Afrika im Schnelldurchlauf – Teil 1: Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia

Victoria Falls
Victoria Falls

Teil 1 des Tagebuchs meiner Zeit in Afrika, jenem Kontinent, mit dem ich bisher noch nie Kontakt hatte. Höchste Zeit! Nach langem Überlegen habe ich mich schließlich für eine geführte Tour entschieden. Doch vorher und nachher bleibt ein bisschen Zeit für mich selbst. Zusätzlich zu den Fotos im Text, findest Du hier Ihr zusätzlich noch ein paar Instagram-Momente.

Tag 1 – Windhoek

Ankunft in Windhoek. Es ist schon dunkel, aber noch immer brüllend heiß. Der Fahrer entschuldigt sich direkt für seinen Wagen – „die Stoßdämpfer“. Kaum erwischen wir das erste Schlagloch, weiß ich, was er meint. Im Lärm der klappernden Räder erzählt er mir, dass er demnächst in Europa eine Interrail-Reise machen möchte. Während ich darüber noch staune, erwischen wir fast volle Breitseite ein Pumba, ein Warzenschwein, das teilnahmslos auf der zweispurigen Straße steht. Kurz danach stelle ich fest, dass wir einem deutschen Radiosender lauschen. Namibia, vormals Deutsch-Westafrika – die Kolonialzeit ist hier deutlicher spürbar als irgendwo sonst.

Chameleon Backpackers. Nett hier. Kleine Hütten, viel Grün, ein milchiger Pool, eine Bar mit Flaggen aus aller Welt. Die Angestellten tragen ein Shirt mit der Aufschrift ‚Africa is not for sissies‘. Ist doch mal ’ne Ansage.

Ich kann gar nicht so viel Bier trinken wie ich schwitze. Neben mir an der Bar: David, ein Schweizer, der mit dem Fahrrad nach Swakopmund möchte. Der Haken: Sein Fahrrad ist irgendwie nicht auf seinem Flug mitgekommen. Und so bleibt ihm nichts Anderes übrig, als tagsüber die Fluggesellschaft anzurufen und sich abends dem Windhoek Lager zu widmen.

Meine Nacht ist durchzogen von wilden Träumen und viel Schweiß. Zum ersten Mal auf Reisen komme ich mit der Hitze nicht klar.

Tag 2 – Von Windhoek nach Swakopmund

Der erste Morgen in Windhoek. Ich weiß noch nicht, wie das hier alles geht. Afrika. Mein erster Kontakt mit diesem Kontinent, um den so viele Geschichten ranken. Überall im Hostel hängen Schilder, die davon abraten, irgendetwas Wertvolles mitzunehmen, wenn man das festungsartige Hostelgelände verlässt. Daher, und weil ich vor lauter Hitze noch immer nicht denken kann, lungere ich zunächst mal im gemütlichen Hostel herum. Lethargische Touristen sitzen vor dem Fernseher, nicht viel schnellere Angestellte kümmern sich um die Pflanzen im Garten.

Dann wage ich mich schließlich doch in die nicht weit entfernte Mall, um ein Handtuch zu kaufen. Ich habe meines, wie fast immer, zu Hause vergessen. Die Mall mutet fast amerikanisch an und ist gut besucht, der Rest der Stadt schmort wie verlassen in der erbarmungslosen Sonne. In den kleinen Restaurants des Einkaufstempels trinken fast alle Bier. Da dies wohl eine Art Gepflogenheit sein muss, tue ich es ihnen gleich. Dazu esse ich, man glaubt es kaum, chinesisch.

Als ich mich wieder auf den Hügel des Hostels geschleppt habe, ist tatsächlich Davids Fahrrad angekommen. Er montiert voller Vorfreude die Satteltaschen.

Mittags geht es im ‚Town Hoppers‘ Kleinbus nach Swakopmund. Zunächst holen wir in der ganzen Stadt Leute ab. Ich bin beeindruckt von der Abschirmung der wohlhabenderen Gegenden. Manche Häuser sind gleich dreifach gesichert: Elektrozaun, Hund, Überwachungskamera. Und auch hier verläuft sich in der Hitze des Tages fast niemand auf die Strasse. Windhoek wirkt auf mich wie ein Ort, der eigentlich nicht zum Leben gemacht ist.

Die Landschaft entlang der zweispurigen Straße in Richtung Westen erinnert mich vage an Arizona. Außer ein paar Farmen gibt es nicht viel zu sehen – Steppe, Busch, wie auch immer man eine trockene Gegend mit ein paar Büschen und noch weniger Bäumen nennen möchte. Ich unterhalte mich gut, erst mit Jade, dann mit Bianca, zwei Schwestern aus Südafrika, die ihre Tante im Norden Namibias besuchen. Sie verstehen das hier alles deutlich besser als ich und geben mir einige wertvolle Tipps. Besonders aber nehmen sie mir die unterschwellige Angst, immer gleich an der nächsten Ecke ausgeraubt zu werden.

Jade erzählt, dass sie in einem Hilfsprojekt arbeitet, aber es mittlerweile nicht mehr ertragen kann, da sich langfristig einfach gar nichts verändert. Bianca arbeitet als Übersetzerin in Paris und würde Europa jederzeit den Vorzug geben.

Abends erreichen wir Swakop, ich komme im sehr hübschen ‚Skeleton Beach Backpacker‘ unter. Die herzliche Betreiberin nimmt mich sofort unter ihre Fittiche. Swakopmund selbst wirkt wie ein deutsches Kleinstädtchen, fast ein wenig unheimlich mit all den deutschen Straßennamen und traditioneller teutonischer Gastronomie. Dazu ist es fast 20 Grad kälter, seit der Wind vom Meer her weht.

Swakopmund
Swakopmund

Ich flaniere entlang des Wassers zu einem Restaurant und esse eine Portion Tintenfischringe. So gute hatte ich wirklich noch nie! Um mich herum nur Weiße. Außer den Angestellten, die sind ausnahmslos schwarz. Die Art, wie sie behandelt werden, behagt mir nicht. Es scheint, dass dieses Land sehr unangenehme Eigenschaften in Menschen hervorbringt.

Als ich gegen 10 zurück durch das Dorf laufe, wirkt dieses wie tot. Interessanterweise gibt es hier offenbar kaum Kriminalität. Und das, obwohl ich nicht eine einzige Polizeistreife sehe.

Tag 3 – Swakopmund, Walvis Bay und die Wüste Namib

Ich habe nur einen Tag in Swakop und so habe ich ihn mir mit Aktivitäten vollgestopft. Der Morgen beginnt mit einer Bootstour in Walvis Bay. Wir sehen Pelikane, Seehunde und Möwen. Ein dreister Seehund klettert an Bord und wird mit ein paar Fischen belohnt. Ich streichle ihn, er fühlt sich an wie ein nasser Hund. Er riecht aber noch eine Spur verschärfter…

Pelikane in Walvis Bay
Pelikane in Walvis Bay

Dann halten wir Ausschau nach Delfinen, sehen aber stattdessen nur eine riesige Ölbohrplattform, von der aus uns die Arbeiter zuwinken. Während der ganzen Fahrt gibt es Alkohol und alle Passagiere bechern ordentlich. Es sind eine Menge Touristen aus Südafrika dabei, aber auch einige Einheimische. Alle sind auffallend freundlich und offen. Zum ersten Mal realisiere ich wahrhaftig, wo ich bin!

Leicht angeschlagen kehre ich zurück ins Backpackers. Doch die Hostel Mama hat meinen Tag straff durchgeplant. Ich habe nur eine halbe Stunde zum Verschnaufen, bevor mich Pali abholt, ein Local mit Dreadlocks. Er ist in Begleitung einer beeindruckenden Erscheinung aus Johannesburg. Der Südafrikaner mit dem wirklich guten Style (und dem Namen, den ich auch beim dritten mal fragen nicht verstehe) plaudert aus dem Nähkästchen. Er ist mit Ninja, dem Rapper von ‚Die Antwoord‘ befreundet, Teil der Underground-Musik-Szene Jo’burgs und hat einiges zu erzählen. Er lässt Pali, mich und einen jungen Kenianer an einer Düne raus. Wir gehen sandboarden!

Letztendlich verbringen wir drei mehr Zeit quatschend auf der Düne am Rande der Wüste Namib als auf den Brettern. Pali erzählt aus dem Leben in Swakopmund. Er sagt, er fühlt sich oft als Fremder in der eigenen Stadt. Rassismus ist offenbar nach wie vor allgegenwärtig. Erst gestern ist er von fast von weißen Farmersöhnen verprügelt wurden, nur weil er zwei deutsche Touristinnen in einer Bar angesprochen hat. Er wirkt wirklich resigniert und überlegt schon länger, in ein anderes Land zu ziehen. Vielleicht eines, das weniger koloniale Geschichte hat.

Alvin hingegen, der 17-Jährige aus Kenia, erzählt uns von seinen vielversprechenden Plänen, die Welt zu verändern. Er verfügt über die besondere Gabe, Leute mit einem einzigen Blick in ihr Gesicht einschätzen zu können. Alles, was er über mich sagt, stimmt zu hundert Prozent. Mit 19 möchte er verheiratet sein, mit 30 Millionär. Mit 50 möchte er Schulen in aller Welt betreiben, die begabte Kinder lehren, die Welt zum Besseren zu verändern. Spätestens nach seinem Tod, da ist er sich sicher, wird sein Plan aufgehen. Ich bin sprachlos ob seiner Euphorie und seines Altruismus.

Und so sitzen wir drei ewig gemeinsam auf der Düne im strammen Wind. Drei Wildfremde. Und doch fühlt es sich an, als würden wir uns schon ewig kennen.

Zwischendurch glotzen wir von der Düne auf die ‚Road of Death‘, die berüchtigtste Straße Namibias, auf der ständig Leute tödlich verunglücken. Die Straße ist gar nicht mal schlecht, aber alle fahren wie die Henker. Pali sagt: „Everything in Africa is always very slow. Except the cars, they are always very fast.“

Sandboarden in der Namib Wüste
Sandboarden in der Wüste Namib

Zurück im Backpacker, und mit Sandkörnern in jeder einzelnen Pore, lerne ich Arthur aus England, Judie aus den Staaten und Aina aus Spanien kennen. Sie arbeiten in Sambia für ein Hilfsprojekt und machen eine Woche Urlaub. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und so gehen wir gemeinsam Fische essen im berühmten Lighthouse Restaurant. Nach dem vorzüglichen, und nicht mal sonderlich teuren, Essen ist uns nach feiern zumute. Wir landen zunächst in einem Laden, der für Weiße reserviert zu sein scheint. Schlimme Musik, viel Alkohol und null Atmosphäre. Doch dann finden wir den ‚Grünen Kranz‘. Ein DJ, der sich durch House, Kuduro und schräge Rhythmen arbeitet, schreiend bunte Deko, echt afrikanisches Flair. Wir tanzen uns fast um den Verstand und staunen über die Tanzstile der Einheimischen. Am frühen Morgen stolpere ich durch Straßen mit Namen wie ‚An der Welle‘ und ‚Bei der Mole‘.

Tag 4 – Sehenswürdigkeiten in Windhoek

Ich stehe im Morgengrauen auf und besteige den Bus zurück nach Windhoek. Diesmal keine Unterhaltung; ich penne fast die ganze Fahrt durch. Erst später merke ich, dass ich vergessen habe, das Hostel zu bezahlen. Zum Glück kann ich das in Windhoek nachholen.

Mittags laufe ich durch die Stadt, die mehr denn je einer Wüste gleicht: Heiß und fast völlig menschenleer. Ich fotografiere die einzige Sehenswürdigkeit Windhoeks, die Christuskirche. Danach probiere ich in einem von Chinesen geführten Laden Basecaps an. Ich kann die Sonne nicht mehr länger ohne Schutz ertragen. Die Straßen in Windhoek sind aus mir unerfindlichen Gründen zum großen Teil nach Diktatoren benannt. Ansonsten kann ich im Grunde nichts über diese Stadt sagen. Sonst übrigens auch niemand.

Christuskirche Windhoek
Christuskirche Windhoek

Mit einem Taxi fahre ich zum Single Quarters Market. Da sich die Strecke mit einer Person für den Fahrer offenbar nicht lohnt, lädt er bei einem Einkaufszentrum noch eine ganze Familie mit Einkaufstüten ein. Diese muss er jedoch erst mal finden; währenddessen sitze ich schwitzend im alten Toyota, drehe Däumchen und lausche der sehr tanzbaren Musik, die aus den Soundsystems der anderen Taxis schallt.

„You have the watch, we have the time.“ (Afrikanisches Sprichwort)

Der Single Quarters Market ist ein Ort, wo man Tiere schlachtet. In recht simpler Umgebung, aber solche Dinge bin ich ja aus anderen Ländern gewohnt. Das Fleisch wird hier dann jedoch schlachtfrisch verkauft. Und ein guter Teil davon landet direkt auf dem Grill. Inmitten von Einheimischen verzehre ich einen Berg ‚Kapana‘, Grillfleisch direkt vom Rost, der mir in einem Stück Zeitungspapier gereicht wird. In großen Kartons finden sich Hügel aus Salz und Chili, in die man die fettigen Stücke dippen kann. Dazwischen wird man von allen Seiten vom kräftigen Rauch umweht, dessen Aroma sich mit dem des Schweißes mischt.

Single Quarters Market, Windhoek
Single Quarters Market, Windhoek

Von dort laufe ich in Richtung Soveto Market. Es ist Sonntag und so weist mir ein ganz in weiß gewandeter Priester den Weg. Da ich mich jedoch verlaufe, nehme ich schließlich ein weiteres günstiges Taxi. Doch der Markt ist leider weitgehend dicht. Nur in einem Teil stehen einige Hütten offen, in denen Frauen anderen Frauen Zöpfe flechten. Dies geschieht fast lautlos und versprüht so eine irgendwie verzauberte Atmosphäre. Vielleicht liegt dieses Gefühl aber auch einfach daran, dass ich kurz vor einer hitzebedingten Ohnmacht stehe.

Zurück im Hostel treffe ich David. Er hat es leider nicht nach Swakop geschafft. Der direkte Weg dorthin besteht nur aus Schotterpisten, denen sein Fahrrad nicht gewachsen war. Er hatte zudem tags zuvor einen Hitzschlag und hat sich letztendlich auf der Pritsche eines Pickups zurück nach Windhoek mitnehmen lassen. Er ist sich noch nicht sicher, wie es weitergeht.

Tag 5 – Von Namibia nach Botswana

Der Tag der Wahrheit. Meine Tour beginnt an einer schicken Lodge. Viele Holländer, ein paar Schweizer, ein Pärchen aus Brasilien, eine Australierin. Die meisten sehr jung, die meisten sehr laut. Fast auschließlich Mädels. Der Allrad-LKW, der uns als Fahrzeug dient, ist voll besetzt. Ein paar Leute sind krank, ein sehr blondes Mädchen kotzt hinter mir in eine Tüte, nur kurz nachdem wir losgefahren sind.

Beim Lunchstop beschleicht mich kurz das Gefühl, mit der Buchung dieser Reise einen großen Fehler begangen zu haben. Wirklich lustig mutet das hier alles nicht an. Wir schmieren uns auf dem zugemüllten Grünstreifen einer Tankstelle Brote. Normalerweise würde ich niemals eine solche Tour buchen, doch hier in Afrika machte das irgendwie Sinn. Und tatsächlich könnte ich das alles für diesen Preis nicht auf eigene Faust sehen. Abgesehen davon, dass ich dann alles selbst fahren müsste. „Geduld“, sage ich zu mir selbst.

Dusty, der Tour-LKW
Dusty, der Tour-LKW

Als wir die Grenze zu Botswana passieren, sagt unser Guide durchs Mikrofon: „Fruits are not allowed to bring. So make sure you hide them well.“ Ich denke bei mir: „T.I.A. – This is Africa….“

Ein Zettel an der Grenzstation entschuldigt die langen Wartezeiten, doch dafür geht es dann eigentlich recht schnell. Affen spielen vor dem offenen Gebäude Fangen und plündern die Mülltonnen.

Die nächsten Stunden über versuche ich zu schlafen. Doch ein Teil der holländischen Gruppe spielt über die Anlage des LKW eine Compilation der schlimmsten Musik der letzten Jahre. Dermaßen laut, dass die Lautsprecher dabei ächzen. Hinter und neben mir unterhalten sich drei der jungen Niederländerinnen in einer Lautstärke, die ich nicht mal mit meinen Kopfhörern zu übertönen vermag. Dazu das Schütteln des LKW, die unnachgiebige Hitze und dreiste Fliegen. Es gibt im Laufe des Nachmittags ein paar Momente, in denen ich kurz davor bin, handgreiflich zu werden. Nur eine halbstündige Meditation in meinem staubigen Sitz kann Schlimmeres verhindern.

Interessanterweise erklärt man uns neu Zugestiegenen auch bei der Ankunft am Campingplatz nichts. Ich leite mir daher alles selbst her durch eingehende Beobachtung der Anderen. Das Zelt baut sich schnell auf und für diese Nacht habe ich es sogar nur für mich. Vielleicht könnte das hier alles doch ganz nett werden.

Danach gehe ich laufen, mitten durch die Steppe. In Richtung der einzigen Straße weit und breit. Eine wirklich tolle Erfahrung. Hatte ich Schlangen, Spinnen und vielleicht sogar ein oder zwei Löwen erwartet, bin ich dann doch recht froh, nichts als ein paar ganz gewöhnliche Tauben zu erspähen. Und Horden von Fliegen, die mir ums Gesicht herumfliegen, bis ich fast ausraste. Dazu ist es so heiß und trocken, dass ich nicht mal wirklich schwitze.

Zum Abendessen gibt es ein Stew mit der hier allgegenwärtigen Beilage: Pap, ein recht fester, neutral schmeckender Brei aus Maismehl. Im Gegensatz zu den Anderen mag ich es recht gerne.

Danach eine Bushman-Show: Eine kleine Familie der hier traditionell lebenden ‚San‘ sitzt um ein Feuer, tanzt und singt uns ihre Lieder vor. Doch die Lieder ähneln einander sehr und das ungute ‚Zoo-Gefühl‘, dass sich bei solchen Aufführungen bei mir einstellt, trübt ein wenig das Vergnügen. Interessant jedoch sind die schrägen Rhythmen der Songs sowie die Klicklaute der Sprache, in der sich die San verständigen. Mehrere der Lieder, denen eine heilende Wirkung zugeschrieben wird, sind bestimmten Tieren des Buschs gewidmet.

Ich träume wieder sehr schräges Zeug. Das kann natürlich an den Malaria-Tabletten liegen. Oder aber schlicht daran, dass wir mitten in der offenbar sehr beseelten Wildnis schlafen. Die Geräuschkulisse jedenfalls ist beeindruckend. Man weiß gar nicht genau, welches Geräusch von einem Vogel und welches von einem Insekt stammt. Dazwischen vielleicht ein Brüllaffe oder ein Panther? Ich lausche lange, bevor ich einschlafe. Später in der Nacht wird es tatsächlich etwas kühl.

Tag 6 – Ins Okavango-Delta

Ich wache ohne Wecker um 5 auf. Der Busch beginnt zu leben. Ich mache eine Runde Yoga und mich danach schnell frisch in der Toilette, in der es vor Spinnen nur so wimmelt.

Dann gehe ich mit den Buschmännern vom Vorabend und fünf weiteren Touristen auf eine kleine Wanderung. Die ‚San‘ erklären, welche Wurzel man für welches Wehwehchen verwendet, auf welche Weise sie auch heute noch Tiere jagen, und wie sie mit ein paar Stöckchen ein Feuer in Gang bringen. Ihr Wasser trinken sie traditionell aus einem riesigen Straußenei.

San Buschmänner
San Buschmänner

Nach einem properen Frühstück sitzen wir dann wieder alle in Dusty, unserem japanischen Allrad-LKW. Doch diesmal ist die Fahrt kürzer und die Gruppe besser drauf. Es wird insgesamt weniger gekotzt und weniger geschrien. Und auch die Musik hat heute einen 80er Jahre Touch, mit dem ich doch deutlich besser klarkomme. Ich merke, dass ein paar meiner Mitreisenden eigentlich ganz nett sind.

Schon bald stelle ich jedoch fest, dass die Idee, dass ich so weit von zu Hause nicht mehr so oft an die erst neulich passierte Trennung von meiner Freundin denke, nicht aufgeht. Im Gegenteil: Seit ich auf dem afrikanischen Kontinent weile, denke ich noch viel mehr daran. Gerade die Fahrt im LKW lässt mich nonstop grübeln.

Nachdem wir mittags das Camp aufgebaut und etwas Kleines gegessen haben, geht es mit mehreren Flugzeugen auf einen Flug übers Okavango-Delta.

Die Landschaft mutet fast unwirklich an. Bis zum Horizont erstreckt sich das Netz aus Wasser des Okavango, der gerade sehr wenig Wasser führt. Dazwischen saftig grüne Inseln und hier und dort ein größeres Wasserloch. Aus den schmalen Fenstern des Sportflugzeugs sehen wir Horden von Elefanten, einige Giraffen, ein paar Nilpferde, Zebras und Antilopen. Wir fünf Passagiere sind völlig verzückt. Doch in der engen Kabine ist es fast unerträglich heiß; sogar dem neuseeländischen Piloten steht der Schweiß auf der Stirn. Dazu kommt noch ein heftiger Wind, der uns dermaßen durch die Luft wirft, dass wir bald alle grün anlaufen. Zum Ende des Fluges wünschen sich alle eine baldige Landung und drücken wie verzweifelt auf einen Akkupressurpunkt am Handgelenk, um den Einsatz der Kotztüten doch noch irgendwie zu vermeiden.

Blick aus dem Flugzeug aufs Okavango-Delta
Blick aus dem Flugzeug aufs Okavango-Delta

Zurück am Boden kaufen wir ein für die nächsten Tage in der Wildnis. Rum, wasserdichte Behälter, Snacks. Vor allem aber: Wasser. Jeder muss mindestens 10 Liter dabei haben, um überhaupt in den Park gelassen zu werden.

Am Abend trinke ich mit ein paar Leuten Cider an der Bar, Savannah Dry, ein wirklich leckeres und zugleich potentes Zeug. In der außergewöhnlichen Atmosphäre der hölzernen Bar auf Stelzen lerne ich einige Mitreisende endlich etwas besser kennen. Von Postern an der Wand schauen uns Tarzan und Jane zu und ich frage mich, ob die alten Tarzan-Filme wohl hier in der Gegend gedreht wurden.

Tag 7 – Zelten im Okavango-Delta

Wir stehen noch vor der Sonne auf. Umpacken in kleine Rucksäcke, schnelles Frühstück. Und schon sitzen wir auf zwei langen Bänken in einem sicher 40 Jahre alten Mercedes-Militär-LKW. Zwei Stunden lang schaukelt dieser uns von der kleinen Stadt Maun tief hinein ins Okavango-Delta. Vorbei an dornigen Sträuchern und großen Spinnennetzen in vertrocknet aussehenden Bäumen. Vorbei an kleinen Townships, in denen uns alle Menschen, jung wie alt, freundlich lächelnd zuwinken. Am momentan tief stehenden Wasser angekommen, laden wir das gesamte Gepäck um in einige Mokoros, traditionelle Boote, die sehr tief im Wasser liegen. Die sogenannten ‚Polers‘, mit langen Stäben bewaffnete Einheimische, manövrieren uns durch die engen Kanäle im Schilf, welche die Nilpferde nachts freitrampeln. Und da sehen wir auch schon eine Handvoll der nicht ungefährlichen Tiere ziemlich nah bei unserem Boot. Sie tauchen nur kurz auf und geben einen Warnton ab. Dann geht es wieder für bis zu sechs Minuten unter Wasser.

Poler im Okavango-Delta
Poler im Okavango-Delta

Unser Camp liegt auf einer Insel mitten im Delta. Bevor wir unser Equipment aufbauen, gibt es dort nichts als Grün.

Ein umgedrehtes Boot dient uns als Tisch. Die Toilette ist ein Loch in der Erde. Man rät uns zu Schuhen und Vorsicht. Es wimmelt hier nur so vor Giftschlangen – Mambas, Cobras, und noch ein paar andere. Dazu noch ein paar etwas weniger giftige Spinnen. „You step in one, you might lose your leg.“ Die Gruppe ist kurz sprachlos.

Nach einer Weile jedoch haben wir fast alle Warnungen vergessen und genießen die unglaubliche Ruhe und Ursprünglichkeit des Deltas. Um uns herum sirrt und schwirrt es. Knallgelbe Vögel tragen Halme in kleine Lehmbauten, die an Zweigen baumeln. Die Poler kochen unterdessen ein wenig Pap und einen Eintopf über einem offenen Feuer. Richtig schräg ist es, wenn man sich vor Augen führt, dass ganz in der Nähe Löwen, Elefanten und Panther herumliegen könnten. Bei denen hat sich jedoch sicherlich bereits herumgesprochen, dass die Insel momentan von ein paar bleichen Zweibeinern belagert ist.

Mittags planschen wir in einem ruhigen Seitenarm des Okavango, in dem es angeblich keine Krokodile gibt. Ich lerne gleich noch ein wenig, wie man mit dem Mokoro umgeht. Nach einem ersten Kentern lenke ich das flache Boot schon bald recht souverän durch die weißen Wasserlilien. Das lautlose Gleiten passt perfekt zur unberührten Natur des Deltas.

Am späten Nachmittag gehen wir auf einen langen Nature Walk und treffen direkt hinter einer kleinen Kuppe auf eine Herde Zebras. Danach begegnen wir noch ein paar Impalas und eine Menge unterschiedlicher Vögel. Es ist einfach unglaublich, durch diese wilde Natur zu wandern!

Kurz nach der Rückkehr ist unser Camp abgesehen vom schwachen Schein des Feuers völlig dunkel. In der Schwärze der Nacht verzehren wir leise mampfend Springbok-Steaks, die unser Koch Knowledge selbst unter diesen widrigen Bedingungen perfekt mariniert hat. Knowledge ist offenbar kein ungewöhnlicher Name unter den Christen hier. Andere heißen Justice oder Innocence. Knowledge ist ein wirklich toller Typ, der zu jeder Tageszeit ein Grinsen im Gesicht trägt. Ich habe das Gefühl, dass es neben seinen Kochkünsten nicht zuletzt seine positive Grundhaltung ist, die diese ganze Meute hier zusammenhält.

Nach dem Essen entferne ich mich ein Stück vom Camp und erblicke den beeindruckendsten Sternenhimmel seit langem. Damit nicht genug, umkreisen mich ganze Horden von Glühwürmchen!

Rhythmischer Gesang lockt mich und ein paar Andere ins Nachbarcamp. Die Poler singen für eine andere Gruppe traditionelle Lieder. Diesmal hat das Ganze nichts von Folklore, sondern fühlt sich sehr authentisch an. Die Lebensfreude und Musikalität der Bootsführer rührt mich fast zu Tränen.

Danach die Ansage zur Nacht: Sollte man in der Dunkelheit unbedingt raus aus dem Zelt müssen, sollte man sich zunächst vergewissern, dass nicht gerade eine Hyäne oder ein Löwe die Küche nach Essbarem durchkämmt. Alright, denke ich mir, und beschließe, das Zelt nicht vor Sonnenaufgang zu verlassen, koste es, was es wolle.

Tag 8 – Wildlife galore

Der Tag beginnt um 5, durch die Zweige sehe ich die Sonne über der Steppe aufgehen. Wir trinken Kaffee und essen Müsli, dann geht es auf einen weiteren, fast vierstündigen Nature Walk. Wir sehen wieder Zebras und ein paar Kudus, ansonsten ist es diesmal ruhig. Doch das langsame Gehen durch das hohe Gras hat für mich etwas wirklich Meditatives und ich genieße jede Minute.

Hoch in einem Baum hängen die Überreste eines Gnus. Offenbar hat es ein Leopard dort hoch geschleppt, damit es die Hyänen ihm nicht wegessen. Danach finden wir das Gerippe eines Elefanten. Besonders die Beinknochen sind beeindruckend.

Zwei mal müssen wir die Schuhe ausziehen und eine Art Moor durchqueren. Ich saue mich von oben bis unten zu.

Den heißen Nachmittag verbringen wir im Wasser mit Ballspielen. Die Poler sind dermaßen herzliche Menschen, dass das Ganze gleich noch mehr Spaß macht. Besonders Legos, Wadi und Timba habe ich längst ins Herz geschlossen. So geerdet, so durchweg positiv. Sie kommen aus einer Gemeinde in der Nachbarschaft und kennen das Delta wie ihre Westentasche. Mit das Tollste an der Erfahrung hier im Delta ist, dass sie die Pflanzen- und Tierwelt mindestens genauso zelebrieren wie wir Touristen.

Im Mokoro durchs Okavango-Delta
Im Mokoro durchs Okavango-Delta

Zum Sonnenuntergang fahren sie uns ein weiteres Mal in den Mokoros durch die Schilfkanäle. Am Ende sitzen wir alle auf einem verdorrten Baum, unterhalten usn gedämpft und blicken der sinkenden roten Scheibe noch lange nach.

Sonnenuntergang im Okavango-Delta
Sonnenuntergang im Okavango-Delta

Zurück im Camp ist der Aufruhr groß. Einer der Poler hat gerade einen Skorpion unter einer Schüssel gefangen. Die Tatsache, dass auch die Einheimischen ziemlich hektisch wirken, werte ich nicht als gutes Zeichen. Ich frage Legos, ob der Skorpion gefährlich ist. „Yes“, sagt er mit seiner in sich ruhenden Art und seiner tiefen Bassstimme. Ich frage: „Can you die?“. „Yes“, sagt er.

In einer nervenaufreibenden Prozedur schneidet einer der Poler dem Skorpion schließlich mit einem Buttermesser den Stachel ab, dann wirft er ihn zurück ins Gebüsch. Offenbar eine gängige Art, mit diesen gefährlichen Insekten umzugehen. Und doch hoffe ich, dass der Skorpion beim nächsten Mal nicht seine ganze Familie mitbringt.

Danach gibt es auch für uns eine Musik-Vorführung. Da ich abends zuvor schon gesehen habe, was dabei passiert, werde ich sofort in den ‚Froschtanz‘ miteinbezogen und falle dabei fast ins Feuer. Am Ende liegen wir alle einander in den Armen. Den Song ‚Two by two‘ werde ich wohl so bald nicht wieder vergessen, vom ‚Delta Anthem‘ ganz zu schweigen.

Unsere Poler
Unsere Poler

Tag 9

Wieder müssen wir extrem früh raus. Alles geht zurück auf die Boote, alles geht zurück zum Basiscamp. Umladen, schnelle Wäsche. Zu allem Überfluss habe ich heute auch noch Küchendienst.

Den Rest des Tages fahren wir wieder durch die Steppe, gemächlich und schaukelnd. Wieder hänge ich lange meinen Gedanken nach.

Der Campingplatz am Abend hat ein sehr schickes Restaurant aus tropischen Hölzern, in dem ältere Touristen in Tropenhelmen ihre Kohle verpulvern. Botswana ist ein überraschend teures Land.

Bei den Toiletten finde ich eine Informationstafel zu Skorpionen und deren jeweilige Gefährlichkeit. Unser Exemplar vom Vorabend zählt zu den tödlichsten Arten überhaupt…

Beim Kochen fliegen mehrmals riesige Käfer in unsere einzige Lampe. Aus der Entfernung hören wir die Laute größerer Tiere. Wirklich alles hier scheint zu leben!

Tag 10 – Chobe National Park

Schon um halb fünf weckt uns unser Guide Pascah. Die ganze Gruppe stolpert mit Stirnlampen durch den feinen Sand und verstaut die Zelte notdürftig im LKW. Dann fahren wir knapp vier Stunden, während derer fast alle pennen. Nur zwei der holländischen Mädels haben das große Bedürfnis, zwei Stunden lang lautstark zu quatschen. Sie sitzen neben mir…

Einmal stoppen wir kurz, da direkt am Strassenrand eine Handvoll Elefanten grast. Ein ander Mal bremst Pascah, um uns eine große Schlange zu zeigen, welche die Strasse überquert. Doch bevor wir uns umdrehen können, ist sie schon verschwunden.

Elefanten am Strassenrand in Botswana
Elefanten am Strassenrand in Botswana

Kaum angekommen, wird die Hälfte unserer Gruppe auch schon auf einen Toyota Land Cruiser umgeladen. Deswegen sind wir so früh gekommen: Ein ‚Game Drive‘ im Chobe National Park steht an.

Diese Spazierfahrt durch den Nationalpark ist jeden einzelnen Cent wert. Wir sind noch nicht richtig im Park, da sind wir schon von Elefanten umzingelt. Riesige, afrikanische Exemplare, gegen welche die mir vertrauten Thai-Elefanten geradezu klein wirken. Ganze 120.000 Stück gibt es in Chobe!

Elefanten im Chobe National Park
Elefanten im Chobe National Park

Danach Giraffen, Pumbas, Erdmännchen, Nilpferde, Gnus, Wasserbüffel, … Man kann kaum irgendwo hinsehen, ohne ein Tier zu erblicken! Dazu der malerische Chobe River, der sich durch ein grünes Tal schlängelt. Dahinter ein Himmel in magischem Blau.

Giraffe im Chobe National Park
Giraffe im Chobe National Park

Unser Guide weiß viel über die Tiere, doch Autofahren kann er leider nicht. Schon bald hat er sich festgefahren, der Geländewagen steht so schräg, dass er umzufallen droht. Wir müssen alle aussteigen. Und da stehen wir dann, 12 sonnenverbrannte Europäer mittendrin in der Elefantenherde. Und wer weiß schon, wo sich die Löwen und Panther heute so herumtreiben. Ein anderer Guide rettet uns aus der misslichen Situation und bringt den Toyota wieder in Normallage.

Blick über den Chobe River
Blick über den Chobe River
Wasserloch im Chobe National Park
Wasserloch im Chobe National Park

Am Nachmittag besteigen wir mitsamt einer Kühlbox voller Drinks ein zweistöckiges Boot. Mehrere Stunden lang cruisen wir den Chobe auf und ab, und haben so die Gelegenheit, die Tierwelt noch mal aus der anderen Perspektive zu sehen. Die Atmosphäre ist atemberaubend. Was aber natürlich auch am Rum liegen könnte, den wir uns becherweise in die Hälse kippen.

Nilpferde am Ufer des Chobe River
Nilpferde am Ufer des Chobe River

Diesmal sehen wir endlich auch die Nilpferde ganz aus der Nähe. Sie benehmen sich, als würden sie das große Boot neben ihnen gar nicht weiter wahrnehmen. Dazu gibt es noch Krokodile am Flussufer und Elefanten, die sich mit dem Wasser des Flusses erfrischen. Als die Sonne im Fluss versinkt, sind wir alle wie verzaubert. Und nun habe ich auch endlich das Gefühl, in ein paar meiner Mitreisenden neue Freunde gefunden zu haben.

Sonneuntergang über dem Chobe River
Sonnenuntergang über dem Chobe River

Tag 11: Victoria Falls, Simbabwe

Wieder geht es früh los. Das dritte Land des Trips steht auf dem Programm: Simbabwe. Die Grenz-Prozedur dauert hier ein wenig länger. Neben der Warteschlange hat man Bilder von Ebola-Patienten aufgeklebt, die aus den Augen und dem Gaumen bluten.

Schon kurz später sind wir in Victoria Falls. Zunächst geht es ins Activity Center, wo man uns Helikopterflüge, Bungee Jumps und Rafting-Touren verkaufen möchte. Doch die ganze Gruppe hat recht wenig Interesse und auch nicht mehr genug Kohle übrig. Interessanterweise kann man hier in Simbabwe in jeder Währung bezahlen, außer in der landeseigenen. Warum, das machen uns die vielen fliegenden Händler klar, die uns auf der Straße alte simbabwische Scheine andrehen wollen. Der größte Schein, der mir vor die Nase gehalten wird, entspricht sagenhaften drei Trillionen!

Danach geht es direkt zu den Fällen. Und tatsächlich wirken diese wie aus einer anderen Welt. Die Wassermassen, der Riss in der Landschaft, das satte Grün rundherum – ein einzigartiger Anblick! Man nennt sie auch die Angels Falls, denn zu Anfang dachte man, dass nur Engel eine solche Schönheit hervorbringen können. Wir laufen zwei Stunden lang von einem Aussichtspunkt zum nächsten und sind schon bald klatschnass von der Gischt. An jeder Ecke eröffnen sich neue Perspektiven.

Victoria Falls
Victoria Falls

Der Nachmittag vergeht wie im Flug am Pool des ziemlich luxuriösen Hotels, in dem wir untergebracht sind. Nach einer Woche in Zelten ist das Hotel eine wirklich willkommene Abwechslung.

Abends gibt es traditionelles Essen bei ‚Mama Africa‘, doch allen fallen schon vor der Nachspeise die Augen zu. Ich esse Biltong (getrocknetes Fleisch) in einer Erdnuss-Sauce. Ein interessantes Gericht, das ich jedoch so bald nicht wieder essen muss.

Abschiedsbild mit Gruppe
Abschiedsbild mit Gruppe

Später erfahren wir, dass sich an diesem Abend wohl noch ein paar Löwen mitten in die Stadt verirrt haben. Sie waren hinter einem Wasserbüffel her, ihrer Leibspeise…

Tag 12 – Devil’s Pool, Sambia

Sehr früh überqueren wir zu Fuß die Grenzbrücke zu Sambia. Denn zum Abschluss der Reise wagen wir uns in den ‚Devil’s Pool‘. Startpunkt ist ein teures Hotel mit unglaublichem Blick über den Zambezi und die Wasserfälle, von dort aus geht es per Boot zu einer Insel direkt an der Kante der Victoria-Fälle. Als wir dann schließlich in die mächtigen Fluten hineinspringen, ist mir doch etwas mulmig zumute. Doch als wir ein paar Minuten später direkt vorne an der Kante sitzen, gewinnt die Euphorie die Oberhand, auch wenn ein paar Fische an meinen Fußsohlen knabbern. Als wäre das Universum mit uns, entsteht im gleichen Moment ein Regenbogen in der Gischt der Fälle. Ein unbeschreiblicher Moment!

Devil's Pool, Victoria Falls
Devil’s Pool, Victoria Falls

Mittags erkunde ich das kleine Dorf und bin froh, endlich mal alleine unterwegs zu sein. Ich kaufe zu viele, und vermutlich auch zu teure Souvenirs, doch mir bleibt keine andere Wahl. Besonders die Tiere aus Draht und Perlen haben es mir angetan.

Das 1904 erbaute Victoria Falls Hotel ist ein Ort, den man gesehen haben muss. Im weitläufigen Garten mit atemberaubendem Blick auf die außergewöhnliche Brücke, die Sambia und Simbabwe verbindet, treffe ich den Hotelangestellten George, der mit einem Gewehr bewaffnet aufmüpfige Paviane vertreibt. Er erzählt mir, dass die cleveren Tiere jedoch schon wieder zurückkommen, sobald er um die nächste Ecke gebogen ist. „I go around and around…“

Die Brücke zwischen Sambia und Simbabwe
Die Brücke zwischen Sambia und Simbabwe

Im Hotel selbst wird man schnell ehrfürchtig. Inmitten der dunklen Tropenhölzer, Vorleger aus Zebrahaut, Trophäen von Wildtieren und antiquierter Möbel fühlt man sich um Jahrhunderte zurückversetzt. Fast erwartet man, dass der Entdecker der Fälle, David Livingstone, im Zigarrenzimmer sitzt und Karten vermisst. Ein Kellner merkt mir meine Verzückung an. Alles, was er mit einem breiten Lächeln zu mir sagt, ist: „Welcome to Africa!“ 

Ich bin längst da!

Nachtrag: Hier geht es zu Teil 2 meines Tagebuchs. Und hier zum ersten Video der Reise.

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