Rhein Road Trip – Von der Mündung bis zur Quelle

San Bernardino

Vor einigen Jahren führte mich ein Job auf einen fantastischen Road Trip: Den kompletten Rhein entlang, von der Mündung in Holland bis zur Quelle in der Schweiz! Noch besser: Ich musste für die Doku einer walisischen Produktionsfirma die Strecke gleich zwei mal abfahren. Einmal zum Locations scouten, und einmal zum Filmen mit der Crew!

Ich kann diesen Rhein Road Trip wirklich nur jedem ans Herz legen. Man bekommt wundervolle Orte in sechs Ländern zu sehen, lernt viel über europäische Geschichte und kann in die vielen Legenden eintauchen, die sich um Europas wichtigsten Fluss ranken.

Mein Tipp: Im Frühherbst losziehen. Wenn alles bunt ist, wird der Trip gleich noch viel schöner!

Hafen Rotterdam – Europoort

Europoort: Die Brücke von Rotterdam, große Kähne und ein grandioser Ausblick nach 16 Kilometern
Europoort: Die Brücke von Rotterdam, große Kähne und ein grandioser Ausblick aufs Meer nach 16 Kilometern Autofahrt

Es geht los im hohen Norden Hollands. Der Europoort ist Teil des Rotterdamer Hafens, der bis 2004 als der größte Seehafen der Welt galt. Man sollte dieses gigantische Areal unbedingt besuchen! Bis auf die Firmengelände und Anlegestellen ist der größte Teil des Hafens frei zugänglich. Um an die äußerste Spitze des Hafens zu gelangen, muss man erstaunliche 16 Kilometer innerhalb des Hafens zurücklegen! Und dort sieht man dann, wie der Rhein sich mit der Nordsee vereint. Ein toller Auftakt!

Was gibt es noch zu sehen? Riesige Tanker, riesige Werften, riesige LKW. Alles im Europoort ist gigantisch!

Europoort-Romantik
Europoort-Romantik

Hat man noch etwas mehr Zeit, dann sollte man sich noch einer Führung im Trainings-Center von Falck Risc anschließen. Diese ungewöhnliche Firma ist spezialisiert auf Industriebrände, gerne auch mit Benzin, Öl oder Chemikalien. Und das natürlich alles noch im Kontext Hafen, sprich Boote, Wasser, Speicher, etc. .

Hier kann man live erleben, wie solche Brände gelöscht werden. Oder sich im warmen Pool aus einem simuliert gesunkenen Boot befreien lassen. Wirklich spannend!

Falck Risc: Trainieren für die Havarie
Falck Risc: Trainieren für die Havarie

Rotterdam

Sind wir ehrlich: Rotterdam hat jetzt nicht so viel zu bieten. Aber zumindest entlang des Wassers ist es nett. Und deswegen sind wir ja auch hauptsächlich hier: Um den Rhein zu beobachten, diesen mächtigen Fluss, der während dieses Trips im besten Fall zu einer Art Freund wird.

Zwei Dinge möchte ich trotzdem empfehlen: Die riesige Markthalle für gastronomische Spezialitäten. Und die Firma Splashtours, mit deren Amphibienfahrzeugen man zunächst zu Land und dann im Wasser des Rheins unterwegs ist!

Auch noch erwähnenswert: In Rotterdam gibt es einige Restaurants mit karibischen Spezialitäten, zu erklären durch die ehemalige Kolonie Surinam. Sehr fettig, sehr lecker!

Rotterdam im Morgengrauen
Auf jeden Fall schön: Rotterdam im Morgengrauen

Arnhem

Weiter geht es in Richtung Süden. Du wirst feststellen, dass man nicht immer direkt entlang des Rheins fahren kann. Das ist zwar schade, aber auch kein Weltuntergang. Denn weiter südlich bekommst Du davon noch mehr als genug.

In Arnhem sollte man kurz stoppen, um sich die berühmte Brücke aus dem gleichnamigen Film über die verheerende Schlacht im Zweiten Weltkrieg anzuschauen. Auch sonst ist das gemütliche Arnhem einen Besuch wert.

Arnhem und Nijmegen
Arnhem mit seiner berühmten Brücke

Römerstadt Xanten

Weiter geht’s, den Rhein entlang. Na, gewöhnst Du Dich schon an das Fahren und das ewige Ausschauhalten nach dem großen Fluss? Gut so!

Nächster Stopp auf der Tour ist die Römerstadt Xanten, die erste Station in Deutschland. Die kleine, über 2000 Jahre alte Stadt selbst ist schnuckelig, vor allem lohnend ist aber der Archäologische Park, ein weitläufiges Freilichtmuseum.

Xanten
Xanten: Rhein in Reinform und römische Ruinen

Duisburg

Nun entfernen wir uns langsam aus den dünnbesiedelten Gebieten und gelangen in eine der bebautesten Regionen Deutschlands. In Duisburg lohnt sich ein Abstecher zum Innenhafen, aber auch eine kleine Tour entlang der großen Werften sowie zur Ruhrmündung. Gerade an den Werften mit all ihrem Stahl und Russ kann man sich eine gute Vorstellung von der damaligen Härte der Arbeitswelt hierzulande machen.

Duisburg Innenhafen
Duisburg Innenhafen

Besonders toll ist der Landschaftspark Duisburg, gerade um zu verstehen, wie diese Region noch vor nicht allzu langer Zeit tickte. Der Landschaftspark ist ein stillgelegtes Hüttenwerk, das aufgrund einer Bürgerinitiative nicht abgerissen wurde. In zehn Jahren Arbeit wurde die ‚Hütte‘ zu einem Natur-, Landschafts- und Kulturpark umgewandelt, in den die alten Bauten integriert wurden. So kann man heute etwa Hochofen 5 für eine tolle Aussicht besteigen, in einem Biergarten eine Pause vom Joggen einlegen oder nachts die Lichtinstallation von Jonathan Park bestaunen. Oder aber man geht einfach tauchen im ehemaligen Gasometer – auf dem Grund des Beckens liegt sogar ein Schiff, das man erkunden kann!

Gasometer Duisburg
Industrieromantik par excellence: Gasometer im Landschaftspark Duisburg

Düsseldorf

Düsseldorf präsentiert sich natürlich ungleich schicker als Duisburg. Die berühmte Einkaufsstrasse Kö kennt wahrscheinlich jeder. Viel spannender jedoch fand ich den Medienhafen mit seiner Mischung an sehr ungewöhnlicher Architektur. Auf einer kleinen Halbinsel im Rhein gibt es hier auch eine tolle Strandbar zu entdecken.

Düsseldorf Medienhafen
Düsseldorf Medienhafen

Köln

Spätestens in Köln sollte man eine längere Pause einlegen. Es gibt hier viel zu sehen und die Kölner sind ein wirklich freundliches Völkchen.

Unbedingt anschauen: Dom, Rathaus und die romantischen Kirchen. Für Rhein-Interessierte wie uns lohnt sich hier natürlich auch ein Ausflug auf einem der Schiffe. Abends dann einkehren auf ein paar Kölsch und sich an der Gastfreundschaft der Rheinländer erfreuen!

Köln
Köln

Brücke von Remagen

Langsam, aber sicher wird es etwas hügeliger am Flussufer. Und, wie versprochen, geht es nun auf weite Teilen direkt entlang des großen Stroms.

In Remagen lassen sich noch die Überreste jener berüchtigten Brücke begutachten, die im Zweiten Weltkrieg eine große Rolle spielte. Wie alle Brücken über den Rhein versuchte man damals, auch diese zu sprengen, um die Alliierten noch eine Weile aufzuhalten. Die Brücke bei Remagen jedoch gab nicht nach, wodurch die Truppen schnell nach Osten vorstossen konnten. Erst ein paar Tage später fiel die Brücke schließlich in sich zusammen.

Die Brücke von Rehmagen
Viel ist nicht mehr übrig: Die Pfeiler der Brücke von Remagen

Koblenz und das Dreiländereck

So langsam lässt sich erahnen, dass der Rhein noch einige landschaftliche Überraschungen auf Lager hat. Hier in Koblenz, am Zufluss der Mosel jedenfalls, ist es wirklich schön. Besonders lohnenswert ist der Ausblick auf die beiden Flüsse sowie das Deutsch Eck von der Festung Ehrenbreitstein.

Das Deutsche Eck selbst mit seinem markanten Kaiser-Wilhelm-Denkmal sollte man ebenfalls nicht verpassen.

Deutsches Eck und Festung Ehrenbreitstein
Rhein und Mosel, Deutsches Eck und Festung Ehrenbreitstein

Boppard und die Rheinschleife

Eine Laune der Natur lässt den Rhein bei Boppard einmal komplett die Richtung wechseln, was einer perfekte Hufeisenform zur Folge hat. Am schönsten lässt sich dieses ungewöhnliche Schauspiel betrachten, wenn man sich zu Fuss oder per Sessellift auf den Gipfel des angrenzenden Hügels begibt. Ganz oben gibt es auch eine gemütliche Gaststätte.

Boppard
Boppard

Romantischer Rhein

Auf den Reiseplänen vieler Deutschland-Touristen steht direkt neben dem Schloss Neuschwanstein der sogenannte Romantische Rhein. Erblickt man kurz nach Koblenz das erste Schloss und dann in jeder malerischen Biegung ein weiteres, dann kann man schnell verstehen, warum das so ist. Zwischen Koblenz und Rüdesheim bietet der Rhein wirklich einen permanenten Augenschmaus. Einzige Enttäuschung jedoch ist wohl die Loreley, denn außer einem Felsen gibt es dort nicht viel zu sehen.

Romantischer Rhein
Romantischer Rhein: Burgen und Schlösser bis zum Abwinken

Viele der Schlösser und Burgen kann man besichtigen. Ein paar davon sollte man definitiv sehen. Toll ist es nämlich auch besonders, von oben zu verstehen, dass die Region eigentlich weitgehend flach ist, der Rhein aber hier im Laufe von Millionen von Jahren eine tiefe Kerbe in das Hochplateau hineingefräst hat. Unten am Rheinufer jedoch fühlt man sich stets wie im Gebirge.

Romantischer Rhein
Der romantische Rhein im Sonnenuntergang

In dieser Gegend kann man auch toll direkt am Flussufer zelten. Alle paar Kilometer gibt es hierfür Campingplätze.

Nicht verpassen: Die vielen Privatleute, die am Wegesrand geräucherte Fische aller Art verkaufen. Sehr delikat!

Spätestens jetzt ist die Zeit für eine Bootsfahrt gekommen
Spätestens jetzt ist auch die Zeit für eine Bootsfahrt gekommen. Denn so lassen sich die idyllischen kleinen Dörfer am Ufer noch mal aus einer ganz anderen Perspektive bestaunen.

Rüdesheim und das Niederwalddenkmal

Da man sich die letzten Kilometer notgedrungen linksrheinisch bewegt hat, sollte man in Bingen eine Autofähre ans andere Ufer nehmen. Das Übersetzen auf der Fähre ist für sich schon eine Attraktion. Auf der anderen, hessischen Seite angekommen gibt es zunächst das monumentale Niederwalddenkmal zu besichtigen. Von hier aus hat man auch einen fantastischen Blick auf den Rhein.

Niederwalddenkmal
Niederwalddenkmal

Danach sollte man, den Touristenhorden zum Trotz, noch eine Tour durch Rüdesheims Altstadt unternehmen. Wer hier sogar übernachten möchte, der kann in der kleinen Weinstadt eine wahrlich wilde Nacht verleben. In der berüchtigten Drosselgasse (jährlich von 3 Millionen Menschen besucht!) findet man viele urige Kneipen und wundert sich über das pulsierende Leben, das dort Tag und Nacht herrscht.

Bei Verlassen Rüdesheims fährt man dann durch den malerischen Rheingau, wo man sich für den Rest der Route noch großzügig mit exzellentem Wein eindecken sollte.

Wiesbaden, Mainz und die Main-Mündung

Ein Stückchen weiter flussaufwärts finden sich die Städte Mainz und Wiesbaden, jeweils Landeshauptstädte und lediglich durch den Rhein voneinander getrennt, der sich hier jedoch von einer seiner breitesten Seiten zeigt.

Ein Ort, den ich schon zu meinen Studienzeiten in Mainz sehr zu schätzen wusste, ist die sehr grün belassene Mündung des Mains in den Rhein, auf der Wiesbadener Seite gelegen. Hier schliessen sich direkt die lauschigen Rheinauen an. Bei gutem Wetter kann man hier toll im Gras sitzen und den Schiffsverkehr auf dem Rhein bestaunen.

Mainmündung Wiesbaden
Mainmündung Wiesbaden

Über die große Brücke gelangt man schließlich wieder zurück auf die linke Seite des Rheins, auf der es sich für die nächste Kilometer netter fährt.

Mainz selbst ist mit seinen beeindruckenden alten Bauten auch ein paar Stunden Besuchszeit wert. Und auch das Wiesbadener Schloss kann man natürlich besichtigen, wenn man die Zeit dafür hat.

Worms

Die von Kelten gegründete Stadt ist eine der ältesten Deutschlands. Die Studentenstadt versprüht ein sehr gemütliches Flair.

In Worms lohnt es sich, in die Geschichte der einstmals großen jüdischen Gemeinde einzutauchen. Die hübsche Altstadt kann hiervon an jeder Ecke eine Geschichte erzählen. Lohnenswert ist auch ein Ausflug zum jüdischen Friedhof ‚Heiliger Sand‘ sowie zur Nibelungenbrücke mit ihrem beeindruckenden Nibelungenturm. In der Nähe der Brücke gibt es auch ein nettes Restaurant direkt am Rheinufer.

Worms
Worms: Heiliger Sand, Nibelungenturm und Rheinufer

Mannheim und Ludwigshafen

Mannheim und Ludwigshafen sind beide keine Schönheiten. Gerade das Rheinufer wird hier von riesigen Industriearealen dominiert. In Mannheim ist jedoch der Luisenpark sowie die große Moschee einen Besuch wert. Und auch die Kunsthalle vermag zu überraschen.

In Ludwigshafen gibt es ein paar erstaunlich ruhige Ecken direkt am Rhein. In einem Park wimmelt es interessanterweise vor kleinen, bunten Papageien! Man munkelt, dass ein paar ausgesetzte Vögel dank der Klimaerwärmung in nur wenigen Jahren diese beeindruckende Kolonie hervorgebracht haben.

Ludwigshafen
Unerwartetes Idyll in Ludwigshafen: Und aus den Platanen singen die Papageien!

Speyer

Auch Speyer ist eine sehr alte Stadt. Sie hat mit ihrem Wahrzeichen, dem Dom, ein beeindruckendes Gebäude zu bieten. Immerhin ist er die größte erhaltene romanische Kirche Europas. Auch Stadttor, Gedächtniskirche sowie die gesamte Altstadt lohnen einen Besuch.

Speyer
Speyer mit Dom

Staustufen in Gambsheim und Iffezheim: Spannender als man denkt

Nun wird es wieder etwas ruhiger entlang des Rheins. Doch auf den nächsten Kilometern finden sich gleich mehrere Staustufen, die man besichtigen kann. Aufgrund der Begradigung des Rheins hat sich die Fließgeschwindigkeit drastisch erhöht. Mit den Staustufen in Gambsheim und Iffezheim wirkt man diesem Phänomen entgegen. Da der Rhein hier vielerorts die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich markiert, sind die Staustufen meist Gemeinschaftsprojekte der beiden Länder.

Damit die Staustufen die Wanderung der Fische nicht aufhalten, gibt es immer einen sogenannten Fischpass. An den beiden großen Staustufen ist dieser so gestaltet, dass man von einem Beobachtungsraum aus die Fische bei ihrer Wanderung flussaufwärts beobachten kann.

Gambsheim und Iffezheim
Gambsheim, Iffezheim und ein intimer Blick in die Fischwanderung

Die Vogesen

Der Rhein markiert hier die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland. Als er früher noch wild und ungezügelt floss, änderte er nicht selten nach einer Flut leicht seinen Verlauf. Das hatte tatsächlich zur Folge, dass manche Gemeinden alle paar Jahre ihre Nationalität wechselten, da sie nun plötzlich wieder in einem anderen Land lagen.

Riquewihr
Riquewihr

Ich empfehle sehr, hier für einen kurzen Moment den großen Fluss zu verlassen und wenigstens ein bißchen in die entzückende Hügelwelt der Vogesen einzutauchen. Kleine, malerische Dörfer, weitläufige Weinberge, und jenseits des Rheins lässt sich der Schwarzwald erahnen.

Ein toller Ausflugsort ist das kleine Riquewihr, wo man tolle Weinführungen machen kann. Empfehlung auch: Hier unbedingt eine Galette essen, eine herzhaft belegte Crêpe. Oder aber natürlich den Klassiker: Flammkuchen!

Witzig ist hier der lokale Dialekt, der irgendwie nicht so wirklich französisch, aber beim besten Willen auch nicht rein deutsch klingt…

Riquewihr
Weinberge in Riquewihr

Straßburg

Und schon tauchen wir vollkommen in Frankreich ein, und zwar in das bildhübsche Straßburg. Wer den Rhein nicht spätestens hier lieben lernt, der sollte diese Tour vielleicht abbrechen!

Denn gerade entlang des Flusses finden sich mit die schönsten alten Bauten Straßburgs sowie urige Gasthäuser wie etwa das ‚Maison Kammerzell‘. Wer noch immer nicht genug Kirchen gesehen hat, der sollte sich das Straßburger Münster anschauen. Auch das Münsterviertel ist einen Besuch wert. Und um die ‚Dreieinigkeit des Münsters‘ zu komplettieren sollte man hier mal einen Flammkuchen mit Münster-Käse probieren. Stinkt ziemlich eklig, aber schmeckt geradezu himmlisch!

Strasbourg
Schönes Strasbourg

Hat man die Altstadt durch, so sollte man sich auch das europäische Parlament nicht entgehen lassen. Ansonsten bietet Straßburg viel Kunst und eine entspannte, studentische Atmosphäre.

Strasbourg: Europäisches Parlament
Straßburg: Europäisches Parlament

Basel

Nun geht es Knall auf Fall. Denn der nächste Stopp liegt schon wieder in einem anderen Land, der geordneten Schweiz. Auch Basel besticht durch seine sehr alten Gemäuer, von denen viele kamerawirksam direkt am Rhein liegen. Das Baseler Münster sollte man sich auch von innen ansehen, alleine schon wegen des sagenhaften Ausblicks vom Turm.

Tipp: Von der Skylounge des Ramada Plaza hat man einen noch tolleren Ausblick in alle Richtungen.

Basel
Basel: Blick von der Skylounge, Blick vom Münster, alte Bauten und ein Boot, dessen Technik überrascht

Interessant ist auch das hölzerne Boot, mit dem man beim Münster den Rhein überqueren kann. Denn das uralte System aus Seilen macht sich die Strömung des Rheins zunutze, die den Kahn ohne weiteres Zutun von einem Ufer zum anderen befördert.

Basel Mittlere Brücke
Basel Mittlere Brücke

Die Mittlere Brücke in Basel ist die älteste Brücke über den Rhein überhaupt, und somit natürlich einen Besuch wert.

Basel: Die sogenannte 'Chemie Silhouette'
Basel: Die sogenannte ‚Chemie Silhouette‘

Die dunkle Seite Basels erzählen die zahlreichen Chemiefirmen, die sich hier direkt am Fluss angesiedelt haben. 1986 ereignete sich ein Chemie-Unfall der Firma Sandoz, der den Rhein komplett rot färbte und alles Leben in ihm auslöschte. Der Fluss brauchte Jahre, um sich davon zu erholen.

Der Rheinfall in Schaffhausen

Man sollte sich darauf gefasst machen, dass es nun Tag für Tag noch idyllischer wird!

Bereits auf dem Weg zum Rheinfall passiert man eine Brücke, wie man sie vermutlich noch nicht gesehen hat: Die Holzbrücke Bad Säckingen, längste gedeckte Holzbrücke Europas und immer wieder gern Motiv für Filmdrehs.

Auf dem Weg: Bad Säckingen
Auf dem Weg: Bad Säckingen

Von dort ist es nicht mehr weit zur größten Attraktion, die der Rhein auf seiner gesamten Länge zu bieten hat: Dem Rheinfall bei Schaffhausen. Der zweitgrößte Wasserfall Europas ist wirklich ein Spektakel. Erst hier realisiert man wirklich, wie viel Wasser der Rhein eigentlich führt.

Auch wenn der 23 Meter hohe Wasserfall von Touristen geradezu überrannt wird, kommt man um einen Besuch nicht herum. Ich empfehle, beide Rheinufer zu besuchen, um noch mehr tolle Perspektiven für Fotos zu finden. Und eine Bootstour, die einen bis fast in die Gischt sowie auf den Felsen in der Mitte des Falls bringt, ist ein absolutes Muss!

Rheinfall Schaffhausen
Beeindruckende Wassermassen: Rheinfall Schaffhausen

Auf dem Weg zum Bodensee

Weniger spektakulär, dafür noch mal eine Ecke malerischer präsentiert sich der Bodensee. Kurz bevor man ihn erreicht, passiert man eine weitere beeindruckende Brücke, die man am besten vom angrenzenden Hügel aus sehen kann: Die Rheinbrücke Diessenhofen.

Auf dem Weg: Diessenhofen
Auf dem Weg: Rheinbrücke Diessenhofen

 

Auf dem Weg: Diessenhofen
Besonders im Herbst ein wahrer Augenschmaus

Von Norden kommend erreicht man dann zuerst den Untersee, bevor man einen Blick auf den doch ziemlich großen Bodensee werfen kann. Um Strecken zu verkürzen, empfiehlt sich hier die Autofähre über den See.

Bodensee
Bodensee

Stein am Rhein

Kurz vor dem Untersee befindet sich das bildhübsche Stein am Rhein. Abertausende japanische Touristen können sich nicht irren: Stein ist vermutlich eines der schönsten Dörfchen der ganzen Schweiz. Es ist vor allem für seinen gut erhaltenen, sehr alten Dorfkern berühmt. Mittelalterliche Baute prägen das Dorfbild.

Stein am Rhein
Stein am Rhein

Insel Reichenau

Ebenfalls im Untersee befindet sich die hübsche Insel Reichenau, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Alleine die Anfahrt ist schon einen Besuch wert, erinnert sie doch fast an die vom Wasser umgebene Straße auf den Florida Keys.

Das Kloster Reichenau ist Unesco Weltkulturerbe. Aber auch abgesehen davon finden sich auf der Insel überdurchschnittlich viele hübsche Flecken!

Insel Reichenau
Insel Reichenau

Von Konstanz nach Friedrichshafen

„Wo ist er denn jetzt eigentlich, der Rhein?“, höre ich Dich fragen. Tatsächlich ist er gewissermaßen im Bodensee drin. Will meinen, er fliesst im Südosten in ihn hinein und Richtung Nordwesten wieder aus ihm heraus. Was natürlich die Frage offen lässt, ob er nach einem so großen See noch immer derselbe Fluss ist…

Wie dem auch sei, sollte man einen Besuch des Bodensees geniessen. Von Konstanz in der Schweiz nimmt man am besten eine Fähre nach Friedrichshafen, das dann wieder in Deutschland liegt. Fährt man von dort aus weiter im Uhrzeigersinn um den See herum, erreicht man schon bald Österreich, das ebenfalls bis an den Bodensee reicht.

Doch unterwegs nicht verpassen: Eine einmalige Tour im Zeppelin in Friedrichshafen!

Schön, egal von welchem Land aus gesehen: Der Bodensee. Links unten einer der Zeppeline, mit denen man einen Rundflug machen kann.
Schön, egal von welchem Land aus gesehen: Der Bodensee. Links unten einer der Zeppeline, mit denen man einen Rundflug machen kann.

Der Alpenrhein

Nach dem Rheindelta, das sich an den Bodensee anschliesst, bezeichnet man den Rhein für die nächsten Kilometer flussaufwärts als Alpenrhein. Der Name verrät bereits alles: Rundherum wird es nun bergiger.

Unterwegs gibt es es einige schöne Orte wie die Rheinauen zu bestaunen. Zudem befahren wir nun das sechste Land auf dieser Tour: Liechtenstein. Das Land ist dermaßen klein, dass man es fast verpassen kann, wenn man nicht aufpasst!

Neuer Rhein bei Bregenz, Rheinauen bei Hohenems, Liechtenstein, Schloss Sargans
Alpenrhein bei Bregenz, Rheinauen bei Hohenems, Liechtenstein, Schloss Sargans

Danach bewegen uns für den Rest der Reise in der Schweiz. Das heisst: Etwas teurere Preise, dafür aber hervorragender Käse und Schokolade vom Feinsten!

Und natürlich: Idyllische Ausblicke ohne Ende. Hier nur eine kleine Auswahl:

Blick von Schloss Sargans
Blick von Schloss Sargans
Neuer Rhein zwischen Bad Ragaz and Chur
Der Alpenrhein zwischen Bad Ragaz and Chur

Die ‚Entstehung‘ des Rheins: Zusammenfluss von Vorderrhein und Hinterrhein

Schon bald erreichen wir nun den Punkt, ab dem der uns liebgewonnene Fluss nicht mehr den Namen Rhein trägt. Denn in Reichenau fliessen die Flüsse Vorderrhein und Hinterrhein zusammen, die aus ganz unterschiedlichen Gegenden entspringen. Erst ab hier flussabwärts ist der Rhein der Rhein.

 

Zusammenfluss Vorderrhein und HinterrheinZusammenfluss von Vorderrhein und Hinterrhein bei Reichenau

Auf der Spur des Vorderrheins: Die Rheinschlucht

Zwischen Ilanz und Reichenau erstreckt sich diese 13 Kilometer lange und bis zu 400 Meter tiefe Schlucht, die unzählige Fotomotive bietet. Die rätoromanisch ‚Ruiaulta‘ genannte Schlucht entstand über Tausende von Jahren durch einschneidende Wassermassen.

Rheinschlucht
Rheinschlucht

Wer die schönsten Ecken finden möchte, der muss sich hier ein wenig auf die Suche machen und darf auch kleinere, teils sehr steile Straßen nicht scheuen. Trust me: Die Abenteuerlust wird belohnt!

Rheinschlucht
Rheinschlucht

Ende Gelände: San Bernardino

Der Vorderrhein entspringt aus verschiedenen Quellen, hauptsächlich aber dem Tomasee. Bis er sich mit dem Hinterrhein vereint, sind noch einige, fast ebenso große Flüsse, in ihn gemündet. Zum Tomasee kommt man leider nicht per Auto, wohl aber ins hübsche San Bernardino, das nur noch ein paar Kilometer vor der italienischen Grenze liegt. Hier oben auf dem Berg muss die Rhein-Spurensuche leider enden, zumindest was den Vorderrhein angeht.

San Bernardino
San Bernardino: Stellt man sich die Schweiz nicht exakt so vor?

Um zumindest einen Eindruck davon zu bekommen, wie der Tomasee vermutlich in etwa aussieht, sollte man noch die paar Kilometer zum Lac d’Isola fahren.

San Bernardino
Lac d’Isola: Nicht die Quelle des Rheins, aber das interessiert bei diesem Anblick dann auch nicht mehr!

Hinterrhein

Der Hinterrhein entspringt im Hochtal des Rheinwalds, und zwar aus dem Rheinwaldgletscher. Diesem kam in unserer Doku seinerzeit ein besonders symbolischer Wert zu, da er in den letzten Jahren dramatisch geschrumpft ist. Wir besuchten ein altes Bauernehepaar in einem der letzten Dörfer, die man vor dem Gletscher per Auto erreichen kann. Sie zeigten uns Postkarten von damals und erzählten, dass der Gletscher noch vor wenigen Jahrzehnten bis fast an ihre Hütte reichte. Heute braucht man fast ein Fernglas, um ihn noch ausmachen zu können.

Hinterrhein
Nahe des Rheinwaldgletschers

Der Rheinwaldgletscher

Ja und, wie sieht er denn nun aus, der Gletscher, aus dem dem der Rhein entspringt?! Leider, leider muss ich Dich da an die Serie verweisen. Den so gerne wir alle mit dem Helikopter zum Gletscher geflogen wären, er hatte leider nur vier Sitzplätze…

Und so war das Letzte, das ich auf dieser zweiwöchigen Tour den Rhein hinauf gesehen habe, das Hinterteil eines Helikopters…

Auf zum Gletscher!
Auf zum Gletscher! Leider ohne mich.

Wer sich noch mehr Vorfreude auf den Rhein Road Trip verschaffen möchte, der sollte sich die ganze Serie ‚Rivers and Life‘, zumindest aber die Folge über den Rhein mal zu Gemüte führen. Die sehr informative National Geographic Serie kann ich tatsächlich jedem ans Herz legen. Die sechs einstündigen Folgen behandeln jeweils einen Fluss: Yangtse, Ganges, Rhein, Amazonas, Nil, Mississippi. Hier kann man sie bestellen.

Und hier noch ein paar generelle Infos zum Rhein Road Trip:

  • Gesamte Länge der Tour: Etwa 1350 Kilometer
  • Bereiste Länder: Holland, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Österreich, Liechtenstein
  • Empfohlene Dauer: Will man alles sehen, was ich beschrieben habe, dann sollte man sich schon 10-14 Tage Zeit für die Tour nehmen
Rhein Road Trip Route
Rhein Road Trip Route

 

Für mehr Hintergrundgeschichten zum Job am Rhein sowie Geschichten von 90 anderen seltsamen Jobs, checkt mein Buch:

Whatever work(s)

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