Die sanfte Art des Heilens – Ayurveda

One of the few chances in India for silence

Ayurveda ist eine sehr alte, traditionelle Heilkunst Indiens. Schon seit einiger Zeit hat auch der Westen ihre Vorteile erkannt. Eine der Theorien des Ayurveda etwa ist, dass man in seiner unmittelbaren Nähe immer eine Pflanze finden kann, die jede mögliche Krankheit heilt. Doch auch abseits der Wirkung von Pflanzen geht Ayurveda das Thema Heilung eher ungewöhnlich an. Grundsätzlich versucht man Krankheiten zunächst anhand der Ernährung und der Psyche zu heilen, dann anhand der Gewohnheiten. Erst wenn das alles nicht hilft, kommt Medizin ins Spiel. Und diese ist immer komplett auf pflanzlicher Basis hergestellt.

Dazu kommt noch, dass jeder Mensch unterschiedlich behandelt wird, nämlich entsprechend seines jeweiligen Körpertyps, der hauptsächlich von der Mischung der Lebensenergien Vata, Pitta und Kapha geprägt wird. Da könnten sich Schulmediziner im Westen eine Scheibe von abschneiden!

Da das alles zu gut klang, ich mich mitten im Heimatland des Ayurveda befand und leider immer noch mit ziemlich üblen Hautproblemen zu kämpfen hatte, entschloss ich mich, einen Tag im Ayurvedic Natural Health Centre in der Nähe von Calangute in Indiens kleinstem (und vielleicht schönstem) Bundesstaat Goa zu verbringen.

Ayurvedic Natural Health Centre
Ayurvedic Natural Health Centre

Mein Ayurveda-Tag:

Mühsam um 5 Uhr aus dem Bett geschält, machte ich mich auf in Richtung Süden: Eineinhalb Stunden mit dem Moped von Arambol, einem Strand im Norden Goas an, den Rucksack zwischen meine Beine geklemmt, die meiste Zeit im Dunkeln dahinknatternd. Die Anreise in aller Herrgottsfrühe hatte den Vorteil, dass man wenigstens keinem der russischen Helldriver begegnete, die den ohnehin schon katastrophalen Verkehr Goas um eine weitere Gefahr bereicherten.

Nach der Ankunft in Calangute dann erst mal lange Yoga. Der Lehrer wirkte zwar etwas unambitioniert, doch die Asanas taten sehr gut und ich wachte langsam auf. Wir waren etwa zehn Leute auf den vergilbten Yogamatten. Ein paar von meinen Mitstreitern hatten ganz offensichtlich noch nie Kontakt mit Yoga gehabt. Respekt dafür, dass sie es nun trotzdem probierten.

Danach folgte die Konsultation mit einer Ärztin. Die junge Inderin war sehr nett und nahm sich eine Menge Zeit für mich. Abgesehen davon war sie auch noch wahnsinnig hübsch. Sie erklärte mir zunächst den Ablauf des Tages und sagte dann, dass wir uns nach der Behandlung wiedersehen würden.

Danach begab ich mich in den Testraum, wo man mir Blut und eine Urinprobe abnahm. Mittlerweile hatte ich ziemlichen Hunger, doch es war für die Behandlung wichtig, komplett nüchtern zu erscheinen. Ich musste also noch ein paar Stunden durchhalten.

Doch dann kam der beste Part, der mich meinen leeren Magen erst mal komplett vergessen ließ: die Behandlung selbst. Zunächst erhielt ich eine fast zweistündige Abhyanga-Massage, ausgeführt von zwei kräftigen Männern, also vier starken Händen. Es war fantastisch, vielleicht die beste Massage, die ich je hatte! Zum Einen, da die Beiden wirklich ordentlich zulangten. Zum Anderen, da man bei vier Händen nie wirklich genau wusste, wie einem gerade geschah. Ich merkte jedoch nach einer Weile, dass immer wieder dieselben Punkte besonders intensiv behandelt wurden. Die beiden gutgelaunten Inder erklärten mir, dass diese Energiepunkte zunächst ‘geöffnet’ werden mussten. Denn kurz später kamen dann kleine Säckchen mit Kräutern ins Spiel, die man vorher in heißem Dampf aufgewärmt hatte. Mit diesen behandelten die Therapeuten dann genau jene Punkte, auf dass die Wirkstoffe der ayurvedischen Kräuter in den Körper eindringen und dort ihr Wunderwerk vollbringen konnten.

Shirodhara
Shirodhara

Nach der Massage konnte ich mich kaum mehr bewegen. Trotzdem fühlte ich mich so leicht wie nie zuvor. Es fühlte sich an, als wäre nicht mehr die kleinste Verspannung in meinem Körper. Direkt im Anschluss kamen die beiden dann zum zweiten Programmpunkt, bei dem es deutlich ruhiger zuging. Ich wurde neu platziert, warm zugedeckt, und auf meine Augen legte man nun dicke Kompressen. Für die nächsten 20 Minuten rann aus einem Tontopf warmes Öl über meine Stirn, mal schneller, mal langsamer seine Bahn ziehend. Nach ayurvedischer Auffassung beruhigt dieser sogenannte Shirodhara das gesamte vegetative Nervensystem, harmonisiert den Geist und gleicht aus. Ich persönlich empfand den nie versiegenden Ölfluss als eine außergewöhnliche Empfindung, wie eine sehr subtile Massage. Das Öl-Rinnsal regte zudem sehr ungewöhnliche Gedanken an.

Danach bat man mich zum dritten Teil der Behandlung und ich fragte mich, ob es noch besser werden konnte. Man platzierte mich in einer kleinen Holzbox in der Ecke des Zimmers, aus deren Boden heisser Dampf strömte. Ein Schwitzkasten! Nur mein Kopf schaute oben heraus. Denn nun galt es, so viele Giftsstoffe wie möglich aus dem Körper zu schwemmen. All das, was in der vorangegangenen Massage gelöst worden war. Die 20 Minuten in der Box entpuppten sich als ziemlich anstrengend, fühlten sich aber auch sehr befreiend an.

The sweat box
The sweat box

Danach war ich endgültig erledigt. Doch nun gab es endlich etwas zu essen, natürlich auch hier nur mit ausgewählten Zutaten und komplett vegetarisch. Leider muss ich sagen, dass viele der Speisen am Buffet auf der Dachterrasse recht fad schmeckten. Das kann jedoch auch an meinem Magen gelegen haben, der nicht ganz in Ordnung war. Ich hatte mich gerade erst von meinem dritten ‘Delhi belly’ (verdorbenem Magen) in knapp zehn Tagen erholt. Und so ass ich alles in allem nicht viel. Nach dem Essen konnte ich nicht mal mehr denken, und so legte ich mich für ein kurzes Schläfchen in die Yoga-Halle nahe des hübschen Pools, der den Gästen vorbehalten war, die hier mehrere Tage am Stück verbrachten.

The pool inside the centre
The pool inside the centre

Dann folgte das zweite Gespräch mit der Ärztin. Anhand vieler ungewöhnlicher Fragen zu meinen Gewohnheiten und meiner Konstitution versuchte sie herauszufinden, welcher Körpertyp ich bin – offenbar eine Mischung aus Pitta und Kapha. Daraufhin ging sie mit mir Blut- und Urinwerte durch und wies mich in einem langen Gespräch darauf hin, welche Speisen gut und schlecht für mich sind und welchen Aktivitäten ich mich hingeben sollte und welchen besser nicht. Manche Dinge leuchteten sofort ein, andere überraschten mich und ich nahm mir vor, den Empfehlungen für eine Zeit lang zu folgen.

Für meine Hautprobleme empfahl sie mir eine mehrtägige Reinigung mit speziell dafür ausgesuchten Kräutern, viel Yoga und entsprechenden Behandlungen. Doch dafür hatte ich leider erst mal keine Zeit. Daher verschrieb sie mir noch ein paar Pillen und Säfte, alle aus Pflanzen hergestellt, versteht sich.

Dhanvantari, the god of Ayurveda
Dhanvantari, the god of Ayurveda

Ich schaffte es auf meinem Moped gerade noch bis ins neun Kilometer entfernte Panjim. Dann musste ich mich meiner Erschöpfung ergeben. Ich schlief 12 Stunden lang durch.

In den darauffolgenden Tagen bildeten sich am ganzen Körper kleine Pusteln, so als wollten eine Menge unschöner Dinge meinen Körper verlassen. Doch abgesehen davon fühlte ich mich so frisch und energiegeladen wie schon lange nicht mehr. Fast würde ich sagen ‘wie ein neuer Mensch’, wenn es nicht so abgedroschen klingen würde!

Drei Wochen später dann war meine Haut besser als im ganzen letzten Jahr. Und das ganz ohne Chemie und Antibiotika!

Fazit:

Ich kann eine ayurvedische Behandlung nur jedem ans Herz legen! Und das nicht nur, wenn man sich krank fühlt. Alleine die Massage ist ein echtes Highlight! Für den oben beschriebenen Tag musste ich knapp 80 Euro hinblättern, was zwar nicht ganz billig ist, aber letztendlich doch sein Geld wert.

Ist man gerade nicht in Indien und kann keinen Ayurveda-Ort ausfindig machen, gibt es jedoch auch eine Menge Literatur zum Ayurveda, besonders, was die ayurvedische Ernährung angeht, die ein Herzstück des ganzen Konzepts darstellt. Hier ein Standardwerk:

Geschrieben von
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