Als Backpacker in der Business Class

Alpen, Wüste, Steppe - Afrika von Nord nach Süde

Viele Backpacker wachsen mit zunehmendem Alter aus diesem Reisestil heraus. Andere wiederum scheinen sich unterbewusst dafür zu schämen, dass sie nun zwar immer noch mit dem Rucksack unterwegs sind, dafür aber mittlerweile in Luxus-Resorts absteigen. Diese nennen sich dann gerne mal Flashpacker, damit es immer noch abenteuerlich klingt.

Ich selbst werde vermutlich für immer Backpacker bleiben. Zum Einen ist es nach wie vor nur auf diese Weise möglich, mehrere Monate im Jahr auf Reisen zu sein und auch die entferntesten Ziele zu besichtigen. Zum Anderen aber muss ich einfach sagen: Ich liebe den Scheiß! Das Unterwegssein mit dem Rucksack und einem begrenzten Budget geschah für mich nie aus Verlegenheit, sondern da mir diese Form des Reisens tatsächlich eine Menge Spaß bereitet. Ich brauche keinen Luxus auf Reisen, suche gerne den Kontakt zu Einheimischen, und die schäbigsten Busse bringen doch oft die besten Geschichten!

Doch Condor, der Sponsor für meine Afrika-Reise #liatgoesafrica, hat sich ausgesprochen großzügig gezeigt. Auf meiner Reise nach Windhoek fliege ich Business Class! Und da ich hierzu wenig Erfahrungswerte habe, bin ich ausgesprochen gespannt, wie sich das wohl anfühlt.

Ein Schild, das man sonst eher aus der Entfernung sieht
Ein Schild, das man sonst eher aus der Entfernung sieht

Leicht typisch für meinen generellen Reisestil checke ich als letzter Passagier ein, zwei Minuten, bevor das Gate final schließt. Es ist ein nebliger Morgen mit Schnee und Eis; der einzige Zug nach Frankfurt hatte ein wenig Verspätung. Einen frühen Flug an Neujahr zu buchen, ist vermutlich doch nicht die smarteste Idee gewesen…

Als ich meinen abgewetzten Rucksack, der mich seit nunmehr 16 Jahren treu begleitet, aufs Band werfe, fragt mich die Dame am Check-In höflich, aber mit zweifelndem Blick, ob ich mir sicher bin, dass ich am richtigen Schalter gelandet bin. Ich bejahe das lächelnd. „Ja, Business Class!“ Ich habe mir extra mein bestes Hemd angezogen und mich sogar ein wenig gekämmt. Doch der Rucksack lässt sie offenbar über all das hinwegsehen. Aber nach einem Blick in ihr System lächelt auch sie. „Guten Flug!“ wünscht sie mir freundlich.

Die Sicherheitskontrollen sind natürlich für alle Passagiere die gleichen, egal in welcher Klasse man fliegt. Und so nimmt man mir erst mal komplett mein Handgepäck auseinander, da dort offenbar zu viele Kabel und Geräte drin sind. Das Arbeiten von unterwegs erfordert eine Menge Equipment. Und jedes einzelne Gerät kommt mit einem anderen Ladekabel…

Am Gate selbst jedoch fühle ich mich sofort privilegiert. Während die anderen Passagiere in einer langen Schlange stehen, werde ich nebenan sofort eingelassen. Ich fühle mich wie ein Prominenter oder ein leicht verwahrloster Aristokrat.

Und dann wird mir tatsächlich ein Sitz dort zugewiesen, wo man sonst immer nur zwei mal flink durchläuft und staunt, nämlich beim Ein- und beim Aussteigen: In den geräumigen Sitzen nahe des Cockpits. Doch es kommt noch besser. Ich habe nicht mal einen Sitznachbarn! Denn die Business Class dieses Vogels ist gerade mal zur Hälfte ausgebucht. Über den Bordfunk bietet man daher auch gerade den übrigen Passagieren ein Upgrade in die Luxusklasse an, doch keiner greift zu bei diesem Angebot über 669 Euro.

Der fantastische Sitz
Der fantastische Sitz

Kaum sitze ich, habe ich auch schon eine Champagnerflöte vor mir stehen. Das wohltemperierte Getränk mundet!

Mein Sitz lässt sich auf unüberschaubar viele Arten verstellen, das Bedienteil wirkt fast wie das Cockpit des Fliegers selbst. Ich drücke wahllos ein paar Knöpfe und werde sanft in eine Position gefahren, in der ich es problemlos 10 Stunden aushalten kann. Es ist dermaßen gemütlich, dass ich nicht mal mitbekomme, wie wir abheben.

Ein zehnstündiger Flug ist normalerweise kein Zuckerschlecken. Der Anfang mag ja noch OK sein, doch ab einem gewissen Zeitpunkt wird einem der Sitzplatz in der Regel zu einem qualvollen Gefängnis. Nicht so hier. In diesem ultragemütlichen Sitz in der modernisierten Boeing 767 vergeht die Zeit tatsächlich wie – Achtung – im Fluge! Sorry, konnte ich mir leider nicht sparen….

Schon vor dem Essen gibt es eine große Selektion alkoholischer Getränke. Der Aperitif meiner Wahl ist ein Gin Tonic. Dazu wird eine Auswahl an Zeitschriften gereicht. Ich blättere mich kurz durch die National Geographic, dann widme ich mich dem umfangreichen digitalen Unterhaltungsprogramm. Im Laufe des Tages sehe ich ganze drei Filme – ich lache, ich weine, ich knuspere Nüsschen, ich nicke immer mal wieder kurz ein.

Vom Feinsten - die Speisekarte
Vom Feinsten – die Speisekarte

Die sehr zuvorkommenden Stewardessen tuen alles dafür, mich dem Schlaf der Gerechten zuzuführen. Zum exquisiten Drei-Gänge-Menü reicht man mir einen vorzüglichen französischen Rotwein, das Dessert wird abgerundet von einem Brandy. Danach gibt es tatsächlich noch Kaffee und Gebäck. Die mich betreuende Flugbegleiterin empfiehlt mir einen Whisky zum Kaffee. Wer könnte dieses Angebot schon ablehnen!

Erster Gang
Der erste Gang von dreien

Danach schlafe ich wie ein Stein, und zwar stundenlang. Für gewöhnlich muss ich auf einem Flug immer mal wieder leicht meine Position variieren, da mir sonst einzelne Körperpartien absterben würden. Doch diesmal fühle ich mich wie ein Baby im Schoß seiner molligen Mama. Könnte es sein, dass dieser Sitz tatsächlich gemütlicher ist als mein eigenes Bett?

Nach ein paar Stunden bin ich vollends erholt und wieder einigermaßen nüchtern. Immer wieder öffne ich kurz meine Fensterblende und kann deutlich beobachten, wie sich nun die Landschaft unter uns verändert, während wir Afrika der Länge nach überfliegen. Ich höre Musik, räkele mich in meinem Sitz und bin insgesamt guter Dinge. Ja, so lässt es sich reisen!

Alpen, Wüste, Steppe - Afrika von Nord nach Süde
Alpen, Wüste, Steppe – Afrika von Norden nach Süden

Zu meinem privilegierten Ticket hat man mir am Schalter sogar noch einen Gutschein zum Shoppen an Bord mitgegeben. Dieser reicht genau für eine neue Pilotenbrille, die mir ausgesprochen gut steht, sowie ein Döschen leckerer Cola-Bonbons. Ich bin wunschlos glücklich.

Der Nachmittag verstreicht bei Filmen, Celebrity-Magazinen und einigen weiteren Gin Tonics. Kurz vor dem Abendessen ist es dann Zeit für ein zweites Schläfchen.

Die aufmerksamen Flugbegleiterinnen lesen mir wirklich jeden Wunsch von den Augen ab und so bin ich fast ein wenig traurig, als wir schließlich am Abend in Windhoek landen.

Doch dann öffnet sich die Tür und die trockene Hitze Namibias schlägt mir verheißungsvoll entgegen.

Das Abenteuer kann beginnen!

 

Vielen lieben Dank an Condor für den Support! Mein Testbericht wurde dadurch natürlich nicht beeinflusst.

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