Berlins beste Craft Beer Bars

Der Begriff Craft Beer ist schon seit einiger Zeit in aller Munde. Mittlerweile führen sogar große deutsche Brauereien eigenes Craft Beer im Sortiment, mitunter findet man dieses sogar schon im Supermarkt.

Doch was ist eigentlich Craft Beer?

Einfach gesagt ist Craft Beer handwerklich gebrautes Bier, sprich nicht industriell hergestellt. Viel wichtiger aber ist, dass ein Craft Beer ein Bier mit einem eigenen Charakter ist. Oftmals handelt es sich um Bier-Spezialitäten mit eigener Rezeptkomposition, meist aus kleinen, oft gerade erst gegründeten Brauereien. Nicht selten sind Craft Biere das Ergebnis von Experimenten, von einem neuen, unkonventionellen Umgang also mit den Urbestandteilen Hopfen und Malz. In den USA übrigens ein Phänomen, das ich schon 2004 beobachtet habe. Schon damals war dort der Begriff Microbreweries, also kleine, unabhängige Brauereien, überall zu finden. Hier hat sich das alles erst mit der Aufweichung des Reinheitsgebotes durchsetzen können.

Berlin ist in puncto Craft Beer – wen wundert’s – gut aufgestellt. Es gibt mittlerweile viele Bars und Gaststätten, die zusätzlich zum normalen Sortiment Craft Beer anbieten. Und dann gibt es noch jene, die sich ausschließlich auf Craft Beer spezialisiert haben. Ich habe diese Bars neulich im Rahmen eines Drehs für Brew Dogs kennengelernt und möchte Euch hier meine Favoriten (in willkürlicher Reihenfolge) vorstellen:

Herman

Die Bar des belgischen Tausendsassas Bart Neirynck ist schon optisch wirklich ein Hingucker. Feinsäuberlich an der Wand aufgereiht sieht man als erstes das gesamte Sortiment der mehr als hundert Biere, auf dem Tresen liegt schwer und speckig das belgische Bierlexikon, ein dicker Schinken, der mehr als 1000 Sorten umfasst.

Herman

Eigentlich ist das Herman nicht als Craft Beer Bar, sondern schlicht als ‚belgische Bierbar‘ zu verstehen. Denn im Verständnis des Bierlandes Belgien ist eigentlich fast jedes Bier ein Craft Beer.

Es lohnt sich, dem ehemaligen Filmemacher Bart ein paar bierspezifische Fragen zu stellen. Denn er kennt sich wirklich gut aus. Und wenn man dann sein erstes Sauerbier – wie ein Blended Whisky aus unterschiedlich alten Biersorten kombiniert – probiert, dann ist das wie ein Erweckungserlebnis. Denn mit dem herkömmlichen Geschmack von Bier hat das nun wirklich nicht mehr viel zu tun. Etwa ein ‚Douchesse de Bourgogne‘ lässt die Geschmacksknospen jubelieren, und man trinkt es dementsprechend Schluck für Schluck. Bart vergleicht ein Sauerbier nicht ohne Grund mit einem erlesenen Aceto Balsamico.

Douchesse

Die Bar ist schick und gemütlich zugleich, und von einem sehr heterogenen, internationalen Publikum bevölkert. Man sollte jedoch etwas mehr Geld mitbringen als in die Kneipe nebenan, denn die Bierspezialitäten sind natürlich etwas teurer. Das Douchesse etwa schlägt mit € 6 zu Buche.

Herman, Schönhauser Allee 173, 10119 Berlin-Prenzlauer Berg

Kaschk

Das Kaschk ist eine extrem clevere Kombination aus zwei Dingen, die in Berlin seit einiger Zeit immer größer geschrieben werden: Gutes Bier und guter Kaffee. Tagsüber ist die Bar des Norwegers Kristian Moldskred ein schickes Café im Holzlook mit außergewöhnlich guten Spezialitäten aus der Kaffeebohne. Ab dem späten Nachmittag dann öffnen sich die zwölf Zapfhähne, aus denen hauptsächlich skandinavische Spezialitäten sprudeln. Zusätzlich gibt es aber auch Craft Biere aus Berlin, Bayern und England.

Das Kaschk: Bier, Kaffee und Shuffleboard!
Das Kaschk: Bier, Kaffee und Shuffleboard!

Die Musik im Kaschk ist gut und laut, nicht selten spielt schon mittags ein DJ. Das Publikum ist so hip, wie es momentan gerade möglich ist.

Das Tollste am Kaschk: Im Keller gibt es ein original Shuffleboard! Dieses Spiel, das man eigentlich sonst nur in den USA und bei unseren skandinavischen Nachbarn findet, macht nach ein paar großen Gläsern Hopfengebräu gleich noch mehr Spaß!

Meine Empfehlung: Brlo (nach dem alten slawischen Namen Berlins) Helles – sanft und süffig!

Kaschk, Linienstrasse 40, 10119 Berlin-Mitte

Hopfenreich

Attila Kiss, der Betreiber des Hopfenreich, ist tatsächlich jener Mann, der seinerzeit die fantastische Squatter-Bar Szimpla in Budapest gegründet hat, wo wir auf unserer Tour in Schrottautos durch Osteuropa eine wilde Nacht verlebten.

Wilde Nächte sind im Hopfenreich eher die Ausnahme. Was hier groß geschrieben wird, ist der Genuss! Es gibt hier 14 offene Biere und dazu noch zahlreiche Biere aus der Flasche, die Karte wechselt ständig. Nicht selten sind junge Bierbrauer zu Gast, die dem interessierten Publikum ihre neuesten Kreationen präsentieren. Übrigens eine gängige Art der Abendgestaltung unter Craft-Beer-Aficionados. Da steht man dann mit wildfremden Menschen an der Bar, testet schlückchenweise neue Geschmackserlebnisse und kommt zwischen den vielen „Ohs“ und „Ahs“ schnell ins Gespräch mit anderen Bierliebhabern.

Hopfenreich, Sorauer Strasse 31, 10997 Berlin-Kreuzberg

Hopfenreich

Vagabund Brauerei

Man könnte sagen, das Vagabund liegt etwas ab vom Schuss. Man könnte aber auch in den Kanon einstimmen, der seit Jahren behauptet, dass der Wedding DAS neue große Ding wird. Doch wie man es auch macht: Hat man die kleine Bar der drei amerikanischen Freunde schließlich gefunden, dann kann man sich erst mal entspannen. Denn bei den drei Braueren, die die Bar gewissermaßen als Outlet für ihre eigenen Bierkreationen eröffnet haben, ist man wahrlich in guten Händen.

"Beer makes you feel the way you ought to feel without beer." Wäh?!
„Beer makes you feel the way you ought to feel without beer.“ Wäh?!

Gerade für Craft Beer Neulinge lohnt sich ein Besuch der Bar mit eher amerikanischem Ambiente, da mindestens einer der drei jungen Brauer immer vor Ort und gewillt ist, den Besucher in die hohe Kunst der Hopfenkunde einzuführen.

Aber besser mal vorher checken, wann die letzte Bahn aus Wedding zurückfährt! ;-)

Vagabund Brauerei, Antwerpener Strasse 3, 13353 Berlin-Wedding

Heidenpeters

Das Heidenpeters ist eigentlich keine Bar, sondern vielmehr ein Stand im wuseligen Treiben der Markthalle Neun. Doch wenn man weiß, dass Johannes Heidenpeter sein Bier direkt hier, im Keller der Markthalle braut, dann macht das alles schon mehr Sinn.

Und so gibt es am gemütlichen Stand in einer Ecke des Markttreibens auch ausschließlich Heidenpeter zu trinken. Doch dieses original Berliner Craft Beer ist so lecker, dass das gar kein Problem ist. Der ganz klare Vorteil an der Lage des Heidenpeter: Wird man nach ein paar Gläsern hungrig, hat man es bis zu einem der zahlreichen Essensstände nie weit.

Heidenpeters, Eisenbahnstrasse 42, 10997 Berlin-Kreuzberg

Hops & Barley

Auch dieses nette Etablissement ist eher Mittel zum Zweck, nämlich zum Ausschank des nebenan selbstgebrauten Bieres, das sich schmecken lassen kann. Doch mit Bier ist es hier nicht genug. Zusätzlich dazu gibt es auch noch selbstgekelterten Cider, was mich als Hesse natürlich mehr als überzeugen konnte.

Anders als in vielen Bars gibt es hier auch noch Snacks zum Bier wie etwa hausgebackenes Brot.

Hops & Barley, Wühlischstrasse 22/23, Berlin-Friedrichshain

Schoppe Bräu

Die Braugaststätte des Berliner Brauers Thorsten Schoppe ist ein Treffpunkt für Bierliebhaber. Denn hier kann man nicht nur zahlreiche Biere verköstigen, sondern auch noch an an Bier-Seminaren teilnehmen. Kein Witz! Und Schoppe, von vielen als der Guru der Craft Beer Szene verehrt, weiß das Thema auch wirklich interessant aufzubereiten. So interessant, dass der Laden bei seinen Seminaren nicht selten aus allen Nähten platzt.

Die Spezialität im Schoppe Bräu ist das hauseigene IPA (Indian Pale Ale).

Schoppe braut nicht nur direkt in der angrenzenden Brauerei, sondern mittlerweile auch im Pfefferberg, wo man das Bier ebenfalls in einem netten Ambiente verköstigen kann.

Schoppe Bräu, Hasenheide 69, 10967 Berlin-Kreuzberg

Brew Dog Berlin Mitte

Und dann wartet natürlich die gesamte Bier-Welt Berlins sehnsüchtig auf das erste eigene Brew Dog Pub der Hauptstadt! Mich interessiert das besonders, denn ich wohne im Grunde direkt nebenan. Leider verzögert sich das Eröffnungsdatum immer wieder.

Fakt ist: Das Brew Dog Pub wird sich in der Ackerstrasse 29 in Mitte befinden. Wer die Eröffnung partout nicht verpassen möchte, sollte schon mal die Facebook-Seite des Pubs liken!

Eher Lust auf ein vertrautes Bier?

Du sagst: Craft Beer hin oder her – ick will Berliner, Schultheiss oder Kindl!

Dann hab‘ ich auch für Dich eine echt gute Idee:

Kürzlich lernte ich bei einer Pressereise durch Marokko die Journalistin Hanne Walter kennen, die der Berliner Eckkneipe mit einem sehr unterhaltsamen Buch ein Denkmal gesetzt hat:

Uff’n Bier!

Ihr Buch ‚Uff’n Bier‘ führt den Leser in Läden, an denen man sonst gerne mal vorbeiläuft. Doch das passiert mit Sicherheit nicht mehr nach der witzigen Lektüre! Durch die kleinen Anekdoten über Wirte und Gäste verschafft Hanne dem Leser einen ganz neuen Zugang zu diesen Orten. Bei jeder Zeile wünscht man sich, diese Geschichten selbst zu erleben. Praktischerweise hat sie Eckkneipen in fast jedem Berliner Kiez ausfindig gemacht, so kann man sich direkt im Anschluss auf den Weg machen.

Doch damit nicht genug: Man kann in ‚Uff’n Bier‘ auch noch eine Menge über Berliner Kneipenkultur lernen. Wusstest Du etwa, dass der Snack zum Getränk in Berlin traditionell aus einem ‚Hungerturm‘ kommt? Diese rundum verglaste, mehrstöckige Vitrine beherbergt schon seit Ende des 19. Jahrhunderts  kleine, deftige Gerichte wie Rollmöpse, Schmalzbrote, Soleier, Buletten und Mettwürstchen.

Siehste! Lesen!

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Ich plane, diesen Artikel immer mal wieder aufzufrischen, denn gerade jetzt tut sich einiges auf dem Craft Beer Markt. Wenn Du noch Tipps hast, dann immer her damit!

Geschrieben von
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