Kanarische Inseln – Meine Gomera Highlights

It does feel tropical on Gomera!

Die Kanarischen Inseln sind wirklich etwas Besonderes. Denn jede einzelne von ihnen hat ihren ganz eigenen Charakter: Fuerteventura ist die ewig stürmische Surfer-Insel, Teneriffa ist berühmt für seinen Vulkan, seine Strände und den einzigartigen Sternenhimmel, La Palma gilt als Wanderparadies. Gran Canaria ist die Partyinsel der Gruppe, in Lanzarote hat sich Ökotourismus durchgesetzt. Gomera hingegen war lange Zeit die Insel der Wahl in Hippie-Kreisen. Und so viel man an der Hippie-Kultur auch aussetzen kann: Sie hatte doch immer einen außergewöhnlich guten Riecher für die schönsten Orte auf diesem Planeten. Appartements statt Bettenburgen, alternative Leute statt Fettwänste mit Sonnenbrand, Restaurants mit Gerichten aus aller Welt. Für mich ist Gomera die vielseitigste der Inseln und jene mit dem angenehmsten Vibe. Wieder einmal musste ich feststellen, dass ich im Herzen wohl doch ein Hippie bin…

Meine Gomera Highlights

One of many spectacular views
Einer von vielen spektakulären Ausblicken

Wie hinkommen: Flüge nach Teneriffa

Direkt nach Gomera zu fliegen ist selten möglich und viel zu teuer. Flüge nach Teneriffa Süd ab Deutschland hingegen sind oft sehr erschwinglich. Ist man schon mal da, sollte man sich auf Teneriffa auch erst mal umsehen. Denn so lange man sich in Teneriffa von den sehr touristischen Gegenden fernhält, hat auch diese Insel durchaus ihren Reiz. Der beeindruckende Vulkan Teide (3700 m), lange, mitunter leere Strände, und natürlich alles an Essen und Shopping, was das Herz begehrt.

Mein persönlicher Tipp: San Andres, ein kleines Fischerdorf an der Ostküste, so ruhig und ursprünglich, dass man denken könnte, die Insel sei noch unentdeckt!

Von Los Cristianos aus geht die Fähre direkt nach Gomera. Verschiedene Reedereien verbinden die beiden Inseln fünf mal am Tag. Für die Fahrt benötigt man eine knappe Stunde.

Rough waters around 'pig's bay'
Wilde Brandung rund um die Schweinebucht

Wo bleiben: Valle Gran Rey

Das Boot hält zunächst in Gomeras Hauptstadt San Sebastian. Will man für seine Zeit auf der Insel einen Wagen mieten, dann kann man bereits hier aussteigen, denn hier ist das Angebot an Mietwagenfirmen größer. Wenn nicht, dann sollte man auf dem Boot bleiben und weiter nach Valle Gran Rey fahren, das auf der anderen Seite der Insel liegt. Dort ist es, wo sich seinerzeit die Hippies niederließen. Es geht hier entschieden gemächlicher zu und viel hübscher ist es noch dazu!

Direkt am Fährhafen in Valle gibt es bereits Unterkünfte. Meine Empfehlung: Einfach ein oder mehrere Zimmer in einem Privathaus mieten. Netter, freundlicher, günstiger.

Doch wer noch etwas Energie hat, sollte vielleicht noch ein Stück nordwärts die Küste entlanglaufen. Denn auch hier kann man Zimmer oder ganze Wohnungen mieten. Der große Vorteil aber: Es ist viel ruhiger als in der Nähe des Hafens, man ist näher an den schönen Stränden, und einige der am Hang gelegenen Unterkünfte bieten spektakuläre Ausblicke auf Meer und Sonnenuntergang!

View over the bay towards Merica
Ausblick in Richtung Merica

Was machen

Strand

Wer weißen Sandstrand sucht, wird vermutlich enttäuscht sein. Strände auf Gomera sind geprägt von dunklem Sand und Felsen. Nichtsdestotrotz gibt es einige sehr schöne wie etwa den Charco de Cieno, nicht weit von Valle. Das Wasser um die Kanarischen Inseln wird nie wahnsinnig warm, aber mit ein wenig Überwindung lässt es sich schon etwas planschen.

Beach near Valle Gran Rey
Ein Strand nicht weit von Valle Gran Rey

Wandern

Hat man dann genug vom Strand, sollte man die Wanderstiefel schnüren. Gomera bietet vielseitige und aufregende Touren! Man kann direkt von Valle Gran Rey starten oder aber einen Bus auf den immerhin fast 1500 Meter hohen Berg Garajonay nehmen. Das Tolle hier: Der sogenannte Nebelwald! Die tropisch anmutende Vegetation mit den vielen tropfenbesetzten Spinnennetzen und dem am Boden entlangwabernden Nebel lassen ein Gefühl aufkommen, als wäre man in einem Märchenfilm!

Von oben kann man dann in fast alle Richtungen zum Meer hinabwandern und wird dafür überall mit fantastischen Ausblicken entschädigt. Zum Beispiel den Weg nach Los Organos kann ich sehr empfehlen. Einige Male eröffnen sich auf diesem schmalen Pfad unglaubliche Panoramen, manche Passagen sind jedoch nicht ganz ungefährlich. Vom entspannten Dörfchen im Tal kann man dann entweder über die Ebene wieder zurücklaufen oder aber einfach ein Taxi nehmen. Unterwegs nicht vergessen: Ein rustikales Essen in einer der vielen Tavernen.

View from Arure
Ausblick von Arure

A propos, Essen!

Spanien ist, wenn ich das sagen darf, abgesehen von Tapas nicht berühmt für seine Küche. Doch auf den Kanaren gibt es ein paar Spezialitäten, die sehr lecker sind, und das spanische Angebot komplettieren.

Es geht los mit den verschiedenen Mojos, Saucen aus Essig, Knoblauch und weiteren Gewürzen. Am Besten passt grüner wie auch roter Mojo zu den Papas arrugadasrunzligen kanarischen Kartoffeln mit Meersalzkruste. Süßkartoffeln, Kichererbsen und natürlich Fisch spielen eine ebenso große Rolle in der kanarischen Küche. Eine weitere Spezialität ist eingelegtes Kaninchen. Sehr lecker auch: Der einheimische Ziegenkäse! Dazu einen Wein von der Insel und zum Nachtisch noch ein köstliches Bienmesabe. Delikat!

Sonnenuntergang

Der Sonnenuntergang wird auf Gomera wahrlich zelebriert, und seine Schönheit rechtfertigt das durchaus. Am Strand im nördlichen Valle Gran Rey sammeln sich allabendlich Feuerjongleure, Musiker, Langzeitreisende und Touristen und feiern gemeinsam bei Getränken und Musik das Ende des Tages. Eine sehr schöne Tradition, der man eigentlich jeden Tag beiwohnen kann.

Sunset as seen from the hills
Sonnenuntergang, von den Hügeln aus gesehen

Nachtleben

Es gibt durchaus einige Bars und sogar Clubs auf Gomera, auch wenn die Insel mit Teneriffa verglichen eine recht Insel ist. Gerade in Valle Gran Rey aber ist man in puncto Nachtleben gut versorgt, und findet auch meist deutlich individuellere Läden als auf der Nachbarinsel. Was aber noch spannender ist, sind die unregelmäßig stattfindenden Raves, die sehr an Goa-Parties erinnern, wenngleich zumeist mit besserer Musik. So war ich einmal auf einer Party in einer alten Burg am Wasser, detailverliebt dekoriert und von vielen Jongleuren, Hoop-Tänzerinnen und generell einem sehr bunten Völkchen besucht. Einziger Wermutstropfen: Das Gesetz verbietet eine Beschallung, die länger als 3 Uhr geht. Daher: Früh auftauchen und gleich zu tanzen anfangen!

Andere Beschäftigungen

Es ist wirklich leicht, auf Gomera dem dolce farniente zu fröhnen – in Cafes sitzen und lesen, am Strand spielen, Sonnenuntergänge bestaunen, … . Wird einem das aber doch mal zu langweilig, so gibt es durchaus spannende Alternativen:

Crossing the mountains
Überquerung der Berge

San Sebastian

Die Hauptstadt ist schon mal einen Tagesausflug wert, auch wenn man dafür die Bergkette überqueren muss. Immerhin brach seinerzeit Kolumbus von hier aus Richtung Amerika auf, hierzu gibt es ein ganzes Museum. Auch sonst gibt es ein paar historische Bauten zu besichtigen sowie den Hafen, der hier deutlich größer ist als in Valle. Insgesamt wirkt San Sebastian aber wie ein normales spanisches Städtchen. Das jedoch kann durchaus mal den nötigen Kontrapunkt zur Verwunschenheit von Valle Gran Rey liefern. Es fahren täglich einige Busse über die Bergkette, Dauer circa eine Stunde.

Whale Watching

Abhängig von der Jahreszeit lassen sich vor den Kanaren oft eine Menge Wale auf der Durchreise blicken. Es gibt verschiedene Tour-Veranstalter. Ich würde jedoch empfehlen, mit Claus Heinrichs zu buchen, einem verschrobenen, aber netten Deutschen, der Gomera schon seit Jahrzehnten sein Zuhause nennt. Er ist zudem der Herausgeber des Valle-Boten, eines wöchentlichen Fanzines, das sich mit Gomera, seinen Hippie-Bewohnern, aber auch ausgiebig mit Weltpolitik beschäftigt. Das Blättchen ist uneingeschränkt zu empfehlen, da der Humor sich nicht selten auf Titanic-Niveau bewegt! Waltouren sowie die neueste Ausgabe des Boten in einem Haus am Hafen von Valle.

Valle Gran Rey from above
Valle Gran Rey von oben

Der tropische Fruchtgarten

Eine Wanderung ab Valle entlang der Küste gegen den Uhrzeigersinn ist ebenfalls empfehlenswert. Einige Passagen muss man jedoch erklettern, da die Küste recht steil verläuft. Gar nicht so weit von Valle Gran Rey haben ein paar findige Leute das Klima ausgenutzt und einen großen Garten mit allen erdenklichen tropischen Früchten angepflanzt. Die Tour ist zwar ein wenig teuer, dafür darf man aber auch alles probieren, was gerade reif ist!

It does feel tropical on Gomera!
Man fühlt sich fast wie in den Tropen auf Gomera!

Reiki bei Sonnenaufgang, Yoga bei Mondschein

Gomera wäre kein Hippie-Ort, wenn es nicht jede Form alternativer Heilkunst, Yoga und Meditation gäbe. Hierfür einfach die Augen offenhalten in den kleinen Supermärkten und Cafes. Dort hängen die Zettelchen, die darüber Auskunft geben, wer gerade was unterrichtet und wann er oder sie das tut.

Auf den Spuren der Hippies

Will man sich mal vorstellen, wie es wohl war, als in den Sechzigern die Hippies nach Gomera kamen, sollte man bei der Schweinebucht vorbeischauen. Dort lebten die Freigeister damals in Höhlen, teils monatelang. Abends tanzten sie nackt am Strand. Noch heute versucht der Eine oder Andere, den Spirit von damals wieder aufleben zu lassen, aber die Polizei räumt die Höhlen regelmäßig. Doch einfach dort zu stehen, und sich auszumalen, wie es gewesen sein muss, mit einer Handvoll Freaks auf eine völlig ursprüngliche und paradiesische Insel zu kommen, das ist den Besuch bereits wert!

Gomera still life at El Cercado
Gomera Stilleben bei El Cercado

 

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Geschrieben von
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