuk is back!”, wurde mir plötzlich klar, was ich in den letzten Wochen getan hatte. Ich war Mr. Tuk Tuk geworden.

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