Der Traum vom Fliegen

Almost ready for take-off

Sind Träume nichts als Schäume? So einfach wollte ich die Sache noch nie abtun. Besonders, da mich Träume schon einige Male zu richtigen Entscheidungen bewogen haben, und das besonders auf Reisen.

Above the clouds

Träume sind, gerade weil sie verblüffenderweise noch immer wenig erforscht sind, ein faszinierendes Phänomen. Ein Favorit unter Traumdeutern ist der Traum vom Fliegen. Unzählige Bedeutungen werden einem solchen zugeschrieben, natürlich auch abhängig von der Epoche, in welcher der jeweilige Deuter gelebt hat. Doch auch unter Schlaf- und Hirnforschern erfreut sich dieses Traumthema großer Beliebtheit, da es besonders erstaunlich ist, dass wir auch von Dingen träumen können, die wir im Wachzustand noch nie erlebt haben.

Neben Träumen, in denen ich mich verliebe, sind Träume, in denen ich selbst fliege, meine absoluten Lieblingsträume. Sie kommen nur selten vor. Und sie laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Egal, wo ich mich im Traum gerade befinde, realisiere ich von einem Moment zum anderen, dass ich fliegen kann! Sofort überkommt mich eine starke Euphorie. Dann lehne ich mich einfach langsam nach vorne, immer weiter. In dem Moment, da meine Neigung dann schließlich zu schräg wird um zu stehen, gleite ich in eine waagerechte Position, etwa einen Meter über dem Boden. Ich schwebe! Ein paar Schwimmbewegungen reichen nun aus, um mich auf dieser Höhe sanft nach vorne zu bewegen oder mich  auch mit Leichtigkeit hoch in die Lüfte aufzuschwingen. Und jedes Mal aufs Neue ist das ein wahnsinniges Gefühl! Ich fliege nicht mal außergewöhnliche Manöver oder überquere immer beeindruckende Landschaften. Doch alleine das Gefühl des Fliegens selbst ist schlichtweg fantastisch.

So fangen meine Träume in der Regel nicht an.
So fangen meine Träume in der Regel nicht an.

Schlaf- und Hirnforscher sind sich einig, dass es Träume schon immer gegeben hat. Und so muss es wohl gekommen sein, dass Menschen begannen, die Faszination des Fliegens irgendwann aus dem Traum in die Wirklichkeit hinauszutragen. Tagträume, wenn man so will. Kreative Ideen, um die Wirklichkeit zu modifizieren. So findet sich schon in der griechischen Mythologie etwa Ikarus, der sich Flügel aus Wachs zusammenschusterte. Auch Universalgenie Leonardo da Vinci träumte bereits 1497 von der Fortbewegung in der Luft. Er nahm unterschiedlichste fliegende Tiere und Insekten als Modell, um über die Jahre hinweg diverse Flugapparate zu konstruieren. Doch wirklich geflogen ist er Zeit seines Lebens leider nie. Außer natürlich in seinen Träumen. Bleibt zu vermuten.

Es sollte noch eine Weile dauern, in der Vordenker mit teils haarsträubenden Fluggeräten versuchten, die Naturgesetze herauszufordern.

So etwa stelle ich mir Fluggeräte vor, die nicht fliegen.
So etwa stelle ich mir Fluggeräte vor, die nicht fliegen.

Über Ballons, Luftschiffe und die ersten Gleiter von Otto von Lilienthal führte die Entwicklung schließlich zum ersten gesteuerten Motorflug im Jahre 1903. So schlimm der 1. Weltkrieg auch war, so beschleunigte er doch rasant die technische Entwicklung des Flugzeugbaus, sodass man nun immer höher und weiter und, vor allem auch, immer sicherer fliegen konnte.

Die ersten Ganzmetallkonstruktionen, immer neue Flugrekorde, Charles Lindbergh – Meilensteine in der Luftfahrt. Kurz darauf entwickelte man die ersten Passagierflugzeuge, die jedoch zunächst nur für wenige Passagiere geeignet waren. 1939 dann begann das Zeitalter des Düsenantriebs, der das Fliegen schließlich komplett revolutionieren sollte.

Sonnenaufgang über den Wolken
Sonnenaufgang über den Wolken

Und heutzutage? Nehmen wir es als Selbstverständlichkeit hin, dass wir gemeinsam mit hunderten anderer Passagiere mit mehr als 1000 Stundenkilometer durch die Luft jagen. In über 10 km Höhe. Komfortabel, sicher und erschwinglich. Man sollte sich manchmal vor Augen führen, dass das, was sich so alltäglich anfühlt, nichts weniger ist als die Verwirklichung eines Jahrhunderte lang gehegten Traums!

Da ich mich viel mit Träumen beschäftige, weil ich irgendwann endlich das luzide Träumen beherrschen möchte (hier mehr dazu), interessiert mich auch, was und wie andere Menschen träumen. Und so fragte ich mich, ob Menschen, die beruflich mit dem Fliegen zu tun haben, auch davon träumen. Und ob sie sich bewusst sind, dass ihr Beruf letztendlich auf einen großen kollektivenTraum zurückzuführen sind.

Kristin Ruster, Purserin bei Condor, war so nett, sich meinen Fragen zu stellen:

Wie oft träumen Sie vom Fliegen? Da mein Traum vom Fliegen sich schon damals erfüllt hat, träume ich relativ wenig vom Fliegen. Und wenn, dann von Situationen, die ich schon erlebt habe oder von denen, die ich nie erleben möchte. 

Fliegen Sie dabei selbst oder in einem Flugzeug? Mich selbst sehe ich nie aktiv fliegen, sondern immer in einem Flugzeug (was wahrscheinlich mein Beruf mit sich bringt).

Sind sie sich bewusst, dass dieser Flug hier ein wahrgewordener Menschheitstraum ist? Obwohl ich schon so lange fliege, ist es für mich noch heute jedes Mal faszinierend, wenn das Flugzeug den Boden verlässt und anfängt zu fliegen. Scheinbar mühelos hebt das Flugzeug ab und gleitet leicht durch die Lüfte.

Wie definieren Sie persönlich den Traum vom Fliegen? Mein Traum vom Fliegen hat sich damals, vor 28 Jahren, erfüllt. Sehnsüchtig sah ich immer in die Luft, sobald ich ein Flugzeug  bemerkte. Und da ich im Harz aufgewachsen bin, habe ich all die Vögel bewundert, die sich frei und mühelos in der Luft bewegen konnten. Ihnen habe ich, glaube ich, zu verdanken, dass ich zur Fliegerei gegangen bin. Dafür werde ich immer dankbar sein!

Manche Traumdeuter interpretieren den Traum vom Fliegen als das Streben nach spiritueller Freiheit, andere als optimale Mischung von Kontrolle und Freiheit. Aus indischer volkstümlicher Sicht glaubt man, dass „die Reise gut oder übel verläuft, je nachdem das Fliegen wohl oder übel vonstatten ging.“ (Quelle: traumdeuter.ch) Nach einem sehr angenehmen Flug von München nach Goa bei leckerem Essen bin ich da jedenfalls guter Dinge!

Vielen Dank, Condor, für die Unterstützung dieser Reise! Und vielen Dank, liebe Piloten, fürs Fliegen!

 Cockpit - sehr anders als in meinem Traum.
Cockpit – sehr anders als in meinem Traum.

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