Luzides Träumen: “Die Wachwirklichkeit ist ein super Trainingsfeld!”

Ich habe vor kurzem schon einmal vom Träumen geschrieben. Denn dieses Thema fasziniert mich nachhaltig. Besonders interessant ist dabei, dass das Träumen noch immer nur wenig erforscht ist. Und das, obwohl 7,5 Milliarden Menschen es Nacht für Nacht tun!

Indianischer Traumfänger
Indianischer Traumfänger

Doch innerhalb des ohnehin schon faszinierenden Themas gibt es einen noch spannenderen Bereich:

Luzides Träumen

Ein luzider Traum oder Klartraum ist ein Traum, in dem man sich bewusst ist, dass man träumt. Somit kann man jedes Detail des Traums wahrnehmen und später im Wachzustand dann auch erinnern. Ist man voll-luzid, weiß man beim Träumen sogar, wo sich der schlafende Körper befindet. Und in der nächsten Instanz kann man dann sogar die Traumgeschichte bewusst steuern.

Luzides Träumen kennt man aus ganz alten Kulturen, beispielsweise tibetische Mönche blicken auf jahrtausendealte Erfahrungen zurück. Zum ersten Mal ins öffentliche Bewusstsein gespült wurde das Phänomen mit den Büchern von Carlos Castañeda.

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Schon einige Jahre beschäftige ich mich mit diesem Phänomen. Und doch habe ich noch immer nicht einen einzigen luziden Traum gehabt. Ein paar mal war ich kurz davor, wachte dann aber leider auf. Und so beschloss ich, dieses faszinierende Thema einmal professioneller anzugehen. Ich besuchte einen Einführungs-Workshop der bezaubernden Alice von Alice im Wachtraumland, deren zahlreiche Videos jeden erdenklichen Tip zum luziden Träumen bereithalten, und die ich schon seit Jahren aufsog wie ein Schwamm. Dieser Workshop dient nur als Einstieg in die projektive Traumarbeit, bei der man sich wöchentlich mit einer Gruppe trifft und die Träume aller bespricht. Damit geht es für mich im September los und ich freue mich schon jetzt! Doch auch in der kurzen Einführung gab es bereits einiges zu lernen.

Warum luzides Träumen?

Die Workshop-Teilnehmer gaben da sehr unterschiedliche Antworten. Dem einen ist es wichtig, seine Alpträume unter Kontrolle zu bringen. Ein Anderer möchte verstehen, warum dieser eine bestimmte Traum immer wiederkehrt. Ein Spiele-Entwickler möchte sich im Traum Inspiration für neue Spiele holen. Und manche wollen einfach nur bewusster an ihren Träumen teilhaben sowie im Traum Dinge tun, die in der Wachrealität nicht oder nur bedingt möglich sind. Bei mir ist es eine Mischung aus alledem sowie eine generelle Faszination daran, dass es eine zweite Realität neben der uns bekannten gibt.

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Was ich persönlich unbedingt öfter im Traum erleben möchte: Fliegen und sich verlieben! Das Eine ein Ding der Unmöglichkeit in der Wachrealität, das Andere doch eher selten, es sei denn man ist ein Teenager.

Wie kommt man zum luziden Träumen

Manche Menschen haben eine natürliche Gabe, luzid zu träumen. Für diese ist das eine völlig normale Sache. Für alle Anderen gibt es eine Menge Techniken, um schließlich zu einem luziden Traum zu kommen. Hier eine Auswahl:

  • Traumtagebuch führen: Hierfür sollte man morgens als erstes Stift oder Laptop zur Hand nehmen und alles aufschreiben, woran man sich erinnern kann. Und das am besten so detailliert wie möglich! Nach und nach schult man auf diese Weise sein Gedächtnis und sensibilisiert das Unterbewusstsein dafür, mehr Aufmerksamkeit auf Träume zu legen. Außerdem lassen sich so Traumzeichen besser erkennen:
  • Traumzeichen: Liest man sich seine Aufzeichnungen später durch, so lassen sich oft wiederkehrende Motive erkennen. Außerdem entdeckt man Dinge, die so einfach nur in einem Traum passieren können (etwa: eine Frau mit 3 Augen). Diese Dinge prägt man sich sodann gut ein, denn tauchen sie das nächste mal im Traum auf, dann kann man diesen unter Umständen sofort als solchen erkennen.
  • Projektive Traumarbeit: Wir haben eine solche Sitzung mal mit Alice durchgespielt. Einer erzählt seinen Traum, die Anderen hinterfragen diesen und denken sich mögliche Szenarien aus, wie der Traum weitergeht. Auch hierdurch wird der Geist stärker für Träume im Allgemeinen, besonders aber auch für luzide Träume sensibilisiert. Tatsächlich findet man durch den Input der anderen Teilnehmer auch oft ganz neue Wege, Träume zu hinterfragen und sich über ihren Zweck klar zu werden.

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Das vielleicht wichtigste Werkzeug: Realitäts-Checks

Es geht ja letztendlich darum, im Traum zu merken, dass man träumt. Wie gesagt, passiert das bei manchen Menschen tatsächlich ganz von alleine. Doch bei allen Anderen ist es eigentlich nur damit zu erreichen, dass man den Moment hinterfragt. Hierfür trainiert man in der Wachwirklichkeit, indem man mehrmals am Tag hinterfragt, ob das, was man gerade erlebt, auch wirklich im Wachzustand stattfindet, oder nicht doch ein Traum sein könnte. Da einige Dinge im Traum nicht möglich sind, oder aber eben nur im Traum möglich, gibt es ein paar Fragen und Handlungen, die schnell Licht ins Dunkel bringen können:

  • Wie bin ich hierher gekommen?
  • Funktionieren alle meine Sinne?
  • Ist alles logisch um mich herum? Hier kann man auch die Traumzeichen heranziehen.
  • Steht auf einem Schild immer noch dasselbe, wenn ich kurz weg- und dann wieder hinschaue? Wenn nicht, stehen die Chancen gut, dass es ein Traum ist!
  • Kann ich die Zeit auf einer digitalen Uhr lesen? Das geht (seltsamerweise) nur in der Wachrealität!
  • Wie viele Finger habe ich? Und beim zweiten Hinsehen?! Sind es 11 oder mehr, befindet man sich sehr wahrscheinlich in einem Traum!
  • Wenn ich etwas in die Luft werfe, fällt es dann runter oder kann ich es mit meinen Gedanken einfach in der Luft stehenlassen? So etwas geht in einem Traum mitunter ganz leicht.
  • Bekomme ich Luft, wenn ich mir Mund und Nase zuhalte? Im Traum durchaus möglich!

Es gibt von diesen Techniken noch viele mehr, das Internet ist voll von Tips. Es ist wichtig, dass man sich selbst eine persönliche Kombination von RCs (Realitäts-Checks) zusammenstellt und diese dann routiniert ausführt. Es kann dabei helfen, sich dafür einfach die Weckfunktion des Telefons einzustellen.

Auch wenn man sich am Tag noch so sicher ist, dass man gerade eben nicht träumt, und sich eventuell bescheuert vorkommt, das zu hinterfragen, so sollte man doch dran bleiben. Denn es geht um die Gewöhnung! Hat man sich angewöhnt, diesen Check zum Beispiel einmal stündlich auszuführen, dann stehen die Chance gut, dass man ihn tatsächlich auch beim Träumen ausführt. Und zack – weiß man, dass man träumt!

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Ein Satz, den Alice sagte und der ganz gut die Wichtigkeit veranschaulicht, die sie dem Träumen in ihrem Leben einräumt: “Die Wachwirklichkeit ist ein super Trainingsfeld!”

Wenn man dann luzid ist

Das Gefühl, wenn man luzid wird, kann sehr intensiv sein. Man sollte sich davon nicht übermannen lassen, denn dann wacht man ziemlich schnell auf. Den meisten Menschen geht das am Anfang so. Man muss daher zum Einen aufpassen, dass man sich nicht zu sehr von der Euphorie mitreissen lässt, die unweigerlich zum Aufwachen führt. Zum Anderen sollte man nicht sofort alles machen, was man sich für den Fall eines luziden Traums vorgenommen hat. Man sollte es langsam angehen lassen.

Was gibt es noch?

Tatsächlich kann man sich auch aus dem Wachzustand direkt in einen luziden Traum bringen. Wenn man es denn kann. Hierzu kann ich aber noch nicht viel sagen.

Mehr Informationen

Auch wenn Alice momentan mehr mit polyphasischem Schlafen als mit luzidem Träumen beschäftigt ist, so sollte man doch zu ihr gehen, wenn man mehr über dieses faszinierende Phänomen erfahren möchte! Hier noch mal ihre Seite, auf der man einige Stunden lang stöbern kann.

Wer sich erst mal filmisch dem Thema annähern möchte, sollte sich noch mal Inception anschauen, vor allem aber den grandiosen Linklater-Film Waking Life!

Sweet dreams allerseits!

Geschrieben von
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6 Kommentare

  • Sehr interessantes Beitrag :D. (Hat mir gut gefallen)

    Habe mich auch schon mehrfach über dieses Thema schlau gemacht und einige Stunden wenn nicht Tage damit verbracht.
    Selbst bin ich auf dieses Thema gestossen da ich ab und zu Deja-Vu’s habe, das heisst ich Träume etwas bestimmtes, doch wenn ich morgens aufwache weiss ich nicht mehr genau was ich geträumt habe. Allerdings kann ich mich noch an einen Traum erinnern. auch wenn nur leicht. Dann einige Monate später vielleicht 2 oder 3 geschieht genau diese Szene in der Realität die ich einige Monate zuvor bereits in meinem Traum erlebt habe.

    Vielleicht weiss jemand mehr darüber, würde mich interessieren. :D.

    PS: mach weiter mit deinem Blog vorallem die Europa Reisen gefallen mir sehr gut. würde gerne etwas Unternehmen in den nächsten Ferien, allerdings ist die auswahl und mein Vorhaben so riesig das ich mich nicht entscheiden kann :D

    • Danke, Cyril! Ich habe tatsächlich in meiner kurzen Einführung auch nach Deja-Vus gefragt, da auch mich diese ab und an ereilen und mich das Phänomen sehr fasziniert. Alice vertritt die Ansicht (wenn ich alles richtig erinnere), dass Deja-Vus nur die Bestätigung von präkognitiven Träumen in der Wachwirklichkeit sind. Sprich: Du träumst tatsächlich die Zukunft voraus, die sich dann irgendwann auch so ereignet. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich das glauben will. Doch gerade das macht die Sache noch spannender!
      Was Deine Reise angeht: Wirf’ doch mit verbundenen Augen einen Dartpfeil auf ‘ne Weltkarte. Wo er landet, da fährst Du dann hin! ;-) Ehrlich gesagt, ich glaube, so mache ich das vor der nächsten Reise auch!
      Safe travels,
      Marco

  • Hallo,
    das hört sich alles sehr interessant an.
    Es gibt so viel mehr, was uns umgibt, aber was wir nicht verstehen.
    Vielleicht ist das aber auch besser so? Ich weiß es nicht.

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