Mit dem Longboard von Saigon bis Singapur!!

Ich kann es immer noch nicht ganz glauben...

Urplötzlich bin ich wieder hellwach! Nach dem ewig gleichen Grün des thailändischen Südens passieren wir gerade einen jungen Typen, der sich auf einem Longboard fortbewegt. Wohlgemerkt mit Anhänger!

Das Schicksal will es, dass mein Freund Gui und ich unser Boot auf die Insel Ko Lipe knapp verpassen. Und, dass einer der wenigen anderen Reisenden im verschlafenen Hafendorf Pak Bara eben jener Longboarder ist.

Darf ich vorstellen? Flo!
Darf ich vorstellen? Flo!

Ein Glück, denke ich: Es gibt noch andere Verrückte!

Florian Michl ist doch allen Ernstes unterwegs vom vietnamesischen Saigon bis runter nach Singapur. Auf seinem Longboard! Als ich ihn treffe, hat er gerade 100 Kilometer auf den Gummirollen zurückgelegt. Der 23-jährige Student aus Augsburg (Wirtschaftsingenieur und Umweltplanung) ist braungebrannt, wirkt ausgeglichen und gutgelaunt. Ich komme nicht umhin, ihm ein paar Fragen zu seinem doch etwas außergewöhnlichen Projekt zustellen. Wer mich und mein Buch Making Moves kennt, weiß, dass ich eine Schwäche für ungewöhnliche Arten der Fortbewegung habe!

Er erzählt, dass dies bereits sein zweiter Trip dieser Art ist. Letztes Jahr ist er von Augsburg bis nach Istanbul geskatet, inklusive Alpenüberquerung. Das hat ihn damals 58 Tage gekostet. „Diesmal werden es wohl knapp 70 werden“, lacht er.

Flo ist zu Hause tatsächlich nie Skateboarder, geschweige denn Longboarder gewesen. Aber als er die Youtube-Serie „Long treks on skatedecks“ von Adam Colton entdeckte, war es vorbei mit seinen klassischen Backpacking-Trips. Er hatte Feuer gefangen!

Das Brett, das die Welt bedeutet
Das Brett, das ihm die Welt bedeutet

Mittlerweile hat er Sponsoren gefunden, die einen Teil seines Equipments finanzieren, und schreibt auch über seine ungewöhnliche Art des Reisens.

Die Freiheit der Einsamkeit, respektive umgekehrt

Ich bin wirklich beeindruckt und frage ihn, ob seine Art des Reisens nicht doch sehr anstrengend ist. Physisch sei es halb so wild, nur seine Füße machten ihm immer mal wieder Probleme. Die Psyche sei da schon eine ganz andere Sache. „Man muss sich für jeden einzelnen Kilometer den Arsch aufreißen,“ bemerkt er, nun tatsächlich mal mit etwas ernsterer Miene.

Ich kann es immer noch nicht ganz glauben...
Ich kann es immer noch nicht ganz glauben…

Doch dieses wahnsinnige Gefühl der Freiheit sei die Strapazen auf jeden Fall wert. Flo fährt, so lange seine Kondition ihn trägt. Er schläft, wo er gerade landet am jeweiligen Abend. Mal in Hotels, mal bei Leuten zu Hause, mal in seiner Hängematte in der Wildnis. Ich möchte wissen, ob er nicht oft sehr einsam ist. Er antwortet, dass er auf seinem Europa-Trip manchmal den ganzen Tag über nicht geredet hat. „Doch das war eine sehr angenehme Einsamkeit!“ Hier in Asien sei die Erfahrung jedoch eine ganz andere. Ständig halte er mit jemandem am Straßenrand ein kleines Schwätzchen. Doch obwohl er, dank eines Schulaustauschs vor ein paar Jahren, fließend Thai spricht, bleiben die Unterhaltungen leider meist an der Oberfläche.

Reisen wie ein Alien? Nein danke!

Was motiviert Flo? Er hat da gleich mehrere Gründe parat. Zum Einen ist es die Tatsache, dass er nie aus einem Fahrzeug aussteigen und erst mal die Distanz zwischen seiner eigenen und der Welt der Einheimischen überwinden muss. „Kommst Du aus Deiner eigenen kleinen Blase, bist Du immer erst mal wie ein Alien. Auf dem Brett hingegen bin ich nonstop in der Welt jener Menschen, die mich gerade umgeben.“

Auch die sportliche Herausforderung sei ihm wichtig. „Es ist interessant, was im Gehirn passiert, wenn man sich an die Grenzen bringt. Man schwankt zwischen konzentrierter Aufmerksamkeit und euphorischer Weggetretenheit,“ philosophiert er mit träumerischem Blick.

Abgesehen von seinen eigenen Motiven, versucht er aber auch, mit seinen Longboard-Trips Spenden für Unicef zu generieren. Zudem macht er sich für den alternativen Energieanbieter Polarstern stark. Flo sogleich: „Schau mal rein! Und entscheidest Du Dich für einen Wechsel, dann benutze das Codewort ‚Longboard‘, somit gehen automatisch 30 Euro an Unicef!“

Was rät er all jenen, die nun Blut geleckt haben?

Flo gibt zu bedenken, dass es hilfreich ist, bei der Planung einen Mittelweg zu finden. „Natürlich muss man sich im Vorfeld ein paar Gedanken machen, aber nicht jede Etappe bis ins Detail durchplanen. Ich finde mittlerweile von ganz alleine meinen Weg!“

Ganz wichtig aber ist die Ausrüstung. Flo zum Beispiel schwört auf seinen Anhänger anstelle eines Rucksacks. Denn das Brett ist bis auf Spezialrollen einigermaßen normal. Doch der Anhänger wurde extra für ihn umgebaut. Das Beste daran: Er hat Bremsen! Und so muss er sich beim Bergabfahren nicht sorgen, dass er die Kontrolle verliert.

Schwerer, als es vielleicht aussieht
Alles, was er unterwegs braucht: Schwerer, als es vielleicht aussieht

Wohin geht der nächste Trip auf vier Rollen?

Da gäbe es schon Träume, antwortet Flo verschmitzt. Der Weltrekord auf einem Longboard liege bei 11.000 Kilometern. Und er könne sich durchaus vorstellen, diesen herauszufordern. „Der Oberhammer wäre, sich zwei Jahre Zeit zu nehmen und die Panamericana zu fahren. Von Norden nach Süden, 25000 Kilometer!“

Flo ist es vor allem wichtig, die Menschen einmal kurz aus ihrem Trott herauszureißen. Ich kann mir vorstellen, dass das sehr gut klappt!

Und ab dafür!
Und ab dafür!

Alle Geschichten von anderen Verrückten, die ich so treffe? Hier entlang!

Und für meine eigenen Geschichten gibt es ja meine Bücher:

Bücher von Marco Buch

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